Privatisierung
Tiroler Berge im Ausverkauf

Österreichs Bundesimmobiliengesellschaft treibt die Privatisierung auf die Spitze und will einige Berge verkaufen. Die Politiker finden dieses Angebot nicht witzig.
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WienDer Große Kinigat ist zwar nicht der höchste Berg Österreichs. Doch landschaftlich ist es in Osttirol im Süden der Alpenrepublik außerordentlich schön. Bei Sonnenschein erlaubt der knapp 2700 Meter hohe Gipfel einen herrlichen Blick nach Süden. Nach Italien, das praktisch nur einen Steinwurf von diesem österreichischen Berg entfernt ist.

Solch ein Gipfel kann eigentlich keinen Ärger auslösen, dafür ist er einfach zu schön. Dass es trotzdem dazu gekommen ist, hat die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) im fernen Wien zu verantworten. Die beiden BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss und Wolfgang Gleissner haben den Privatisierungsauftrag ihrer Regierung sehr ernst genommen und suchen nach Käufern für überschüssige Liegenschaften und Immobilien. Denn auch das recht solide Österreich kann jeden zusätzlichen Euro gut gebrauchen. Die Finanzkrise hat die Schulden ordentlich in die Höhe getrieben, jetzt muss das öffentliche Haushaltsdefizit wieder kleiner werden.

In Osttirol sind die BIG-Chefs fündig geworden. Der Große Kinigat gehört zum Bestand der staatlichen Immobiliengesellschaft wie auch der Rosskopf in unmittelbarer Nachbarschaft, aber nur etwa 2600 Meter hoch. Warum soll man so etwas nicht zu Geld machen? Das meinte jedenfalls die BIG-Zentrale in Wien und suchte nach privaten Käufern für die beiden Gipfel. Die staatlichen Immobilienverwalter wollten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, das Management der Gebäude für Ministerien und andere öffentliche Verwaltungen.

Mit guten Absichten hat die BIG-Führung mit dem Verkaufsprozess für die beiden Berge in Osttirol begonnen. Eine öffentliche Ausschreibung startete, interessierte Käufer sollten ihre Angebote abgeben. Die beiden Gipfel im Süden der Alpenrepublik hätten ein echtes Schnäppchen werden können: Das Mindestgebot lag bei gerade einmal 120000 Euro – für beide Berge. Kein Wunder, dass sich potenzielle Gipfelstürmer für die beiden Objekte interessierten. Auch aus Deutschland kam der eine oder andere Käufer.

Doch die Wiener Zentrale des staatlichen Immobilienverwalters hat die Rechnung ohne die Politik gemacht. Berge geben Österreich einen Teil seiner Identität, Gipfel werden nicht einfach auf die Resterampe geschoben.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter bezeichnete die BIG-Verkaufsideen wenig überraschend als „Schnapsidee“. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, zu seinem Ministerium gehört die BIG, hat dem forschen Treiben seiner Untergebenen ein schnelles Ende gesetzt. „Die Privatisierung von Berggipfeln ist nicht sinnvoll“, ließ der Minister verlauten. Die beiden Berge sollten auf jeden Fall in österreichischer und in öffentlicher Hand bleiben. Jetzt ist es umso wahrscheinlicher geworden, dass Kinigat und Rosskopf an das Land Tirol oder an die Gemeinde Kartitsch gehen, zu der die beiden Berge gehören.


Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Privatisierung: Tiroler Berge im Ausverkauf"

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  • Nullen regen sich über Nullen auf.Typisch.

  • "...werdet ihr feststellen,dass man Geld nicht essen kann."

  • 27000m, ich dachte der höchste Berg wäre der Mt. Everest

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