„Beste Lage und Ausstattung“
Wie Mieter und Käufer über den Tisch gezogen werden

Der überhitzte Immobilienmarkt führt zu Exzessen. Viele Hausbesitzer nutzen die enorme Nachfrage nach Wohnraum aus. Mit welchen Tricks Verkäufer, Makler und Vermieter arbeiten – und wie Käufer und Mieter gegenhalten.
  • 9

Als Bernhard S. die Tür seiner Wohnung zur Besichtigung öffnet, hat der Frankfurter sein schönstes Pokerface aufgesetzt. Eigentlich ist sein Angebot unschlagbar: Penthouse in bester Lage, Dachterrasse, Blick über die Skyline. Selbst die Maklercourtage will er dem Nachmieter ersparen – Mieter Bernhard S. ist bereit, den Kontakt zum Vermieter herzustellen.

Nur eine kleine Bedingung hat er: Bernhard S. schiebt einen Vertrag über die Arbeitsplatte. 15.000 Euro, 18 Monatsmieten, soll der Nachmieter für die Küche mit den acht Jahre alten Geräten hinblättern. Und in einem Abwasch unterschreiben, dass er die Wohnung renoviert. Falls nicht, könne S. die Daten des Interessenten leider nicht an den Eigentümer weitergeben.

Interessenten zuhauf

Auf Figuren wie Bernhard S. trifft immer häufiger, wer in begehrten Metropolen eine Wohnung mieten oder kaufen will. Ihre dreiste Art können sie sich leisten: Interessenten gibt es genug. 17.500 Wohnungen fehlen in Frankfurt, schätzt der Deutsche Mieterbund, in den zehn Großstädten mit dem stärksten Wohnungsmangel seien es über 100-000. Bundesweit drohe binnen fünf Jahren eine Lücke von 400.000 Wohnungen.

Was in begehrten Lagen los ist, spiegeln die Zahlen nicht wider. Dort kommt auf eine Wohnung eine zweistellige Zahl von Interessenten. Weil immer mehr Singles allein wohnen, nimmt die Zahl der Haushalte zu. Damit verbunden sei, so Jochen Möbert, Analyst bei Deutsche Bank Research, ein „Trend zu mehr Wohnfläche pro Person“.

Das gleiche Bild bietet sich allen, die kaufen wollen. Durch die Geldschwemme der Notenbanken verursachte Inflationsangst treibt Anleger in Betongold. Fünf Mal mehr Deutsche als 2007, vor der Krise, suchen über Immobilienscout heute nach Eigentum. „Die Immobilienpreise steigen zwar, aber kaum einer verkauft“, sagt ein Frankfurter Großinvestor, der Altbauten kauft, saniert und wieder losschlägt.

In Städten wie München oder Hamburg stiegen die Wohnungspreise in den vergangenen Monaten weitaus stärker als die Mieten. In Berlin, so die Wirtschaftsforscher vom DIW, stiegen von Juni 2011 bis März 2012 die Angebotspreise bei Neuvermietung um acht und bei Eigentumswohnungen um zwölf Prozent.

Kommentare zu " „Beste Lage und Ausstattung“: Wie Mieter und Käufer über den Tisch gezogen werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie immer gibt es überall schwarze Schafe und mindestens eine Sau wird durch das mediale Dorf getrieben.
    Qualifizierte Makler findet Mieter/Vermieter z.B. beim IVD.
    Vermieter und Eigentümer, die sich auf "Treppenhausmakler" einlassen, sind selber Schuld. Wer beim Fähnchenhändler unter dem Lametta ein Auto kauft, lässt sich halt auch von windigen Geschäftemachern abzocken.

    Das vermeintlich schnelle und einfache Geschäft des Courtageerlöses findet i.d.R. nur in der Vorstellung von neidgeprägten Zeitgenossen statt, die auch ansonsten niemandem außer sich selber etwas gönnen.
    Sicherlich gibt es hier und da eine schnelle und einfache Vermittlung, aber vielfach ist der Aufwand erheblich und betriebswirtschaftlich ist es eine Mischkalkulation.(Ich bin übrigens kein Makler o.ä.)

  • Wer einen Makler bezahlt ist selber Schuld und sollte sich besser informieren wie dieses korrupte System funktioniert. Die Vergütung von Makler und Notare sollte generell nicht in Prozent von Immobilienwert oder in Monatsmieten erfolgen.
    Das ist eine Dienstleistung wie jede andere auch und sollte nach Aufwand bezahlt werden.

  • Der Artikel ist sehr eindimensional und schlecht recherchiert.
    Für A-Lagen mag es zutreffend sein, dass das Geschäft die dargestellten Blüten zeigt, ein guter Makler zeichnet sich jedoch dadurch aus, das er auch miese Lagen gut vermarktet.
    Statt hier auf den Maklern herumzutrampeln, sollte eher der TYP Mieter der die Lage der Nachmieter missbraucht, um seinen Schrott zu vergolden, an den Pranger gestellt werden. Die Wohnungsbaupolitik wie so manch anderes Feld ist unzureichend. Das angeblich soziale Mietrecht, hat zumindest theoretisch starke Mieterrechte die häufig in der Praixis an der Beweisbarkeit der Umstände scheitern. die geplante Mietrechtsreform ist hier gar nicht erwähnt und soll angeblich helfen. Eine Mietvertragsgebühr ist legitim, die Höhe der Gebühr macht m.E. den Unterschied, bei 1.000,- NKM können 200,- € Gebühr noch passen, bei 250,- € Studentenbude ist es wohl eher eine versteckte Maklergebühr. Das es zu einfach sei Makler zu werden mag stimmen, aber heutzutage kann auch fast jeder fast jede Art von Geschäft eröffnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%