Immobilien Das wilde Treiben der Mitternachtsnotare

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Notare im Zwielicht

Das bestätigt Julius Reiter, der Professor für Banking und Finance an der Hochschule für Ökonomie und Management mit Hauptsitz in Essen ist. Er beschäftigt sich zugleich auch als Anwalt in Düsseldorf mit dem Thema Bankberatung und Provisionen. Und in diesem Zusammenhang erstattete er Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen einen Notar wegen Betruges, sowie wegen vorsätzlicher Falschbeurkundung im Amt.

Der angezeigte Notar soll mit einem Immobilienunternehmen aus Hessen gegen die Interessen der privaten Käufer zusammengewirkt haben und sich als so genannter Mitternachtsnotar zur Verfügung gestellt haben. Die Notartermine für den Kauf der Immobilien sollen direkt im Anschluss an den Anruf des Vermittlers stattgefunden haben. Daraus schließt Reiter, der einen geschädigten Anleger vertritt, dass die Immobilienfirma damals bereits im Voraus Termine bei dem fragwürdigen Notar reserviert hatte.

In der schriftlichen Begründung der Strafanzeige heißt es: Vertrieb und Notar wirkten offenbar systematisch und keineswegs nur in Einzelfällen zusammen. Reiter macht deutlich: „Ein Notar, der seine Amtspflichten auch nur halbwegs ernst nimmt, hätte einem Vertreib niemals derart kurzfristig einen Termin für die Beurkundung des Immobilienkaufvertrages mit einer Privatperson eingeräumt.“

Er kritisiert, dass sein Mandant beim Notar den Text der entsprechenden Urkunde erstmals zu Gesicht bekam, als er sie gleich auch schon unterschreiben sollte. Er habe nicht einmal die Zeit gehabt, das Schriftstück zu lesen, bevor er es unterschreiben sollte.

Hinzu kommt laut Reiter, dass ein Notar sich selbst vom Grundbuchstand verlässlich informieren müsse. Es sei nicht nachvollziehbar, wie das zwischen dem Anruf des Vermittlers und dem kurz darauf folgenden Beurkundungstermin geschehen sein soll. Für Reiter stellt es sich so dar: „Als habe der Notar offensichtlich ohne Rücksicht auf seine Amtspflichten alles getan, um den sichtlich in Grundstücksgeschäften unerfahrenen Mandanten zur Abgabe der Willenserklärung zu bewegen, bevor dieser sich überhaupt der Tatsache bewusst wurde, dass es sich um eine solche handelte“.

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15 Kommentare zu "Immobilien: Das wilde Treiben der Mitternachtsnotare"

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  • Auch die teilweise in BaWü existierenden Amtsnotare rechnen nach der deutschlandweit einheitlichen Gebührentabelle für Notare ab. Außerdem werden Sie bei einem Amtsnotariat i.d.R. keinen Termin unter 3-6 Wochen bekommen. Da stellt sich die Frage der 14-Tagesfrist dann natürlich nicht mehr.

  • Und worum gings noch gleich in dem Artikel? Die Kommentare hier haben eher was mit allgemeinem bashing zu tun..
    Wird es also jetzt zur Regel dass Käufer und Verkäufer den Vertragsenwurf erst 2 Wochen lang auf ihrem Schreibtisch liegen lassen müssen bis sie ihn beurkunden lassen dürfen? Wem nützt das? Erklären beide Seiten vor oder während der Beurkundung (zB als Vertragsbestandteil) dass sie ausreichend Zeit zur Prüfung hatten sollte doch dr Sache ausreichend gedient sein? Kann ja nich jedem Menschen pauschal die Fähigkeot absprechen innerhalb von 3 Tagen mal einen 15-Seitigen Standard-KV zu lesen...

  • "Die staatlich geregelten Rechtsanwaltsgebühren dienen ja auch gerade dem Schutz den Mandanten vor zu hohen Rechnungen."

    Nunja, jedes Ding hat zwei Seiten. Der beste Schutz vor zu hohen Rechnungen ist ein durchschaubares Rechtssystem. Und ein Erfolgshonorar, welches man sich aufgrund guter Rechtskenntnisse verdient.
    So klagt man eben mal, Geld gibts auf jeden Fall. Ansonsten würde wahrscheinlich vieles garnicht vor Gericht landen und sowas wie Anwaltszwang hin und her geschoben mittels Streitwert würde auch eingedämmt. Nur weil man viel zu klagen hat, gehts ja nicht gerechter zu.
    Und Kanzlei-Kosten, hätte ich jetzt nicht gedacht, das das auch Geld kostet *g*, geht aber jedem anderen Betrieb auch so, und da ja inzwischen fast jeder einen von diesen Gesetzesakrobaten braucht, ist das Geschäft ja nicht schlechter. Eine eierlegende Wollmilchsau. Davon träumt jeder andere auch der einen Betrieb unterhalten muß.

  • @Luegendetektor:
    Die staatlich geregelten Rechtsanwaltsgebühren dienen ja auch gerade dem Schutz den Mandanten vor zu hohen Rechnungen. Klar würde in Zeiten zunehmender Anwaltsdichte eine Freigabe der Honorare vielleicht in Teilbereichen zu sinkenenden Gebühren führen. Aber ob dann die Qualität noch stimmt? Kennen Sie den Kostenapperat einer mittelständischen Kanzlei? Personal, Kanzleisoftware, Haftpflichtversicherung, Kammerbeiträge, Juristische Datenbanken, Fachzeitschriften, Fortbildungen. Ohne die Vergütungsgesetzte wären wohl eher Honorarvereinbarungen mit Stundensätzen die Regel. Hier können Sie von 200 bis 300,- € netto pro Stunde, bei Spitzenkanzleien auch mehr ausgehen. Wenn Sie das möchten steht es Ihnen frei ihrem Bundestagsabgeordneten zu schreiben ;-)

  • Wenn es denn kompliziertere Fälle geben sollte, dann kann dafür jee jeweils grne kassiert werden. Das normale Grundstückswesen incl. Grunschulden etc. ist so standardisiert, dass es für Notar eine Goldgrube ist. Abgeschirmt durch die Juristen-Gang in Politik und im öffentlichen Dienst.

    Mehrere Tausend € für die ganz "primitive" Umschreibunge einer ETW sind ein Scherz. Sogar auf die Marklercourtage - selbst schon ein Witz - wird sozusgen obendrauf noch Notargebühr berechnet. Einfach ein peinlicher Betrug am Bürger.

  • Es gab einmal das segensreiche Institut des Amtsnotars - das wurde im Zuge der Privatisierung auch dieser für manche Geschäfte zwingend notwendigen Dienstleistung abgeschafft. Warum wohl? Die Notare reiben sich die Hände!

  • genau das ist das Problem. Und diese Juristen haben meiner Meinung nach ein Rechtsverständnis, was sich vom gesunden Menschenverstand immer weiter entfernt.

    Überall lauern mittlerweile juristische Fallstricke, vor allem für Existenzgründer, die das nicht ansatzweise mehr überblicken können. Ein winziger Fehler, und die Existenz ist u. U. vernichtet.

    Es geht nicht mehr darum, anständig wie ein hanseatischer Kaufmann zu agieren, sondern nur noch, "juristisch einwandfrei und natürlich beweisbar" zu agieren, der so gelobten Beweislastumkehr (Schuldvermutung statt Unschuldvermutung) sei Dank.

    Aber Hauptsache, wir zeigen mit dem Finger auf China...für mich werden die Menschenrechte in Deutschland regelmäßig im Zivirecht verletzt...

  • Solange der Notar seinen Job macht wie es sich gehört, ist er eine sehr wichtige Person bei dem Erwerb einer Immobilie!!

    Wichtig ist es aber gerade deshalb , das
    1. die Notarkammern selbst Ihren Laden peinlich genau sauber halten uund ungefragt kontrollieren und sanktionieren!!!!
    Das ist Voraussetzung für das generelle sehr hohe Vertrauen dass dieser berufstand genießt.

    2. Muss der Gesetzgeber hier vor dem schändlichen Treiben einen sehr großen Riegel vorschieben.

    3. Die Gebühren sind eben nicht nur für die Tätigkeit sondern eben auch für das "Ungemach" der verstärkten Kontrolle.

    So gesehen wären die Gebühren mehr als OK und der Berufsstand der notare hätte seinen Ruf zu Recht.

    Die Wirklichkeit sieht aber eben leider in Einzelfällen ganz anders aus.

    Wer öfter mit Notaren zu tun bekommt, kennt sicher viele positive Vertreter aber eben auch einige von den unlauteren. Denen dass Handwerk zu legen (gerade in der Provinz) ist fast unmöglich.

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen...!

    Vor allem finde ich es zum Kotzen, wenn einerseits Anwälte über abenteuerliche Wege versuchen, bei Darlehensverträgen, wo bereits -zig Belehrungen, europäisch standardisiertes Merkblatt u.s.w. die Regel sind und sich nur wirklich kein vernünftig denkender Mensch über mangelnde Aufklärung mehr beklagen kann, trotzdem noch ein unbegrenztes Widerrufsrecht herauszuschlagen, weil beispielsweise die Widerrufsbelehrung nicht deutlich genug hervorgehoben wurde.

    Durch so eine Sauerei werden festgeschriebene Darlehen nur insgesamt teurer und die Bürokratie, die schon heute Kunden wie Bankmitarbeiter zum Wahnsinn treiben, immer brutaler.

    Andererseits der Notarvertrag: Kein Widerrufsrecht, unverständlliches Juristen-Deutsch, Notare, die bei Nachfragen der Mandanten genervt reagieren und damit Nachfragen vermeiden, aber unverhältnismäßig hohe Gebühren.

    Es wird höchste Zeit, hier einmal wieder zu einem Gleichgewicht zu kommen. Müssten Notare auch nur 10% der Belehrungen vollbringen, wie es beispielsweise ein Darlehensanbieter tun muss, wäre das Gejammere wahrscheinlich riesengroß...

  • "Und ich kann Ihnen versichern, dass die deutsche Anwaltsvergütung im Gegensatz zum europäischen Ausland geradezu ein Schnäppchen ist !"

    Dafür braucht man diese hier in Spanien nicht wirklich so oft :). Die letzten Notargebühren für meinen Hauskauf beliefen sich 240 €, für eine Hütte mit 200.000€. Nur mal so zum Vergleich.
    In fast jeder Gemeinde gibt es Schiedsstellen die schon mal ohne Anwalt vorsortieren, kostenlos.

    Bericht eines Gastes aus Deutschland letzten Sommer: Er hatte einen Anwalt wegen eines Mietstreites. Dieser hat dann mal 3 Jahresmieten als Streitwert angegeben. Die normale Kündigungszeit betrug 3 Monate. Also erstmal mit dem Anwalt selbst vor Gericht um die Gerichtskosten auf ein gesundes Maß zu stutzen.
    Kein Wunder das man da immer mehr Anwälte beschäftigen kann, wenn die sich auch noch gegenseitig verklagen müssen, eine Abmahn- und Schuldnerindustrie implementieren und noch andere nette Kleinigkeiten die einen Rechtsstaat ad absurdum führen. Aber das kann ja auch eine monetäre Befriedigung eines schon fast abstrus anmutenden Sicherheitsbedürfnisses sein.
    So sind se eben.

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