Preisverfall bei Rohstoffen
Australien schwächelt

Bislang war der Kontinent ein blühendes Land, auch wegen seiner Rohstoff-Vorkommen. Doch die Preise sind gefallen. Das belastet die Wirtschaft und auch die Immobilienmärkte.

DÜSSELDORF. Wenn die Stärke eines Gewerbeimmobilienmarktes über seine Leerstandsrate definiert wird, ist Australien der Herkules im globalen Vergleich: Lediglich 0,5 Prozent aller Büroflächen im 1,5 Millionen Einwohner zählenden Perth waren im Frühjahr dieses Jahres nicht vermietet. Und gleich auf dem zweiten Platz in dem von Immobiliendienstleister Colliers International erstellten weltweiten Ranking folgt Brisbane mit 0,7 Prozent.

Trotz des engen Marktes konnten Australiens Büro-Eigentümer keine Topmieten erzielen: Pro Quadratmeter (qm) und Monat zahlten Mieter im Schnitt 74,74 Dollar (50,84 Euro) in Brisbane. In Perth waren es sogar weniger als 50 Euro. In London hingegen, wo die Leerstandsrate mehr als acht Prozent beträgt, registrierten die Colliers-Analysten zum selben Zeitpunkt eine Durchschnittsmiete von 187,34 Dollar (127,44 Euro) pro qm und Monat. Firmen in Down under haben in den vergangenen Jahren zwar reichlich Flächen hinzugemietet, dabei jedoch strikt auf den Preis geachtet.

Getrieben wurde die Flächennachfrage vor allem vom Rohstoffboom. Sowohl Australiens Bergbau- und Transportunternehmen als auch die Finanzwirtschaft des Landes profitierten in hohem Umfang von den steigenden Preisen bei den Exportgütern Bauxit, Erdgas, Kohle, Nickel, Öl, Uran und Zink. Das verhalf den Australiern zu steigenden Einkommen und trieb die Preise am Eigenheimmarkt des Landes in ähnlich astronomische Höhen wie in Spanien oder den USA, wo die Preisblasen längst schmerzhaft geplatzt sind.

Ein solcher Crash stehe nun auch Australien bevor, warnt Steve Keen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der West Sydney University. "Die Spekulationsblase am Eigenheimmarkt steht kurz vor dem Knall." Erste Anzeichen für die Trendwende gibt es bereits: Seit die Rohstoffpreise zurückgehen, sind auch Australiens Banken zurückhaltender bei der Vergabe von Hypothekendarlehen und verlangen von den Käufern höhere Eigenkapitalanteile. Das schlägt sich bereits im Konsumverhalten nieder. Seit dem Frühjahr geht der Einzelhandelsumsatz Monat für Monat um 0,4 Prozent zurück. "Bereits seit Februar haben die Textilanbieter mit nachlassender Nachfrage zu kämpfen", sagt Colliers-Researcherin Felice Spark. "Seit April verzeichnen auch Lebensmitteleinzelhändler leicht rückläufige Zahlen."

Das lässt Projektentwickler und Investoren auf die Bremse treten. "Die Büroimmobilieninvestments in Sydney sind deutlich zurückgegangen", schreiben die Marktbeobachter von CB Richard Ellis (CBRE) in ihrer jüngsten Studie. Weil in den vergangenen Monaten kaum noch Immobilien gehandelt wurden, lasse sich das Preisgefüge zwar nur schwer ermitteln. Es sei jedoch davon auszugehen, dass Käufer derzeit "um bis zu 50 Basispunkte höhere Nettoanfangsrenditen als noch zu Jahresbeginn erzielen", lautet das Fazit der Untersuchung.

Für ausländische Investoren, darunter auch deutsche Anleger geschlossener Australienfonds, droht das größte Risiko jedoch an einer anderen Front: Fallende Rohstoffpreise ziehen den australischen Dollar mit. Kostete ein Euro im November 2007 nur 1,55 australische Dollar, mussten Australier im August dieses Jahres bereits 1,71 Australien-Dollar hinlegen, um einen Euro zu erhalten. Gegenüber dem Dollar verlor die australische Währung allein im Sommer dieses Jahres sogar 15 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass die australische Währung weiter sinken wird. Denn die Reserve Bank of Australia hat bereits angekündigt, die Leitzinsen zu senken, um die Wirtschaft des Landes zu stützen.

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