Immobilienfinanzierung
Lukrative Altverträge für Bausparer

Viele Sparer profitieren von den hohen Zinsen älterer Bausparverträge. Weil diese für die Banken jedoch immer unattraktiver werden, kündigen sie vielen Kunden. Rechtlich dagegen vorzugehen, ist riskant.
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FrankfurtManche Bausparer wollen kein Geld leihen, sondern nur gute Renditen erzielen. Besonders bei alten Bausparverträgen lohnt sich dies, wenn hohe Zinsen vereinbart wurden. Doch Kunden sollten nicht zu viel Kapital anhäufen, sonst kann die Bausparkasse kündigen.

Das bekam Anke Becher (Name geändert) in diesem Jahr zu spüren. Ihr Vertrag war bei Wüstenrot mit der Obergrenze von 10225,84 Euro vereinbart worden. Im Fachjargon ist das die Bausparsumme. Diese setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zuerst spart der Kunde einige Jahre lang ein Guthaben an, und später zahlt die Bausparkasse ein Darlehen an ihn aus, etwa für eine Renovierung oder den Hausbau.

Anke Becher wollte jedoch gar keinen Kredit. Sie zahlte munter weiter ein. Zuletzt wies ihr Konto daher ein Guthaben von 10466,68 Euro auf, wie ihr Wüstenrot mitteilte. Damit war die vereinbarte Bausparsumme überschritten. Die Aufnahme eines Kredits nicht mehr möglich – jedenfalls mit diesem Vertrag. Aus Sicht von Wüstenrot ist der Kredit jedoch „der eigentliche Zweck des Bausparvertrags“ – und nicht das reine Sparen. Somit sei es logisch, ihren Vertrag zu kündigen und auch nicht weiter zu verzinsen.

Anke Becher ist kein Einzelfall. Verbraucherschützer wie Liza Banzhaf von der Verbraucherzentrale in Stuttgart stellen gerade in diesem Jahr wieder vermehrte Anfragen von Kunden fest, deren Altverträge gekündigt worden sind und die dies nicht akzeptieren wollen.

Ursache für die Konflikte zwischen Kunden und Bausparkassen ist der starke Zinsrückgang am Kapitalmarkt, durch den die Interessengegensätze stärker sichtbar werden: Die Bausparkassen wollen Verträge mit hohen Zinsen gerne auflösen, weil sie sich aus ihrer Sicht schlecht rechnen in Zeiten niedriger Zinsen. Viele Kunden möchten sich dagegen oft die hohen Zinsen noch eine Weile sichern, weil es derzeit schwer ist, ähnlich attraktive Alternativen am Markt zu finden.

In größerem Umfang beschäftigten sich Verbraucherschützer und Unternehmen zuletzt 2007 und 2008 mit dem Problem. Die damals gezogenen Lehren im Umgang mit Hochzinsverträgen gelten auch heute noch, zumal bisher keine richtungsweisenden Gerichtsurteile zugunsten der Verbraucher ergingen. Der Grundsatz lautet: „Voll besparte oder übersparte Bausparverträge dürfen gekündigt werden“, wie sich die Anbieter ausdrücken. Rückendeckung für diese Haltung gibt die Finanzaufsicht Bafin.

Kommentare zu " Immobilienfinanzierung: Lukrative Altverträge für Bausparer"

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  • Wie sicher sind die Bausparverträge in der Krise noch? Legt die Bausparkasse das Geld nicht auch in Staatsanleihen an?

  • Ich hatte auch so einen Vertrag bei Wüstenrot, der wurde jedoch nicht beim Zuteilungstermin ausbezahlt und wäre mit 4,75% weitergelaufen. Ich hab mir das Geld auszahlen lassen, damit ich es in der Tasche habe. An Vertäge muß sich ja nur der Bürger halten, die Unternehmer, Staat u. Versicherer(zB. Lebensversicherungen) ändern o. verdrehen verträge wie sie wollen, der Staat bzw. unsere 4 etablierten Verschuldungsparteien sorgen nicht für Gesetze mit klaren Regeln.

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