Häuslebauer Gefangen in der Zinsfalle

Baugeld ist so günstig wie niemals zuvor. Viele Immobilienbesitzer haben aber vor Jahren abgeschlossen und zahlen doppelt so viel wie heute. Wie Banken die vorzeitige Kündigung blockieren - und was Kunden tun können.
17 Kommentare
Baustelle: Wer jetzt finanziert, zahlt rekordverdächtig niedrige Zinsen. Quelle: dapd

Baustelle: Wer jetzt finanziert, zahlt rekordverdächtig niedrige Zinsen.

(Foto: dapd)

DüsseldorfZinsen sind ein heikles Thema. Dafür gibt es viele Beispiele, die Lebensversicherer etwa. Weil das Zinsniveau derzeit so niedrig ist, wissen die Gesellschaften nicht, wie sie ausreichende Renditen für ihre Kunden erwirtschaften sollen. Oder die Bausparkasse Wüstenrot: Die drängt Kunden mit lukrativen Altverträgen in schlechter verzinste neue Tarife, wie das Handelsblatt berichtete. Allein Häuslebauer dürfen sich über die mickerigen Zinsen freuen, möchte man meinen. Doch ganz so einfach ist die Sache leider nicht.

Denn der Blick auf die Zinskurven treibt vielen Immobilienbesitzern zurzeit die Tränen in die Augen. Wer etwa vor fünf Jahren ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung und einer üblichen Beleihung von 80 Prozent abschloss, zahlte dafür einen Zins von rund 5,5 Prozent. Heute gibt es vergleichbare Kredite im Durchschnitt zu einem Satz von 2,5 Prozent. Die Mehrkosten summieren sich bei einem Darlehen in Höhe von 300.000 Euro über die zehn Jahre auf 90.000 Euro.

Altkunden können vom historischen Zinstief nicht profitieren. Bei Darlehen mit einer Zinsbindung von zehn Jahren können Kunden das Darlehen erst nach Ablauf der Zinsbindung kündigen. Wer eine längere Zinsbindung vereinbart hat, kann frühestens nach zehn Jahren ab Vollauszahlung des Darlehens mit sechs Monaten Kündigungsfrist kostenfrei ganz oder teilweise kündigen.

Bis dahin können Kunden mit Standard-Darlehen nur auf die Kulanz der Bank hoffen. Laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes muss die Bank einer vorzeitigen Tilgung nur zustimmen, wenn die Immobilie verkauft wird oder die Bank einer Nachfinanzierung nicht zustimmt, die eine andere Bank bei freiem Grundbuch durchwinken würde. Wer nur von den niedrigen Zinsen profitieren will oder sein Grundbuch bereinigen will, hat keinen Rechtsanspruch auf eine vorzeitige Darlehensrückzahlung.

Ein Urteil, was eigentlich den Kunden nutzen sollte, schadet dabei nur. Die meisten Banken bieten ihren Kunden auch bei Standard-Darlehen seit einigen Jahren eine Option zur Sondertilgung. Kreditnehmer können damit einen bestimmten Betrag - meist fünf Prozent der Darlehenssumme pro Jahr- kostenfrei tilgen.

Kunden klagten vor Gericht, dass mögliche Sondertilgungen bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung berücksichtigt werden müsse und erhielten Recht (LG Heidelberg Az. 1 O 219/05 oder LG Darmstadt Az. 25 S 43/06). „Da die Vorfälligkeitsentschädigung deshalb deutlich niedriger ausfällt, weigern sich viele Banken, die Kunden aus den Kreditverträgen zu lassen, wenn das laut obigen BGH-Vorgaben nicht notwendig ist“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung.

Wie sich der Unterschied auswirkt, zeigt seine Rechnung. Wer etwa im Jahre 2011 ein Darlehen über 150.000 Euro zu einem Effektivzins von 3,92 Prozent und einer Tilgung von zwei Prozent abgeschlossen hat, müsste aktuell bei einer Zinsbindung von zehn Jahren eine Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von 26.580 Euro bezahlen. Bei einer Option zur Sondertilgung in Höhe von fünf Prozent per annum müsste die Bank auf rund 8.500 Euro verzichten.

Was die Kündigung kostet
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

17 Kommentare zu "Häuslebauer: Gefangen in der Zinsfalle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • DAS HANDELSBLATT IN DER KOSTENFALLE

    In punkto Urteilsvermögen & Sachverstand sind die Kommentatoren dem Artikelschreiber um Lichtjahre voraus.

    ...

    Offensichtlich kann sich das Handelsblatt nicht mehr viele Fachleute leisten.

    Immerhin - als Stichwortgeber sind viele Artikel ja noch zu gebrauchen.

    ...

    Wenn ein Journalistik-Student in seinem Praktikum mit einem inhaltlich hanebüchenen Artikel zehntausend Klicks erzeugt ist das sogar wirtschaftlich ;)

  • Sehr schwacher Artikel.

    Ein ganze entscheidender Punkt in der Finanzkrise USA, u.a. auch Schweiz CHF oder Österreich Yen ist der kleine aber feine Unterschied das in der BRD sehr langfristige Zinsfestschreibungen überhaupt möglich waren bzw. sind. Dem Endkunden kommt sogar das BGB einseitig mit max. 10 Jahren entgegen. diese Sicherheit kostet halt 2-4 zehntel. Auch hier will die EU einschrieten und jederzeitige Kündigungen ermöglichen. Die Auswirkungen für die Kunden wären deutlich teurere Kredute. Wenn zur Verteuerung im Yen oder speziell CHF nicht gleichzeitig die Zinsen gefallen wären hätte ein Großteil der Fremdwährungsfinanzieren existenzielle Probleme. Zinsbindung i.d.R. max. 1 Jahr.
    Viele Kunden und Bankenpleiten hatten schlicht die ursache kurzfristig finanziert langfristige Verpflichtung.

    Immobilienkredite sind wie heiraten. Man weiss erst hinterher ob Objekt/Finanzierung. (richtige Frau und Zeitpunkt) gut gwählt waren. Dort tut Scheidung i.d.R. auch neben den emotionalen Punkten, finanziell richtig weh. Dafür gibt es ja für viele mittlerweile auch die bezeichnende Beschreibung (lebensabschnittsgefährte/in)

  • "Interessant ist auch das Phänomen, dass trotz der niedrigen Zinsen zur Zeit, das Gros der Käufer (aus Angst vor dem Euro-Zusammenbruch) lieber ohne Finanzierung komplett aus Eigenmittel finanziert."

    Da haben einige nur aufgepasst und ihre Lektion aus der Geschichte gelernt: Anno 1948 wurden bei der Währungsreform die Guthaben im Verhältnis 1:10 entwertet, die Hypothekenschulden dagegen nur im Verhältnis 1:1 ..
    -Warum sollte es bei der nächsten Währungsreform anders sein?

  • Interessant ist auch das Phänomen, dass trotz der niedrigen Zinsen zur Zeit, das Gros der Käufer (aus Angst vor dem Euro-Zusammenbruch) lieber ohne Finanzierung komplett aus Eigenmittel finanziert. Wir haben vor kurzem eine kleine Wohnung in beliebter Frankfurter Innenstadtlage für unsere Tochter erworben und mitbekommen wie "Mitbewerber"dringend eine Möglichkeit suchen, Ihr Cash anzulegen. Dabei werden Renditegesichtspunkte (fast komplett) außer Acht gelassen.

  • Wer zwingt den Menschen denn einen Kredit mit Festzinssatz zu machen, es gibt doch auch noch andere Varianten, die einen Ausstieg mit einer kurzen Kündigungsfrist ermöglich. z.B. Variabler Zinssatz mit oder ohne Obergrenze.

  • Die Experten die so scheinheilig über fehlende Kündigungsmöglichkeiten der Bank bei langfristigen Verträge reden sollten mal nach § 313 Störung der Geschäftsgrundlage nachlesen. Ebenfalls lesenswert die Kündigungsfrist bei Vorliegen eines "wichtigen Grundes". Sollte die Bank ein Kredit kündigen dann viel Spass beim Klagen.
    Unfassbar wie naiv manche Kreditnehmer sind die nicht mal ihre Verträge gründlich lesen geschweige denn verstehen und sich dann auch noch öffentlich darüber äussern.
    Für Anfänger gut verständlich:
    http://www.focus.de/immobilien/finanzieren/tid-8652/kreditverkauf_aid_234670.html

  • Was für ein schwachsinniger Artikel?

    Gerade das HB sollte wissen, dass Finanzierungen von den Banken "kongruent" zu refinanzieren sind. Das wird schon bei Abschluss des Baudarlehens centgenau von der Bank durchkalkuliert: Was kostet die Refinanzierung, welche Ordentlochen Kosten fallen an etc. Banken haben faktisch keine Wahl - oder sie machen es auf der Anleegerseite ebenso: Kündigung der zu teueren Refinanzierung durch Absenkung der Verzinsung für z.B. Sparbriefe oder Anleihen.

    Aber haben SIE jemals von einem Anleihegläubiger gehört, der sich heute über seine hohen Zinseinnahmen von 5 und mehr Prozent beklagt hat???

    Wie gesagt, ein sehr peeinlicher Artikel für eine Finanzzeitung, einfach erbärmlich!

  • Als ich knapp vor der Jahrhundertwende 9,5% zahlen mußte habe ich auch nicht gejammert. Zum damaligen Zeitpunkt, wie andere bereits erwähnten, war die Investition rentabel.

  • Der Artikel ist einfach nur Peinlich und wirft ein schlechtes Bild auf das Handelsblatt, dass meiner Meinung nach für fundierten Finanzjournalismus stehen sollte.

    Wenn jeder Hans und Franz seinen langfristigen Kreditvertrag kostenlos kündigen könnte, nur weil das Zinsniveau um 0,1 % gefallen ist, dann hätten die Banken ja nichts anderes mehr zu tun, als neue Kreditverträge zu schreiben. Wahrscheinlich würden sich die Verbraucherzentralen dann beschweren, dass die Banken keine Zeit mehr für Finanzierungsgespräche haben, und den Kunden somit nicht mehr den Wunsch vom Eingenheim erfüllen.

  • ..ach ja. Und dass vor 5 Jahren die Einstiegspreise geringer waren, da aufgrund einer anderen Zinslandschaft die Nachfrage geringer, sollte auch berücksichtigt werden vor dem großen Gejammere...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%