Immobilien: Wo Häuser nichts mehr wert sind

Immobilien
Wo Häuser nichts mehr wert sind

In den Metropolen boomt der Immobilienmarkt. Doch in weiten Teilen des Landes sieht es anders aus: Dort stehen Häuser leer. Warum die Deutschen in die Städte flüchten – und wo ein Eigenheim billiger als ein Auto ist.
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DüsseldorfStendal hat einiges zu bieten. Das knapp tausend Jahre alte Städtchen im Zentrum der Altmark lockt mit Backsteingotik, mittelalterlichem Stadtplan und regem Kulturprogramm. Auch Naturfreunde kommen auf ihre Kosten. In eineinhalb Stunden ist man mit dem Auto an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Für Immobilienbesitzer ist das malerische Hansestädtchen allerdings ein Alptraum. Nirgendwo sonst ist der Kauf eines Eigenheimes so billig wie in dieser Gegend. Ein renovierungsdürftiges Objekt im Zentrum gibt es bereits für 74.000 Euro. Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus bietet mehr als 360 Quadratmeter Wohnfläche. Die Immobilie befindet sich im Besitz der Stadt, die nicht verschweigt, dass das Gebäude höchst sanierungsbedürftig ist.

Noch günstiger ist es im Umland. Nach einer Auswertung von Immobilienscout 24 für Handelsblatt Online kostet ein Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche in Schäplitz bei Stendal im Schnitt nur 38.000 Euro. In keiner Kommune im Bundesgebiet sind die Preise niedriger. Die meisten Deutschen werden noch nie von Schäplitz gehört haben, warum auch. Dabei sagt der Ort genauso viel aus über den Zustand des deutschen Immobilienmarkts wie München, wo die Preise am höchsten sind. Zum Vergleich: In München-Lehel bekommen Käufer für 38.000 Euro nicht einmal sechs Quadratmeter einer Wohnung.

Deutschland ist ein geteiltes Land. Die Menschen reden über den Immobilienboom. Die Medien beschwören eine Wohnungsnot wie nach dem Krieg herauf. Die Politik will für bezahlbaren Wohnraum sorgen, so man sie denn wählt. Das Problem steigender Mieten und höherer Preise betrifft aber nur Großstädte wie München oder Hamburg, zunehmend auch Berlin. Gleichzeitig sieht es in weiten Teilen der Republik ganz anders aus. Statt Immobilienboom herrscht auf dem Land das Gegenteil: Leerstand. Das Problem wird sich in Zukunft verschärfen – der Abriss ganzer Dörfer könnte helfen.

Eine Auswertung des Internetportals Immobilienscout 24 zeigt: Es gibt mindestens 20 Orte in Deutschland, in denen ein Einfamilienhaus mit üblicher Wohnfläche im Schnitt für weniger als 60.000 Euro zu haben ist. Es sind Gemeinden wie Pennewitz im Ilm-Kreis, Schwobfeld im Eichsfeld oder Saxler in der Vulkaneifel, die zu den verschmähten Orten der Republik gehören.

Kommentare zu " Immobilien: Wo Häuser nichts mehr wert sind"

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  • "Die große Mehrheit der befragten Kaufinteressenten sucht prinzipiell ein Objekt in der Stadt (49 Prozent) ..."

  • völlig abgehobener Artikel mit Kommunistensprech;
    unsere Genossen damals wollten auch planen und lenken ohne Ende; an der Stelle sind wir jetzt wieder,
    Frank aus dem Osten

  • Interessant, dass der ÖPNV an zweiter Stelle rangiert, wo die Deutschen ja so eifrige Bus- und Bahnfahrer sind...

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