Hausverwalter

„Die Zeche zahlen die Eigentümer“

Unter den Hausverwaltern tummeln sich viele schwarze Schafe. Im Interview verrät ein Branchenkenner, wie unseriöse Anbieter tricksen, wann Eigentümer für Fehler zahlen müssen und wie sie se riöse Dienstleister erkennen.
10 Kommentare
Michael Wintzer ist Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau Immobilien Quelle: PR

Michael Wintzer ist Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau Immobilien

(Foto: PR)

Herr Wintzer, der Immobilienmarkt in Deutschland boomt, Käufer zahlen Mondpreise und auch Mieten und Nebenkosten steigen in den Metropolen rasant. Hausverwalter müssten jetzt das Geschäft ihres Lebens machen…
…tun sie aber nicht. Viele der 25.000 Gesellschaften strecken sich zur Decke. Vor allem in den großen Metropolen herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Viele klassische kleine Betriebe tun sich aktuell schwer.

Warum profitieren die Objektpfleger nicht vom Boom?
Es fehlt an klaren Spielregeln. Jeder darf sich Immobilienverwalter nennen, dazu bedarf es keiner Ausbildung. Das Marktvolumen bleibt annähernd gleich, die Neubauquote steigt kaum. Und nach spätestens fünf Jahren werden die Aufträge neu ausgeschrieben.

Konkurrenz belebt das Geschäft.
Das stimmt, in unserer Branche ist der Wettbewerb in einigen Regionen mittlerweile aber ruinös. Das ist auch zum Nachteil vieler Kunden.

Profitieren Eigentümer nicht von den sinkenden Kosten?

Nur auf den ersten Blick. Einige Anbieter offerieren ihre Dienstleistung schon für monatlich zehn Euro pro Wohnung. Übliche Objekte mit etwa 100 Wohnungen kann ein mittelständischer Verwalter aber nur seriös betreuen, wenn er mindestens 15 bis 18 Euro erhält.

Wie können die Preisbrecher überleben?
Nur indem sie ihre Kosten und damit auch ihre Leistung anpassen. Das ist aber zum Schaden des Objekts und der Eigentümer.

Nennen Sie Beispiele.
Oft schlampen Verwalter aus Zeitnot bei der Überwachung der Instandhaltung. Die Folgen sind fatal. Der Wert der Immobilie sinkt und Reparaturen werden teurer. Bei modernen, wärmegedämmten Häusern müssen die Außenfassaden etwa alle zehn bis zwölf Jahre ausgebessert und gestrichen werden. Wenn der Verwalter das einige Jahre lang schleifen lässt, kann zum Beispiel Wasser in die Dämmung gelangen. Dann drohen Wärmebrücken, Schimmel, morsche Fenster und eine aufwendige Sanierung.

„Bestände können verwahrlosen“
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10 Kommentare zu "Hausverwalter: „Die Zeche zahlen die Eigentümer“"

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  • Je seriöser der Verwalter tut, umso unseriöser ist er. Viele Verwalter sehen dem Verwaltervertrag nur als Einstieg an, um mittels Provisionen anlässlich überteuerter Verträge richtig Kohle machen zu können. Der eigentliche Verwalterlohn ist die kleinere Hälfte der Verwaltereinnahme.

  • Ich bin auch einer dieser Dünnbrettbohrer. Zu jemandem der mich derart beleidigt werde ich keine Geschäftsbeziehung aufbauen.

    Einmal davon abgesehen dass Uni-Absolventen viel zu oft keine Ahnung von der Praxis haben. Aber Alteingesessene bauen zur Absicherung ihrer Pfründe gerne Hürden gegen neu am Markt erscheinende Akteure auf, teure Ausbildungen, am besten noch mit Zugangsbeschränkungen und Zertifikate sind da ein probates Mittel. Die Zeche zahlen dann Eigentümer und Mieter.

  • PS: Es ist ganz einfach einen guten Verwalter zu finden:

    1. Man gebe sich die Liste ALLER verwalteten Objekte.
    2. Man klappert diese Objekte ab.
    3. Man plauscht ein wenig mit den Mietern die gerade vorbeilaufen.
    4. Man redet mit ein paar Eigentümern. Bei WEG Verwaltung Protokolle ansehen.
    5. Man checkt seit wann die Objekte verwaltet werden. Mehrfache Vertragsverlängerungen sind immer gut - das Gegenteil ist es nicht !

  • "Jeder darf sich Immobilienverwalter nennen, dazu bedarf es keiner Ausbildung." Aha, so kann man sich auch lästiger Konkurrenz erwehren, man verlangt eine teure Ausbildung - am besten so ab 50tsd. Euro aufwärts und schon hat man die meisten mittlellosen Newcomer vom Hals. Leisten können sich die "Prüfung" dann nur noch der Spross/die Sprössin alteingesessener HVWs. Es lebe das gute alte deutsche Zünftewesen.

    Aber zum eigentl. Thema. Man sollte sich generell nur Immobilien im näheren Wirkungskreis zulegen, also max. eine Stunde Fahrt von der heimischen Hütte dass man bei Poblemen selber schnell auf der Matte steht. Idealerweise sollte man seine Buden selbst verwalten, wer schon glaubt in Immos investieren zu müssen, sollte dieses Investment auch verstehen. Eine Verwaltertätigkeit hilft dabei ungemein - man spart Geld und erspart sich die Kickbacks an die wackeren deutschen Handwerker und Versicherungsvertreter.

  • Wenn jemand dick aufträgt liegt es meistens daran, daß er keine Ahnung hat.
    Besser ist es,wenn der Architekt des Hauses in Erweiterung der Objektbetreuung die Hausverwaltung inne hat. Er kennt die mit den Handwerkern geschlossenen Verträge und die Konstruktion des Hauses aus dem Effeff.

  • "Eigentümer mögen bitte nicht auf die Größe und Zahl der Zertikate schauen. Menschliche Fähigkeiten sind gefragt bei der Auswahl des Verwalters."

    Auf was sollen die Eigentümer denn schauen?
    Ich nehme an auf Ihre Webseite!

    Ich denke nicht, dass kommerzielle Werbung in den Kommentaren des Handelsblatts geduldet wird.

    Mich persönlich hat der Artikel angeregt: Wenn mein derzeitiges Projekt zum richtigen Selbstläufer wird, würde ich mich auch gerne einmal mit Immobilienverwaltung zuwenden. Es gibt sicherlich kreativ-technologische Lösungen, die den Verwaltungsaufwand dezimieren, wodurch man hohe Qualität zu super Preisen bieten kann.

    Man muss für sowas natürlich im größeren Stil denken -- um dann solche Konditionen bieten zu können. Deswegen denke ich auch, dass die Größe und/oder Zahl der Zertifikate sicherlich als erster Anhaltspunkt dienen kann.

  • "Also nichts für die dünnbrettbohrer FH-Studiengänge."

    Ich bin einer dieser "Dünnbrettbohrer" mit FH-Abschluss, habe aber eine der schwersten Prüfungen in Deutschland -die Steuerberaterprüfung- geschafft. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich aber nicht so arrogant, Sie als "Dünnbrettbohrer" zu bezeichnen, weil Sie Häuser verwalten.

    Manchmal bin ich echt fassungslos was die Überheblichkeit gewisser Leute betrifft!

  • Nachtrag:
    Die Folge des Preiskampfes nach dem Motto "Geiz ist Geil" ist natürlich eine Abwärtsspirale bei den Eigentümern und den Verwaltern. Der Verwalter kann leicht aussteigen, der Eigentümer merkt es jedoch meist viel zu spät und verliert sein Kapital.
    Hinzu kommt ein chaotisches und gefährliches Spiel des Gesetzgebers, der ständig neue Gesetze mit der heißen Nadel strickt und dabei selbt nicht bemerkt, welchem Mist er macht! Die Last wird auf den Verwaltern abgewälzt und das will man natürlich als "Service für lau".

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

    Die Eigentümer und Eigentümerverbände sollten endlich aufwachen und die Spreu vom Weizen trennen. Dazu sollten 60% aller Gesetze auf den Sondermüll.
    Die fiktive Generierung neuer Berufsbilder ist Nonsens.
    In anderen Ländern ist es ein UNI-Studium. Also nichts für die dünnbrettbohrer FH-Studiengänge.
    Die Immobilienverbände sind an der Mißwirtschaft selbst beteilgt und fördern "Kooperationen" zu Kabelgesellschaften und großen Energieabrechnungsfirmen. PPP's kommen als Kraken hinzu.
    Hier liegt die Wurzel allen Übels.
    Der freie und Familienbetrieb ist in der Regel besser als der Abkömmling der Lobby.
    Eigentümer mögen bitte nicht auf die Größe und Zahl der Zertikate schauen. Menschliche Fähigkeiten sind gefragt bei der Auswahl des Verwalters.

  • Die Überschrift ist falsch, der Inhalt zumeist richtig.
    Es ist ein Berufsbild, das einen Kaufmann, Juristen und technisch versierten Fachmann mit multikuturellen Fähigkeiten sucht. Diese Ausbildung gibt es in Deutschland nicht. Alle Ausbildungen als Immobilienkaufmann, Facilitymanager, etc. decken nur einen Teil ab.
    Dagegen steht der Markt mit ruinösem Verdrängungswettbewerb. Eine Lobby aus Berufverbänden preist sich selbst und suggeriert Zuverlässigkeit und Qualität. Weit gefehlt ! Ich kenne zahlose Verwalter mit und ohne Lobbyanschluss, die ihre Objekte nicht kennen, falsch abrechnen, nach dem Gusto der Verwaltungbeiräte rechtswidrige Beschlüsse generieren und jenseits von 300' EUR liegen.
    Schuldig ist allein der Wohnungseigentümer. Wer glaubt, das man für den Preis einer Pizza im Monat die vermeintlich größte Investition im Leben erhalten und verwalten kann, sollte auf den Campingplatz umziehen. Das sind jedoch 97% aller WE.
    Ich verwalte nichts unter 20 EUR netto, weil gute Arbeit gutes Geld kosten muss. Unsere Kunden wissen was es bedeutet jährlich und pünktlich eine rechssichere Abrechnung ohne einen Cent Differenz mit allen Steuerbescheiden zu erhalten. Sie bekommen ständig optimierte Energie- und Versorgerkonditionen und haben im Notfall auch am 24. Dezember um 18:00 Uhr die Garantie (!) für sofortige Hilfe. 365 Tage, 24 Stunden. Vergaben laufen stests ohne Provisionen, Angebote von Schmiergeldern führen zur dauerhaften Sperre der Anbieter. Dazu kommt vieles mehr, was der Eigentümer nicht sieht. Es gleicht einem Eisberg, bei der nur die Spitze für den Eigentümer sichtbar wird. In der Regel sparen neue Gemeinschaften in den ersten 5 Jahren bis zu 30% der bisherigen Gesamtkosten, weil wir die optimieren.
    Es gibt viele Misswirtschaftsverwalter für scheinbar billiges Geld. Wir sind zu arm uns das Billige zu leisten!
    Fair play auf allen Seiten.

  • Hausverwalter!!!! Heikles Thema!! Muss mich aufgrund von Überstimmung eines Mehrheitseigentümers, der zu allem Übel noch mit dem Hausverwalter "befreundet" ist, schon seit 5 Jahren anwaltlich/gerichtlich herumbalgen! HV sitzt 15o km weit entfernt! Seit gut 3 Jahren nicht mehr aufgetaucht! Die einzige Möglichkeit die bleibt - ANFECHTUNGSKLAGEN!!! bislang 5 von 6 Klagen gewonnen. Die 6. wurde erst vor 5 Wochen eingereicht. Keine schöne Sache, aber keine andere Wahl! Der HV gehört, ebenfalls zu denjenigen, die sich um nichts kümmern und vor allen Dingen BESSERWISSER sind! Wäre interessant, wenn es eine Art "Rote Liste" geben würde!

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