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Immobilien: Was wirklich gegen die Wohnungsnot hilft

In deutschen Städten wird es eng. Wer sich steigende Mieten nicht mehr leisten kann, muss wegziehen. Das Thema erreicht den Wahlkampf. Die Politik will hohe Mieten verbieten - und macht damit alles noch schlimmer.

Verzweifelte Suche: In München bieten Interessenten hohe Prämien für die Vermittlung einer Wohnung. Quelle: dpa
Verzweifelte Suche: In München bieten Interessenten hohe Prämien für die Vermittlung einer Wohnung. Quelle: dpa

DüsseldorfDeutschland erlebt einen sagenhaften Boom, einen Immobilienboom. Wobei „Boom“ nur eine freundliche Umschreibung dafür ist, dass die Preise und Mieten steigen. In Wahrheit herrscht in deutschen Großstädten ein Verdrängungswettbewerb. Wer sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten kann, muss wegziehen, an den Rand der Stadt. Und wer schon am Rand wohnt, hat ein Problem. Dort kann eine Mieterhöhung von 5,50 Euro auf sechs Euro pro Quadratmeter zur existenziellen Frage werden.

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Wer ist schuld an der Wohnungsnot? Wie sehen Rezepte zur Lösung aus?

So viel geben die Deutschen für Miete aus

  • Hamburg

    2008: 19,6 Prozent*
    2009: 20,5 Prozent
    2010: 20,1 Prozent
    2011: 20,7 Prozent
    2012: 21,7 Prozent

    * Anteil des Nettoeinkommens, der für Miete inklusive Nebenkosten aufgewendet werden muss.

    Quelle: IVD / Statistisches Bundesamt

  • Hannover

    2008: 17,1 Prozent
    2009: 17,7 Prozent
    2010: 18,0 Prozent
    2011: 18,8 Prozent
    2012: 20,0 Prozent

  • Düsseldorf

    2008: 17,9 Prozent
    2009: 17,9 Prozent
    2010: 18,4 Prozent
    2011: 19,0 Prozent
    2012: 19,0 Prozent

  • Köln

    2008: 20,1 Prozent
    2009: 20,1 Prozent
    2010: 19,5 Prozent
    2011: 20,1 Prozent
    2012: 20,3 Prozent

  • Dortmund

    2008: 16,9 Prozent
    2009: 16,9 Prozent
    2010: 16,7 Prozent
    2011: 16,8 Prozent
    2012: 16,9 Prozent

  • Frankfurt

    2008: 21,1 Prozent
    2009: 21,1 Prozent
    2010: 21,0 Prozent
    2011: 21,1 Prozent
    2012: 21,9 Prozent

  • Stuttgart

    2008: 21,5 Prozent
    2009: 21,5 Prozent
    2010: 20,9 Prozent
    2011: 21,0 Prozent
    2012: 22,3 Prozent

  • München

    2008: 21,8 Prozent
    2009: 22,4 Prozent
    2010: 21,8 Prozent
    2011: 22,6 Prozent
    2012: 23,5 Prozent

  • Nürnberg

    2008: 19,4 Prozent
    2009: 18,1 Prozent
    2010: 18,5 Prozent
    2011: 18,9 Prozent
    2012: 19,3 Prozent

  • Berlin-West

    2008: 21,6 Prozent
    2009: 21,6 Prozent
    2010: 21,5 Prozent
    2011: 21,8 Prozent
    2012: 22,7 Prozent

Die Politik hat das Thema für sich entdeckt. Es eignet sich hervorragend, um das soziale Profil zu schärfen, erst recht im Jahr einer Bundestagswahl. Nur leider sind viele der Vorschläge, die Wähler vor höheren Mieten schützen sollen, bestenfalls gut gemeint, gehen aber am Kern des Problems vorbei.

Prognose für Eigentumswohnungen bis 2015

  • Hamburg

    Durchschnittspreis 2012: 2.352 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +15,7 Prozent

    Quelle: Feri Eurorating Service AG

  • München

    Durchschnittspreis 2012: 3.401 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +11,3 Prozent

  • Dresden

    Durchschnittspreis 2012: 1.279 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +10,1 Prozent

  • Stuttgart

    Durchschnittspreis 2012: 2.331 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +9,8 Prozent

  • Leipzig

    Durchschnittspreis 2012: 1.148 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +9,6 Prozent

  • Freiburg

    Durchschnittspreis 2012: 2.212 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

  • Mannheim

    Durchschnittspreis 2012: 1.813 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,8 Prozent

  • Frankfurt am Main

    Durchschnittspreis 2012: 2.600 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,4 Prozent

  • Köln

    Durchschnittspreis 2012: 2.268 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

  • Berlin

    Durchschnittspreis 2012: 1.894 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,0 Prozent

  • Hannover

    Durchschnittspreis 2012: 1.131 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,6 Prozent

  • Augsburg

    Durchschnittspreis 2012: 1.585 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

  • Bonn

    Durchschnittspreis 2012: 1.975 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

  • Düsseldorf

    Durchschnittspreis 2012: 2.459 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +6,8 Prozent

  • Chemnitz

    Durchschnittspreis 2012: 766 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +4,8 Prozent

Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD, fordert öffentlich die Deckelung der Mieten. „Die sozialen Brennpunkte in Städten nehmen zu“, sagt Steinbrück. Es könne nicht sein, dass Mieten bei Neuvermietungen um bis zu 30 Prozent erhöht werden. Steinbrück will festschreiben, dass bei Neuvermietungen die Miete um nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Bei Bestandsmieten soll die Obergrenze bei maximal 15 Prozent in vier Jahren liegen.

Prognose für Mieten bis 2015

  • Hamburg

    Durchschnittspreis 2012: 10,4 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +10,5 Prozent

    Quelle: Feri Eurorating Services AG

  • München

    Durchschnittspreis 2012: 12,6 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +9,5 Prozent

  • Frankfurt am Main

    Durchschnittspreis 2012: 11,5 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

  • Dresden

    Durchschnittspreis 2012: 6,1 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

  • Berlin

    Durchschnittspreis 2012: 7,5 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +8,2 Prozent

  • Freiburg

    Durchschnittspreis 2012: 8,9 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,7 Prozent

  • Augsburg

    Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,5 Prozent

  • Bonn

    Durchschnittspreis 2012: 9,4 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

  • Bremen

    Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

  • Düsseldorf

    Durchschnittspreis 2012: 9,6 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

  • Leipzig

    Durchschnittspreis 2012: 5,7 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

  • Köln

    Durchschnittspreis 2012: 9,2 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +6,9 Prozent

  • Münster

    Durchschnittspreis 2012: 8,7 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +6,7 Prozent

  • Chemnitz

    Durchschnittspreis 2012: 4,9 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +5,4 Prozent

  • Bochum

    Durchschnittspreis 2012: 6,3 Euro/qm
    Preisentwicklung bis 2015: +4,5 Prozent

Nicht nur die Sozialdemokraten kämpfen für soziale Gerechtigkeit, auch andere Parteien haben sich drangehängt. „Wohnen ist ein Grundrecht und muss bezahlbar bleiben“, sagt Gregor Gysi, Fraktionschef der Linkspartei. Aus den Reihen der Grünen und der CSU gibt es ähnliche Forderungen.

Besonders in Innenstädten der Ballungsräume sind bezahlbare Mietwohnungen knapp. Erstens ziehen immer mehr Menschen in Großstädte. Zweitens verlangen die Menschen nach größeren Wohnungen. Drittens wird zu wenig gebaut. Wenn ein knappes Angebot auf hohe Nachfrage trifft, dann ist klar, was auf dem Wohnungsmarkt passiert: die Mieten steigen. Das trifft vor allem diejenigen, die jetzt eine neue Wohnung suchen.

  • 01.02.2013, 23:19 UhrMichaelvonProllius

    Gegen Wohnungsmarktmanagement hilft Marktwirtschaft !

    Jens Hagen und Jörg Hackhausen versuchen wirksame Konzepte gegen eine diagnostizierte wachsende „Wohnungsnot“ in deutschen Großstädten zu benennen. Manches Gute wird angedacht, leider das Richtige nicht zu Ende gebracht.

    Die vermeintliche Sensationsgeschichte über Not, soziale Ungerechtigkeit, Ausbeutung und politische Hilfe ist ein Musterbeispiel für Staatsversagen und die Funktionsweise der Marktwirtschaft. Die Schlüsselsätze stammen von zwei Interviewpartnern: „... der Markt funktioniert da lehrbuchhaft“ und „Die Deckelung von Neumietern schreckt private Investoren ab.“

    Treffend listen die Autoren Faktoren einer politisch bedingten Verknappung des Angebots auf: Kostentreiber, Regulierungen, Bürokratie – Schüren von Unsicherheit. Der Schluss kann indes nicht lauten, es müssten nun ausgerechnet von jenen, die den Wohnungsmarkt pervertiert haben, Investitionsanreize geschaffen werden. Vielmehr müssen die politischen Störfaktoren beseitigt werden. Stets gilt: Bei steigender Nachfrage und zurückbleibendem Angebot steigt der Preis. Das ist Anreiz genug für Investitionen. Es sei denn, die proklamierte Wohnungsnot ist lediglich ein Märchen.

    Michael von Prollius

  • 30.01.2013, 21:39 UhrGast

    Was soll denn daran ein Frechheit sein? Jeder Art von Kosten die im Zusammenhang mit dem vermieten Wohnraum stehen müssen vom Vermieter umgelegt werden. Sei es die Baukosten, die über den Kaltmietzins über die Zeit abgedekct werden, sein durchschnittlich angenommen Reparaturen, seinen es die Grunderwerbsteuer, die beim Kauf anfallen. Würden die laufenden Grundsteuern nicht über NK abgrechnet werden, dann müssten sie in die Kaltmietenkalkulation einfließen.

    Aber ich befürchte, dass Kalkulation nicht Ihre Stärke ist.

    Im Grundgesetz sollten Sie bitte nicht einen Satz herausziehen ohne dass Sie das lesen, was unmittelbar davor und danach steht. Aber auch das scheint Ihnen zu fehlen.

    Im übrigen ist Wohnraum in Deutschland billiger geworden. Vielleicht müssten Sie Ihre Ansprüche an Wohnraum nicht hochschrauben (Doppelverglasung, schickes BAd, schöne EBK) oder einfach aus Ihrem zu teueren Viertel / Stadt wegziehen.

  • 30.01.2013, 20:42 UhrGast

    Vollkommener Quatsch!

    Anfang der 90er wurden ca 20% des verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgegeben, jetzt sind es 16%.

    Wohnen ist auch real billiger geworden, weil die Mietpreisteigerungen in D seit 20 Jahren unter der Inflation liegen. Ausnahme sind die Boomstädte. Aber der kölner ist mit Öffentlichen z.b. leicht im sehr billigen Ruhrgebiet. Die Ausstattung der Wohnung ist im Durschnitt besser als vor 20 Jahren durch rennovierung besser (Doppelverglasung, neue Heinzungen, neue Bäder)

    Ich selbst hab 15 Wohnungen vermietet in einer sehr Wirtschaftstarken region (nicht direkt in der Stadt). Die Mieten haben sich seit über einem Jahrzehnt nicht geändert, trotz Investionen und höhere Kosten (z.B. Reparaturen)

    Ich kann das Gejammer der Sozialpädagen mit 2/3 Stelle nicht mehr hören, dass Wohnen in seinem Szeneviertel so teuer geworden ist.

    In eine boomende Industrieregion in ländliche Umgebung nach BW / Bayern ziehen und arbeiten. Da ist Miete und Einkommen in einem vernünftigen Verhältnis. Aber dazu muß man bereit sein und was ordentliches gelernt haben

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