Immobilien
Wo in Berlin die Preise explodieren

In keiner anderen Stadt stiegen die Mieten für Wohnungen so rasant wie in der Hauptstadt. In den besten Lagen ziehen auch die Kaufpreise allmählich mit denen in München und Hamburg gleich. Wo Käufer einsteigen sollten.
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BerlinMan darf sich Einar Skjerven als einen glücklichen Menschen vorstellen. 2007 begann der Chef der Industrifinans Real Estate, mit dem Geld norwegischer Anleger Mehrfamilienhäuser in Berlin aufzukaufen. In Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Charlottenburg und anderen innerstädtischen Lagen wurde er fündig – und stellt heute erfreut fest, „dass sich die Mieten für die Eigentümer sehr positiv entwickeln“.

Das ist noch zurückhaltend formuliert. In einem Gründerzeithaus in der Kreuzberger Graefestraße, in dem Skjerven vor vier Jahren eine Miete zwischen sechs und 6,50 Euro pro Quadratmeter erzielte, kann er heute bei neuen Mietern mindestens 8,50 Euro durchsetzen. Und damit ist er kein Einzelfall: Nach Angaben des Forschungsinstituts Empirica stiegen die Neuvertragsmieten in Berlin zwischen 2008 und 2011 um nicht weniger als 36 Prozent – deutlicher als in jeder anderen deutschen Metropole. Besonders markant, das belegen auch die Daten von Immobilienscout24, war die Steigerung innerhalb des S-Bahn-Rings. Stark zugelegt haben zuletzt auch die Preise von Eigentumswohnungen.

So fällt das Urteil des Gutachterausschusses für Grundstückswerte für dessen Verhältnisse fast euphorisch aus:„Berlin zeigt sich als äußerst attraktiver Immobilienstandort.“ Allein der Umsatz beim Verkauf von Eigentumswohnungen stieg im vergangenen Jahr um 19 Prozent. Aber auch Großinvestoren haben das Potenzial der deutschen Hauptstadt entdeckt: Laut Beratungsunternehmen NAI Apollo Group befand sich jede zweite deutsche Wohnung, die 2011 im Rahmen von Portfoliotransaktionen den Eigentümer wechselte, in Berlin.

Ursache des Booms auf dem Wohnungsmarkt ist nicht nur die Angst vor Euro-Krise und Inflation wie anderswo in Deutschland. „Berlin ist international sehr angesagt“, nennt CBRE-Bewertungsspezialist Michael Schlatterer einen weiteren Grund. Vor allem aber stimmen die Rahmendaten. „In den vergangenen fünf Jahren ist der marktgängige Leerstand um 41 Prozent gesunken“, stellt Markus Schmidt, Researchchef des Maklerhauses Aengevelt, fest. Nur noch 2,6 Prozent aller Geschosswohnungen, die sofort bezogen werden könnten, stünden leer.

Dafür verantwortlich ist das Missverhältnis zwischen steigender Haushaltszahl und geringer Neubautätigkeit. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres nahm die Zahl der Berlinerinnen und Berliner um knapp ein Prozent auf fast 3,5 Millionen zu. Gleichzeitig, bilanziert Schmidt, „wurden im Mittel der letzten zehn Jahre jährlich nur rund 0,2 Prozent des Berliner Wohnungsbestands erneuert“.

Das soll sich nach dem Willen der Politik ändern. Der SPD/CDU-Senat möchte erreichen, dass jährlich 6000 Wohnungen neu entstehen, während Fachleute wie Empirica-Vorstand Harald Simons sogar ein Volumen von mindestens 10000 Wohnungen für nötig halten. Dabei reagiert der Markt bereits jetzt: 2011 legte die Zahl der fertig gestellten Wohnungen auf immerhin 5570 zu.

Immer mehr Projektentwickler wagen sich mit neuen Vorhaben auf den Markt – beispielsweise Hochtief Solutions HTP, die lange auf gewerbliche Projekte spezialisiert war. „Sowohl Mieter als auch Eigentümer drängen zurück in die Innenstadt“, begründet Carsten Sellschopf, Leiter der Berliner HTP-Niederlassung, die geänderte Schwerpunktsetzung.

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  • Mietnomaden schaden in erster Linie anderen Mietern, da die Bonitätsanforderungen an Mieter dauernd steigen (ich würde Ihnen empfehlen als Student oder Niedrigverdiener einmal eine Wohnung zu suchen...).
    Die heutigen Mieten sind auch notwendig, damit wieder gebaut wird (auch wenn es sich m.E. noch nicht rechnet). Klassenkampf nützt keinem....

  • Gleich nach London übersiedeln, dann seht Ihr wirklich was teuer ist!.
    Deutschland ist zu 90% immer noch ein Mieterparadies!. Nirgendowo in der Welt kann so billig oder zumindest günstig angemietet werden-immer gerechnet vom deutschen Nettoverdienst. Nirgendwo kann man sich für den Nettoverdienst so viel leisten, wie hier in Deutschland!!!.
    Wer klagt, der soll doch einfach einmal in ein anderes Land umziehen und dort arbeiten, leben und wohnen-er würde schnell eines besseren belehrt!.

    >>Das gleiche gilt für die unglaublich billigen Ferienwohnungen, die sich eine Familie hier in Deutschland zu supergünstigen Bedingungen, teils unter Jugendherbergsniveau, anmieten kann!.<<

    Wir Deutschen können uns glücklich schätzen mit der gesamten Familie in oft nagelneuen oder toll renovierten Ferienwohnungen, spottbillig Urlaub zu machen-und die Essenspreise sind selbst für eine Familie noch erschwinglich.
    Nur wertschätzen sollten wir das endlich und nicht ewig jammern!.

  • Das Mieterparadies mit staatlich hochsubventionierten Mieten ist nun mal zu Ende. Berlin hat sich damit (und mit anderem) nahezu ruiniert. Jetzt orientieren sich die Mieten an den Entstehungskosten und nicht mehr an den Wählerstimmen.

    Das wird noch mehr werden. Diejenigen, die in der Vergangenheit nichts gekauft haben, weil die Mieten "schweinebillig" waren, schauen jetzt in die Röhre.
    Früher hieß es in Berlin: Dummheit kauft, Intelligenz mieten.Das war ein Rohrkrepierer.

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