Hausverwalter
„Die Zeche zahlen die Eigentümer“

Unter den Hausverwaltern tummeln sich viele schwarze Schafe. Im Interview verrät ein Branchenkenner, wie unseriöse Anbieter tricksen, wann Eigentümer für Fehler zahlen müssen und wie sie se riöse Dienstleister erkennen.
  • 10

Herr Wintzer, der Immobilienmarkt in Deutschland boomt, Käufer zahlen Mondpreise und auch Mieten und Nebenkosten steigen in den Metropolen rasant. Hausverwalter müssten jetzt das Geschäft ihres Lebens machen…
…tun sie aber nicht. Viele der 25.000 Gesellschaften strecken sich zur Decke. Vor allem in den großen Metropolen herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Viele klassische kleine Betriebe tun sich aktuell schwer.

Warum profitieren die Objektpfleger nicht vom Boom?
Es fehlt an klaren Spielregeln. Jeder darf sich Immobilienverwalter nennen, dazu bedarf es keiner Ausbildung. Das Marktvolumen bleibt annähernd gleich, die Neubauquote steigt kaum. Und nach spätestens fünf Jahren werden die Aufträge neu ausgeschrieben.

Konkurrenz belebt das Geschäft.
Das stimmt, in unserer Branche ist der Wettbewerb in einigen Regionen mittlerweile aber ruinös. Das ist auch zum Nachteil vieler Kunden.

Profitieren Eigentümer nicht von den sinkenden Kosten?

Nur auf den ersten Blick. Einige Anbieter offerieren ihre Dienstleistung schon für monatlich zehn Euro pro Wohnung. Übliche Objekte mit etwa 100 Wohnungen kann ein mittelständischer Verwalter aber nur seriös betreuen, wenn er mindestens 15 bis 18 Euro erhält.

Wie können die Preisbrecher überleben?
Nur indem sie ihre Kosten und damit auch ihre Leistung anpassen. Das ist aber zum Schaden des Objekts und der Eigentümer.

Nennen Sie Beispiele.
Oft schlampen Verwalter aus Zeitnot bei der Überwachung der Instandhaltung. Die Folgen sind fatal. Der Wert der Immobilie sinkt und Reparaturen werden teurer. Bei modernen, wärmegedämmten Häusern müssen die Außenfassaden etwa alle zehn bis zwölf Jahre ausgebessert und gestrichen werden. Wenn der Verwalter das einige Jahre lang schleifen lässt, kann zum Beispiel Wasser in die Dämmung gelangen. Dann drohen Wärmebrücken, Schimmel, morsche Fenster und eine aufwendige Sanierung.

Kommentare zu " Hausverwalter: „Die Zeche zahlen die Eigentümer“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Je seriöser der Verwalter tut, umso unseriöser ist er. Viele Verwalter sehen dem Verwaltervertrag nur als Einstieg an, um mittels Provisionen anlässlich überteuerter Verträge richtig Kohle machen zu können. Der eigentliche Verwalterlohn ist die kleinere Hälfte der Verwaltereinnahme.

  • Ich bin auch einer dieser Dünnbrettbohrer. Zu jemandem der mich derart beleidigt werde ich keine Geschäftsbeziehung aufbauen.

    Einmal davon abgesehen dass Uni-Absolventen viel zu oft keine Ahnung von der Praxis haben. Aber Alteingesessene bauen zur Absicherung ihrer Pfründe gerne Hürden gegen neu am Markt erscheinende Akteure auf, teure Ausbildungen, am besten noch mit Zugangsbeschränkungen und Zertifikate sind da ein probates Mittel. Die Zeche zahlen dann Eigentümer und Mieter.

  • PS: Es ist ganz einfach einen guten Verwalter zu finden:

    1. Man gebe sich die Liste ALLER verwalteten Objekte.
    2. Man klappert diese Objekte ab.
    3. Man plauscht ein wenig mit den Mietern die gerade vorbeilaufen.
    4. Man redet mit ein paar Eigentümern. Bei WEG Verwaltung Protokolle ansehen.
    5. Man checkt seit wann die Objekte verwaltet werden. Mehrfache Vertragsverlängerungen sind immer gut - das Gegenteil ist es nicht !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%