Dresden
Aufschwung Ost

Dresden wächst wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Von der hohen Nachfrage profitieren vor allem innerstädtische Lagen. Immobilienpreise und Mieten steigen deutlich. Gleichwohl warnen Experten vor Euphorie.
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DresdenAn der Bautzner Landstraße, dort, wo das Villenviertel Weißer Hirsch beginnt, präsentiert sich eine verwunschene Szenerie: Malerisch verteilen sich halb verfallene Villen auf einem großzügigen Grundstück, irgendwo führt eine Treppe ins Nichts, und über einem Eingangsportal ist der Schriftzug „Natura sanat“ (Die Natur heilt) zu entziffern.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kurierten hier, im Lahmann-Sanatorium, die Reichen und Adligen ihre Gebrechen. Jetzt, nach Jahren des Verfalls, soll das Areal wieder eine Zukunft bekommen: Die Projektentwicklungsgesellschaft Baywobau hat es gekauft, um dort in den nächsten Jahren ein Wohnensemble aus denkmalgeschützten Bestandsimmobilien und Neubauten zu errichten.

Fast könnte man den „Dr.-Lahmann-Park“, wie der Dresdner Baywobau-Chef Berndt Dietze sein Projekt nennt, zum Sinnbild für den Aufschwung des Dresdner Wohnungsmarkts erklären. Noch 2004 standen nach Angaben der Landeshauptstadt rund 50000 der insgesamt 290000 Wohneinheiten leer. Heute sind es zwar immer noch fast 30000 – doch viele von diesen sind „stark ruinös“, stellt Jörn Marx, der Beigeordnete für Stadtentwicklung, fest. Daher kann nach Einschätzung des Maklerhauses Aengevelt nur jede dritte leerstehende Immobilie vermarktet werden.

Der Grund für den Rückgang des Leerstands: Dresden ist eine der am stärksten wachsenden Städte in Deutschland. 2011 nahm die Einwohnerzahl um 1,3 Prozent auf fast 524000 zu. Besonders bemerkenswert ist für die Statistiker, dass diese Zunahme nicht nur aus Zuwanderung resultiert, sondern dass darüber hinaus die Zahl der Geburten diejenige der Todesfälle deutlich übersteigt.

Dass der Bevölkerungstrend „nachhaltig positiv“ ist, hat für Michael Oertel vom Maklerunternehmen Richert & Oertel mehrere Gründe: „die hohe Lebensqualität, das große Angebot an Arbeitsplätzen, die gute Infrastruktur sowie das niedrige Preis- und Mietniveau bei Wohnungen“. Seit einigen Jahren steigen allerdings die Wohnkosten: Laut Analysen von Aengevelt legten die Mieten im vergangenen Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent zu.

Besonders von der wachsenden Nachfrage profitieren innerstädtische Lagen – vor allem Loschwitz/Wachwitz, ein traditionell sehr begehrter Ortsteil an der Elbe, der in der Kategorie „Wohnungen“ im Ranking von Immobilienscout 24 ganz oben steht. Makler Oertel registriert indes auch reges Interesse an innerstädtischen Ortsteilen, die beim Onlineportal weniger gut wegkommen – so etwa an Blasewitz, Plauen, Strehlen und Neustadt. Dabei differenzierten sich die Preise zunehmend, stellt Oertel fest. Er sieht darin „eine normale Entwicklung für einen Immobilienmarkt, der sich seit über zwanzig Jahren frei entfalten kann“.

Für ausgesprochen luxuriöse Wohnungen in begehrter Lage akzeptieren Interessenten laut André Runge vom Wohnungszentrum Dresden mittlerweile schon mal eine Miete von zehn Euro beziehungsweise einen Kaufpreis von 4000 Euro pro Quadratmeter. „Das sind aber Ausnahmen“, betont Runge. „Mit explodierenden Preisen ist nicht zu rechnen.“ Dresden, betont auch Karl-Heinz Weiss vom Immobilienverband IVD, sei „ein sehr stabiler Markt, der gute Voraussetzungen für ein langfristiges Engagement bietet, aber keine hohe kurzfristige Rendite erwarten lässt“. Manche Marktteilnehmer, stellt Weiss nicht ohne Sorge fest, hätten „zu schnell vergessen, wie schlecht die Lage noch vor drei Jahren war“.

Was die Vermarktung des Dr.-Lahmann-Parks betrifft, darf Baywobau-Manager Dietze jedoch mit Fug und Recht zuversichtlich sein: Obwohl der Vertrieb noch gar nicht begonnen hat, haben sich bereits über tausend Interessenten registrieren lassen.

Christian Hunziker
Christian Hunziker
Schulenburgring 2, 12101 Berlin, 030/49768424 / Freier Journalist

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