Psychologe zum Immobilienkauf
„Frauen denken mehr ans Wohnen, Männer an das Bauen“

Der Bau eines Hauses ist ein Belastungstest für jede Beziehung. Psychologe Herbert Reichl erklärt, warum der Streit über bodentiefe Fenster Ehen in die Krise führen kann und wie der Immobilienkauf Beziehungen gefährdet.
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FrankfurtBauherren und -damen kennen das Problem. Schon vor dem ersten Spatenstich gibt es erste Konflikte, die bis zum Einzug bedrohlich an Schärfe zunehmen können. Auch beim Wohnungskauf sieht es ähnlich aus. Herbert Reichl, Hausbaucoach und Baumeister Mag. aus Österreich ist ein Experte für den Rosenkrieg beim Bau.

Viele junge Paare träumen davon, gemeinsam im eigenen Haus alt zu werden. Doch in der Realität stellt oft schon der Hausbau die Beziehung auf eine harte Probe. Warum ist das so?
Das liegt zum einen daran, dass der Hausbau eine hohe Belastung bedeutet. Er kostet viel Zeit und Energie. Wir leben in einer Welt, die sehr schnelllebig ist und in der jeder sehr viel zu tun hat. Kommt der Hausbau noch hinzu, wird das oft zu anstrengend. Außerdem hat jeder bestimmte Bedürfnisse an das eigene Haus. Gelingt es nicht, die Bedürfnisse beider Partner gleichermaßen zu berücksichtigen, fühlt sich ein Partner übergangen und es kommt zum Konflikt.

Was sind die typischen Konflikte, die Paare beim Hausbau erwarten?
Das ist immer abhängig von den Partnern. Die eigenen Ideen durchzusetzen, geht dann auf Kosten des anderen, wenn dieser seine Wünsche nicht entsprechend äußert. Daher kann jedes Thema zum Konflikt werden.

Wie kann man Konflikte von vorneherein vermeiden?
Partner haben oft unterschiedliche Bedürfnisse. Der eine mag lieber offene Räume mit viel Glas, der andere zieht warme Räume vor, die nicht von außen einsehbar sind. Dadurch kommt es meist zu Konflikten. Damit diese nicht eskalieren, ist es wichtig, sich anzuschauen, was jeder braucht, um sich geborgen zu fühlen. Die Partner sollten sich über ihre Bedürfnisse austauschen, sie aufschreiben und im zweiten Schritt deren Umsetzung partnerschaftlich aufteilen.

Handelt es sich auch um ein Bedürfnis, wenn man bodentiefe Fenster haben möchte?
Es ist ganz wichtig zu unterscheiden, was wirklich ein Bedürfnis und was ist nur eine Idee ist, die einer Modeströmung folgt. Wenn man bodentiefe Fenster nur haben will, weil sie der Nachbar auch hat, dann ist das kein echtes Bedürfnis. Aber hinter dem Wunsch, viel Glas zu verbauen, kann auch ein Bedürfnis nach Ausblick stecken, nämlich durch Glas den Überblick zu behalten. Dies hängt zusammen mit dem Bedürfnis nach Schutz.

Kommentare zu " Psychologe zum Immobilienkauf: „Frauen denken mehr ans Wohnen, Männer an das Bauen“ "

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  • Ich denke, dass man sich Mühe geben sollte zu einem hlbwegs günstigen Zeitpunkt zu kaufen. Ich höre immer wieder, dass heute kein guter Zeitpunkt mehr zum Kauf gegeben sei. Andererseits bin ich gsteren auf eine Grafik gestoßen, die mich sehr zum Nachdenken angeregt hat.

    https://www.quao.de/blog/immobilienpreise-deutschland-sind-noch-lange-nicht-ausgereizt/

    Wenn man das liest, kommt man doch ganz klar zum Ergebnis, dass wir noch lange weiter steigende Preise haben werden.

  • Wer in den Großsädten jetzt noch kauft oder baut, da ist der Familienkrach schon vorprogrammiert. Die jungen Familien zahlen zur Zeit, wegen der niedrigen Zinsen, absolute Mondpreise und der nächste Immobiliencrash zeichnet sich bereits ab.
    Da könnte man zwr für Kauf- und Nebenkosten in der gleichen Wohnung 40- 50 Jahre zur Miete wohnen ehe sich der Kaufpreis jemals annähernd amortisiert hat, aber man will ja nicht de letzte sein, der nichts gekauft hat. Egal wie ökonomisch sinnlos das gerade ist.

    Das dann der Druck innerhalb einer Beziehung zunimmt ist kein Wunder.

  • Unlogisc...wehalb sind dann gerade in rot-grün geführten Ländern die Hauspreise im Durchschnitt niedriger. Warum wird im schwarzen Bayern am meisten in der Bundesrepublik ausgegeben?

    Es liegt nun einmal daran, dass kaum noch einer auf dem Lando oder in Kleinstädten wohnen möchte. Gerade im Osten ist das ja zu beobachten. Da gibt es vier fünf Mittelstädte - Leipzig, Dresden, Potsdam, eventuell noch Magdeburg oder Rostock und das war es entweder ziehen die jungen Ossis in diese Städte oder wandern gleich in den Westen ab. Deshalb sind die Grundstück und Hauspreise dort auch im Keller.

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