Projektentwickler setzen auf die Airports in Köln und Düsseldorf als Nischen in einem maroden Gewerbeimmobilienmarkt
Flughäfen locken mobile Büromieter

Hohe Leerstandsraten und rückläufige Mieten sprechen gegen neue Büroimmobilienvorhaben in Deutschland – zumal in den Randlagen der Großstädte. Auf der Suche nach potenziellen Kunden haben die Projektentwickler und Investoren das Umfeld von Flughäfen entdeckt.

HB DÜSSELDORF. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter häufig per Flieger zum Termin mit dem Kunden schicken oder regelmäßig Kollegen aus verschiedenen in- oder ausländischen Niederlassungen zu gemeinsamen Besprechungen einfliegen lassen, schätzen, so das Kalkül, die rasche Erreichbarkeit von Landebahn und Check-In-Schalter.

In Köln und Düsseldorf gehen in diesem Jahr zwei Projekte an den Start, die genau darauf setzen. Viel mehr als ihren Namen indes, so zeigt der Vergleich, haben „Airportcity Cologne“ und „Düsseldorf Airport City“ kaum gemeinsam. Zumindest zeitlich ist das Projekt in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt dem südlichen Nachbarn ein gutes Stück voraus. Bereits im September des Jahres, berichtet Projektleiter Volker Kallenborn, werde auf dem insgesamt 23 Hektar großen Areal südwestlich des Terminals die Tiefgarage mit 1 800 Stellplätzen fertig gestellt sein. Dann sollen auch die Aushubarbeiten für das erste Projekt auf dem Gelände einer ehemaligen britischen Kaserne beginnen, ein von der Maritim-Gruppe betriebenes Kongresshotel. Mit 533 Zimmern und Konferenzräumen für bis zu 5 500 Personen wird es das größte seiner Art in der Region Düsseldorf sein. „Es ist das Schlüsselprojekt der Airport City“, sagt Christoph Blume, für Immobilienaktivitäten zuständiges Geschäftsführungsmitglied der Flughafengesellschaft. Zwei Jahre lang habe man verhandelt, bis die Verträge im Februar dieses Jahres unter Dach und Fach waren.

Kaum weniger lange dauerten die Gespräche mit dem ersten Eigennutzer, der im Juni den Kaufvertrag für das Nachbargrundstück unterzeichnen soll. Ein Verband werde hier 10 000 Quadratmeter (qm) Bürofläche errichten, heißt es. „Für ihn war die Ansiedlung des Kongresshotels ein entscheidendes Ansiedlungskriterium, denn er beabsichtigt, die Hotel- und Konferenzkapazitäten für Schulungen zu nutzen“, berichtet Blume. Beide Vorhaben sollen bis Ende 2006 bezugsfertig sein.

In Köln sucht Udo Lammerting, Vorstandsvorsitzender der Lammerting Industriebau AG (LIAG), noch nach einem Ankermieter. „Ernsthafte Verhandlungen“ stimmen ihn optimistisch, rasch beginnen zu können. In einem Joint-Venture mit der Düsseldorfer IKB Deutsche Industriebank entwickelt das Kölner Unternehmen den Standort an der Autobahn A 59, etwa zwei Kilometer vom Köln-Bonner Flughafen entfernt. Hier, wo einst die Lufthansa AG ihr Kölner Hauptquartier aufschlagen wollte, investieren die beiden Partner rund 300 Mill. Euro in den Bau von 120 000 qm Bürofläche. „Es wird aber definitiv kein Hotel geben, auch die Ansiedlung von Einzel- oder Großhandel schließen wir aus“, betont Lammerting. „Wir bauen für Unternehmen mit einem hohen Mobilitätsbedarf.“ Dazu zählen Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Softwareschmieden, aber auch vertriebsbezogene Dienstleister. Die Mieten sollen bei etwa 11,50 Euro/qm monatlich liegen. Wichtiges Vermietungsargument: Die starke Position des Köln-Bonner Flughafens als größter Standort für Billigairlines. Sie transportieren von Jahr zu Jahr mehr Passagiere zu immer mehr Zielen. „Für jedes Unternehmen bietet sich hierdurch ein enormes Einsparpotenzial“, wirbt Lammerting für sein Konzept.

Bei allem Optimismus steht doch fest, dass weder in Köln noch in Düsseldorf allein die Nähe zum Flughafen potente Mieter vom Umzug an die Peripherie überzeugen wird. „Die Airportcity Cologne hat eindeutig ihre Qualitäten, sie steht aber selbstverständlich in Konkurrenz zu anderen Standorten in der Stadt“, sagt Jens Hoppe, Leiter der Kölner Niederlassung des Immobilienberaters Atisreal. Auch Frank Pönisch, Bereichsleiter Beratung im Kölner Maklerhaus Greif & Contzen, legt den Finger in die Wunde: „In Köln gibt es vor allem im rechtsrheinischen Deutz eine Vielzahl von Entwicklungsflächen mit sehr guter Verkehrsanbindung – auch an den Flughafen.“

Die Situation in Düsseldorf, wo die Mieten zwischen zwölf und 14 Euro/qm und Monat liegen sollen, ist ähnlich. Alternativen zur „Airport City“ seien der Kennedydamm oder der Bereich um den Hauptbahnhof, sagt der Düsseldorfer Atisreal-Niederlassungsleiter Bernd-Uwe Willer: „Wenn man es genau betrachtet, spielt der Flughafen vermutlich bei der Ansiedlungsentscheidung eine eher untergeordnete Rolle.“ Dennoch sieht er die Entwicklung durchweg positiv. „Die Adresse ist wichtig, und die gute Anbindung an Bahn und Autobahn macht die Sache rund.“

Und auch Udo Lammerting weiß, dass er künftigen Mietern in der „Air-portcity Cologne“ einen zusätzlichen Nutzen bieten muss. Daher wird er ein erprobtes Service-Konzept umsetzen: niedrige Nebenkosten durch hohe Flächeneffizienz, gemeinsamen Energieeinkauf und gemeinsam nutzbare Konferenzräume etwa. Durch einen Rahmenvertrag mit der Taxi-Innung hat er zudem für den kostengünstigen Transfer zum Flughafen gesorgt. Die Fahrt dorthin kostet 3,90 statt sieben Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%