Privatisierung
Bund stoppt Verkauf der TLG Immobilien

Nach dem Börsengang der Bahn ist ein weiteres zentrales Privatisierungsprojekt des Bundes gescheitert. Der Verkauf der vor allem in Ostdeutschland engagierten Immobiliengesellschaft TLG wurde wegen knapper Kassen mnöglicher Investoren bis auf weiteres verschoben.

DÜSSELDORF/BERLIN. Der Verkauf der bundeseigenen TLG Immobilien ist verschoben. "Die derzeit extrem widrigen Rahmenbedingungen auf den internationalen Finanzmärkten erlauben keinen erfolgreichen Abschluss des Privatisierungsverfahrens", teilte das Bundesfinanzministerium mit. Die TLG-Privatisierung soll "bei einem besseren Marktumfeld mittelfristig wieder aufgenommen" werden. Damit ist nach dem zurückgestellten Börsengang der Deutschen Bahn ein weitere große Privatisierung eines Bundesunternehmens in diesem Herbst geplatzt.

Die TLG, die einst entstand, um Immobilien der Treuhandanstalt zu privatisieren, ist inzwischen als aktiver Käufer, Verkäufer und Projektentwickler ausschließlich auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt tätig. Das Immobilienvermögen, das aus Gewerbe- und Wohngebäuden besteht, hat laut TLG aktuell einen Wert von rund 1,5 Mrd. Euro. Die Gesellschaft ist damit laut TLG-Chef Volkmar von Obstfelder "die Nummer eins unter den Immobilieninvestoren im Osten". Der Fünf-Jahresplan sieht ein weiteres Wachstum des Immobilienvermögens auf 2,1 Mrd. Euro vor.

Ursprünglich wollte die Bundesregierung die TLG Immobilien GmbH mit Sitz in Berlin noch 2008 privatisieren. Angestrebt wurde ein direkter Verkauf aller Anteile an einen Investor oder eine Investorengruppe. Die Privatisierung der TLG wäre eine der größten Immobiliengeschäfte im laufenden Jahr gewesen. Experten rechneten dem Vernehmen nach zuletzt mit einem Preis zwischen 700 und 750 Mio. Euro.

Aus Finanzkreisen war zu hören, dass den beiden letzten Interessenten - Lone Star sowie Perella Weinberg als Spitze eines Konsortiums - die Finanzierung weggebrochen sei. Es soll in der letzten Angebotsrunde mehrere Nachfristen gegeben haben, um den Bewerbern Gelegenheit zu geben, die Finanzierung sicherzustellen.

Perella Weinberg Partners hat nach eigenen Angaben mehr als eine Mrd. Dollar bei Investoren für seine Aktivitäten eingesammmelt, ist aber als Immobilienkäufer in Deutschland noch nicht in großem Stil in Erscheinung getreten. Anders ist es bei Lone Star: Der US-Finanzinvestor, der ebenfalls lange Zeit mitbot, sich aber wegen der zu erwartenden Finanzierungsprobleme vorzeitig zurückzog, ist mit 24,2 Prozent größter Aktionär der Deutsche Wohnen, der zweitgrößten börsennotierten Wohungsgeselslchaft in Deutschland. Die Gesellschaft verfügt außerdem über Erfahrungen mit deutschen Liegenschaften aus der Verwertung nicht bedienter Immobilienkredite, die Lone Star in großem Stil bei deutschen Banken aufkaufte und aus der Übernahme des Immobilienfinanzierers Coreal (früher AHBR) erhielt.

Die TLG äußerte sich auf Anfrage nicht zum zurückgestellten Verkauf des Unternehmens. Aus früheren Bemerkungen der Geschäftsführer lässt sich allerdings schließen, dass sie den Verkauf zu den kolportierten Preis von rund 700 Mio. Euro als ein Verschleudern des Unternehmens bedauert hätten. Im Abschluss 2007 bilanziert die TLG ein Immobilienvermögen von rund 1,4 Mrd. Euro und ein Eigenkapital von 939 Mio. Euro. Die ostdeutsche Gesellschaft schloss das zurückliegende Geschäftsjahr mit einem Rekordgewinn nach Steuern von 52,4 (Vorjahr 26,9) Mio. Euro. Aus dem Umfeld des Unternehmens war zu hören, dass der Abschluss 2008 nach Verlauf der ersten neun Monate noch besser ausfallen dürfte.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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