Preise steigen
Rückkehrer lassen Bagdads Immobilienmarkt boomen

Bagdads einst gebeutelte Immobilienmakler erleben rosige Zeiten. In den vergangenen Monaten haben sich die Immobilienpreise in der irakischen Hauptstadt verdoppelt, potenzielle Käufer oder Mieter gibt es im Überfluss. Vor allem Stadtteile, in denen Sunniten und Schiiten seit langem zusammenleben, sind besonders gefragt.

BAGDAD. "Noch vergangenes Jahr gab es viele Immobilien und keine Käufer. Mittlerweile ist es umgekehrt", sagt Abdullah Dschasim vom Maklerunternehmen Al-Nur. Die Zahl der Gewalttaten im Irak ist in den jüngsten Monaten auf den geringsten Stand seit vier Jahren gefallen. Die Regierung ermutigt deshalb die Millionen ins Ausland geflohenen Iraker, in ihre Heimat zurückzukehren. Einigen hilft sie sogar, den Rückflug zu bezahlen. Hinzu kommen 2,8 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land, von denen die meisten aus Bagdad kommen.

Die Rückkehrer sorgten allerdings nur für etwa 20 Prozent der Nachfrage am Bagdader Immobilienmarkt, schätzt Investor Monawar Al-Subaidi. Zusätzlich angeheizt wird der Markt durch die ungelösten Konflikte im Land: Nachdem auf dem Höhepunkt der Nachkriegswirren täglich Dutzende Menschen allein wegen ihrer Konfession von Todesschwadronen ermordet wurden, wollen viele der zurückkehrenden Flüchtlinge jetzt nur noch mit Angehörigen der eigenen Religionsgruppe in der selben Gegend wohnen. "Die Viertel sind jetzt für die eine oder die andere Gruppe reserviert", sagt Immobilienmakler Mahmud Al-Mochtar.

Durch die Neuverteilung der Wohnviertel entstehen Knappheiten, die die Preise anfachen. So wollen Schiiten, die aus dem Distrikt Karch geflohen sind, jetzt mit ihren Glaubensbrüdern in Rusafa leben, berichtet ein Makler. Da Rusafa nur halb so groß sei wie Karch, stiegen dort die Preise. Doch selbst in Karch, einem ehemaligen Brennpunkt der Al-Kaida-Anschläge, hätten sich die Preise binnen eines halben Jahres verdoppelt. Eine 150-Quadratmeter-Luxuswohnung koste dort inzwischen 130 000 Dollar, sagt Investor Al-Subaidi. Auf die Trennung der Religionsgruppen zu setzen, hält Al-Subaidi vorerst für die beste Investmentstrategie. "Es gibt Sunniten, die sämtliche Häuser von Schiiten in sunnitischen Vierteln kaufen und umgekehrt. Sie tun das als Investition, weil sie wissen, dass Sunniten unter Sunniten und Schiiten unter Schiiten wohnen wollen."

Die höchsten Preise erzielen jedoch Häuser und Wohnungen in den wenigen verbliebenen gemischten Vierteln. Weil dort Schiiten und Sunniten schon immer friedlich zusammengelebt haben, gelten die Viertel als relativ sicher. Die Rückkehrer sind verblüfft: "Sie wundern sich, wie ich soviel Geld verlangen könne, und sagen, für den gleichen Preis könnten sie eine Villa in Tunesien kaufen", sagt Makler Al-Mochtar.

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