Altersvorsorge
Für wen sich der neue Wohn-Riester lohnt

Heute hat das Bundeskabinett neue Regeln für die Immobilien-Förderung abgesegnet. Der neue Wohn-Riester dürfte sich bald noch mehr rechnen. Wie Immobilienbesitzer ihre Kosten um mehrere zehntausend Euro senken können.
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Frankfurt/BerlinFür Streit sorgte die Reform der privaten Altersvorsorge nicht. In seltener Einigkeit haben die Spitzen der Regierung heute im Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf für gut befunden, der die private Altersvorsorge transparenter machen soll. Wenn Bundestag und Bundesrat bis Anfang nächsten Jahres zustimmen, müssen die Anbieter von jedem Vorsorge-Vertrag Kosten, Rendite-Erwartung und Anlage-Risiko ausweisen.

Der Gesetzentwurf bringt aber keine Wende in der privaten Altersvorsorge. Noch bevor das Kabinett heute tagte, kritisierten die Verbraucherschützer das Regelwerk hart. „Als nächstes sollten Vorschläge folgen, die sich unmittelbar im Portemonnaie des Verbrauchers auswirken“, sagt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Noch deutlicher wird Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz. „Das Herumdoktern an den Symptomen von Fehlberatung und Provisionsschneiderei hat nicht den geringsten Nutzen für die Verbraucher“, kritisiert der Referent für Altersvorsorge in einer eigens aufgesetzten Pressemitteilung. „Es ist höchste Zeit, Verbrauchern eine echte Alternative zur Verfügung zu stellen, die an den Wurzeln des Problems ansetzt und außerdem kostengünstig, einfach und transparent ist.“

Nauhauser ist nicht der einzige Verbrauchervertreter, der der Riester-Rente die Tauglichkeit abspricht. „Anleger können heute ihr Geld in vielen Fällen genauso gut in einen Sparstrumpf legen“, sagt Axel Kleinlein. „Das wäre ähnlich ineffizient. Die Branche bietet keine Produkte an, die es wert wären gefördert zu werden.“ Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erklärte die Einführung der Riester-Rente bereits als „Fehlentscheidung“.

Angesichts der inzwischen bereits mehr als zehnjährigen Erfahrung mit der Rente bestehe kein Zweifel mehr daran, dass es „keinesfalls geeignet“ sei, den Menschen ein sicheres Auskommen im Alter in Ergänzung zur gesetzlichen Rente zu garantieren.

Die Sparer haben längst reagiert. Laut der Statistik des Bundesarbeitsministeriums stagnieren die Neuabschlüsse bei Riester-Renten auf Basis von Versicherungen oder Fonds. Gänzlich auf die staatliche Förderung verzichten möchten die Bundesbürger aber auch nicht. Sie nutzen die Vorteile für die Finanzierung ihres Eigenheims.

Allein im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Wohn-Riester-Verträge um knapp 20 Prozent auf 907.000. „Im Vergleich zu einer zweifelhaften Aussicht, ob sich die Rente im Alter lohnt, rechnet sich der Wohn-Riester in jedem Falle“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Und: Durch die neuen Regeln dürfte der Wohn-Riester noch attraktiver werden.

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  • ich finde bei Wohnriester muss noch viel verbessert werden. Momentan gibt es viele Nachteile wie man in web viel nachlesen kann z.B. http://wohnriesternachteile.de ich ahbe mich erst einmal Angebote erstellen lassen und warte den Abschluss noch ab.

    Viele Grüße

    Daniel

  • Riesterrente rechnet sich aber recht gut

    Hier eine einfache Excel-Berechnung:

    Ein Single (€ 60.000,- Einkommen) zahlt ab 40 pro Jahr € 1.946,- Riesterbeitrag und hat ab 67 mit Gewinnen € 517,- konstante mtl. Rente. Davon sind € 245,- garantiert (Angebot einer Direktversicherung, auf ganze € abgerundet). Dazu kommen € 154,- Förderung, d.h. zusammen € 2.100,- Einzahlung. Für den Eigenanteil gibt es (42 % EkSt + 9% KiSt + Soli) dann € 935,- Steuer zurück. Der Eigenbeitrag sinkt so auf € 1.011,-.

    Bei geschätzten € 2.000,- DRV-Rente ab 67 mit ca. 28 % Grenzsteuer bleiben € 372,- Nettorente. Bei 15,8 Jahren Lebenserwartung (Destatis) ergibt das durchgehend bis zum Tod 4,29 % Rendite. Sollte nur die Garantie rauskommen (was sehr unwahrscheinlich ist) blieben von den o.g. € 245,- noch € 176,- (Rendite 0,94 %). Ein längeres Leben ergibt mehr Rendite, ein kürzeres weniger, die Zahlung bleibt aber lebenslang.

    Rechenprinzip: Ein Konto wird mit € 1.011,- gespeist und mit der Rendite werden fiktiv € 51.335,- gespart. Bei 15,8 Jahren weiterer Verzinsung, kann man € 372,- mtl. entnehmen, bis alles weg ist. Bei der Garantierente werden fiktiv nur € 31.031,- gespart und € 176,- für die gleiche Zeit entnommen.

    4,29 % Rendite mit 0,94 % Garantie sind inkl. Absicherung der Langlebigkeit gute Nachsteuerwerte. Bei weniger Einkommen wirkt die Steuer beim Ansparen geringer und die Förderung stärker - z.B. bei kinderreichen Familien. In den Fällen wird aber auch die Besteuerung im Alter geringer, bei den meisten wird sie sogar wegfallen.

    Auf lange Zeiten (27 Jahre) werden in Fondssparpläne (keine Fondspolicen) bei geringeren Kosten und ähnlichen Garantien auch Aktien eingebaut, was beides die Renditen steigert. Jeder Vertrag sollte aber individuell kalkuliert werden. Dabei ist es besser, exakt zu rechnen als auf „verbogene“ Berechnungen vom DIW oder Verbraucherschützern zu hören (die bei ihren Berechnungen z.B. die Vertragsgewinne oder die Steuern „vergessen“).

    Christian Sensmeier

  • Jetzt wird es interessant:

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