Private Wohnobjekte
Anleger stürzen sich auf Immobilien

In Krisenzeiten steigt das Interesse an Wohnimmobilien steil an. Seit der Lehman-Pleite ist die Nachfrage nach Kaufobjekten um das Vierfache gestiegen, das zeigt eine exklusive Untersuchung. Niedrige Zinsen und der Schutz vor Wertverlust treiben die Käufer an. In einigen Regionen übersteigt die Nachfrage bereits deutlich das Angebot. Preise und Mieten steigen.
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DÜSSELDORF. In Krisenzeiten zählen reale Werte. Anlagen, die vermeintlich sicher waren, können plötzlich einen großen Teil des Wertes verlieren. Hoffnungsträger mutieren an den Börsen innerhalb weniger Tage zu Pennystocks. Wenn - wie während der Finanzkrise - gleichzeitig die Aktienkurse fallen, Renditen für Staatsanleihen in den Keller gehen und auch Gold und Öl an Wert verlieren, geraten Investoren in einen Anlagenotstand.

Als Alternative stürzen sich Anleger auf den Immobilienmarkt. Auf der Suche nach einem sicheren Platz für das Ersparte stieg das Interesse der Deutschen an Wohnimmobilien während der vergangenen Jahre massiv an. Das belegt eine Auswertung von Immobilienscout24 für das Handelsblatt. Das Immobilienportal analysierte bei mehr als sechs Millionen Inseraten für Wohnimmobilien, die seit der Finanzkrise auf dem Portal zum Verkauf angeboten wurden, das Verhältnis von Gesuchen und Angeboten.

Während sich in den Monaten vor der Lehman-Pleite auf jedes Kaufangebot im Schnitt zwischen 20 und 30 Interessenten meldeten, stieg die Marktspannung nach der Insolvenz im September 2008 bis zum Frühjahr auf 70 an. "Während das Angebot leicht zurückging, explodierte gleichzeitig die Zahl an Kaufinteressenten", sagt Marc Stilke, Geschäftsführer von Immobilienscout24.

Die Lage entspannte sich in den Monaten nach der Rettung des Bankensystems nur wenig. Das Verhältnis von Verkäufern und Interessenten blieb auf hohem Niveau. Saisonal bedingt folgten im Herbst 2009 neue Rekordstände, die sich nicht wie üblich zum Jahreswechsel abkühlten, sondern erst ab März 2010 beruhigten. Während der Griechenland- und Eurokrise stieg die Marktspannung bis Mai dann auf einen neuen Rekordstand von 86 Gesuchen pro Angebot. "Die Nachfrage nach Immobilien hält an, in einigen Regionen werden die Objekte mittlerweile knapp", sagt Stilke.

Neben der Angst um die Werthaltigkeit des Aktiendepots und der eigenen Währung treiben vor allem niedrige Zinsen für Baugeld Interessenten zum Abschluss. Innerhalb eines Jahres sanken die Sätze für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung um rund 1,2 Prozentpunkte auf durchschnittlich 3,25 Prozent. "Selbst mit 35 Prozent Barmitteleinsatz bekommen Kreditnehmer schon Zinsen von unter drei Prozent geboten," sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Auch hier wirkt die Krise. Die Notenbanken möchten die Konjunktur ankurbeln und Anleger setzen auf deutsche Staatsanleihen als sicheren Hafen. Sinkende Leitzinsen und Renditen für deutsche Bonds drücken die Zinsen für Baufinanzierungen.

Selbst prominente Vermögensverwalter raten mittlerweile zum Kauf von Wohneigentum: "Hierzulande gibt es keine Blase wie in Spanien", sagt beispielsweise Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der Münchener Vermögensverwaltung DJE Kapital. Neben Fonds und Zinshäusern sollten Geldanleger, die zur Miete wohnen, einmal erwägen, ein Haus für sich zu kaufen. "Sachwerte haben in den vergangenen Jahren gut im Wert zulegen können", sagt Ehrhardt. "Und ich glaube mittel- bis langfristig an höhere Inflationsraten".

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  • @petervonbremen du liegst ganz schön daneben mit dein zahlenspiel,in bezug zum finanzgau krachts richtig rein da rettet dich Haus ob vermietet oder eigennutzung überhaupt nicht,denn der ruin schleicht schon längst um dein haus,ohne gnade ob mieter oder vermieter.die schuldenlast stemmt niemand mehr.54 billionen realvermögen zu 683,7 billionen ungedekte derivate die müssen bezahlt werden so nebenbei noch ein paar Kriegseinsätze.gemixt mit staatsschulden die läppische 800 jahre abgezahlt werden jetziger stand.der euro wurde eingeführt um die wiederkehrenden Währungskrisen zubekämpfen,mit der einheitswährung hat man ein übel gegen ein anderes ausgetauscht.Das Experiment euro wurde nötigweil ab 1973 die kapitalmärkte liberalisiert wurden.Seither hat sich das wirtschaftswachstum verlangsamt,die reallöhne steigen nur noch schneckentempo wenn überhaupt.lasst das mit den häusern,gold in kanada,norwegen hier gibts nichts mehr zu retten.wenn dann sind wir nicht mehr dabei

  • Ein blick zurück zur bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, die wegen Schrottimmobilien im Osten kurz vor dem Aus durch die HRE übernommen wurde.
    Leerstand, so weit das Auge reicht, sogar Mitte in Leipzig. Ganze Straßenzüge neu saniert, aber nirgends ein Mieter! Nicht immer ist die Mafia der Eigentümer und wird zum Geldwaschen genutzt. Vor allem immobilen-Fonds leiden massiv unter dieser Negativ-Spirale.

    Und wie schon in meinem vorangegangenem Kommentar erwähnt, über eine Milliarde Euro Mietrückstände in den neuen bundesländern. Sogar für die bayern-Hyp war dies zu viel.

    Sie laufen also nicht nur ihrer Miete hinterher, Sie müssen sogar noch ihrem Mieter bis zur Räumungsklage seine gesamten Nebenkosten bezahlen!! Das Geld vom Amt wird umgehend in Alohol und Zigaretten umgesetzt.

    Und beim Erwerb von selbstgenutztem Wohnraum haben Sie unendlich viel Zeit, um sich das Objekt ihrer begierde auf einem immer größerem Angebotsmarkt zu einem immer günstigeren Preis kaufen zu können. Da spielen die Hypotheken-Zinsen eine völlig untergeordnete Rolle.

    Weil die Finanz- und Wirtschaftskrise mit unendlichen Milliarden ein paar Jahre hinausgeschoben wurde, alles natürlich auf Pump, bis es sich ausgepumpt hatte, war der Arbeitsmarkt bisher fast nicht tangiert. So bald aber die Krise, von der wir erst einen ganz kleinen Teil sehen, auf dem Arbeitsmarkt ankommt, dann werden nicht wenige ihre einstigen Traumhäuser zum halben Preis verkaufen müssen. Man blicke nach Spanien, wie so etwas aussieht. Detroiter Zustände gibt´s dort in 2 oder 3 Jahren. Und bei uns? So genau weiß das niemand. Sicher ist nur, dass wir uns von der weltweiten Entwicklung nicht abkoppeln können. Auch wenn Edelmetalle nicht im Wert steigen und keine Rendite abwerfen, ihr eingesetztes Kapital ist sicher. Und Sie bleiben flexibel. beruflich und privat.

  • Vielen Häuslekäufern ist offensichtlich entgangen, dass die Kommunen die Grundsteuer als "neue" Einnahmequelle entdeckt haben und hier gigantische Steigerungen anstehen. in Stuttgart verursacht ein Einfamilienhaus mit mittelgroßem Garten derzeit ca. 1000 EUR Grundsteuer pro Jahr. Nach der 10jahres-Finanzplanung der Stadt Stuttgart (kann im Rathaus eingesehen werden) soll diese belastung bis 2020 auf 4000 EUR steigen. Tendenz sicherlich weiter steigend. Problem: Wer ein Haus hat, kann sich mal nicht schnell verpissen. Es hängt ihm bei steigenden Abgaben wie ein Klotz am bein. Ähnlich wie Ferienhäuser in Griechenland, wo man derzeit um 1000% gestiegene Grundbesitzabgaben und Luxussteuern zahlen muss und die immobilien nicht mehr los wird.

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