Immobilienmarkt
Anleger schwören auf Betongold

Die Finanzkrise lässt die Kaufpreise für Häuser rasant steigen. Anleger investieren in Toplagen. Doch den Käufern droht ein Verlustgeschäft. Haben wir es mit einer Immobilienblase zu tun?
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HamburgImmobilienscout24 ist ein Gewinner der Finanzkrise. "Seit der Lehman-Pleite explodieren bei uns die Suchanfragen", sagt Michael Kiefer, der die Abteilung Immobilienbewertung leitet. Allein im Juli verzeichnete der virtuelle Makler knapp 700.000 Suchanfragen für Kaufimmobilien – eine Steigerung von fast 500 Prozent zu Anfang 2008.

Auch die Angebotspreise würden steigen, gerade in Metropolregionen wie München, Hamburg und Berlin. Für einen Blick auf den Münchner Viktualienmarkt oder die Hamburger Alster legen Käufer nicht selten mehrere Millionen Euro hin. Ein sechsstelliges Angebot gilt da noch als Schnäppchen.
Die Zahlen des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken belegen die Entwicklung. Im zweiten Quartal 2011 sind die Preise für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent gestiegen. Der VDP wertet regelmäßig die Daten von 21 Banken aus, die Immobilienkredite vergeben.

Es ist ein Trend, den nicht nur Immobilienmakler feststellen, sondern auch viele Deutsche in ihrem privaten Umfeld. Wohin mit dem Geld in Zeiten der Finanzkrise? Die Aktienmärkte sind unattraktiv, ständig fällt der Dax auf einen neuen Tiefstand. "Anleger betrachten die deutschen Immobilienmärkte vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Euro-Pleitekandidaten als sicheren Hafen", sagt Kiefer. Vom "Betongold" schwärmen Immobilienmakler in Verkaufsgesprächen.

Und so ist es zwar auch die klassische Kleinfamilie, die sich eine Wohnung oder ein Häuschen im Grünen zulegt, um dort selbst zu wohnen. Aber die Struktur der Käufer ändert sich zurzeit, sagt Michael Voigtländer, Experte für Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Viele Privatleute kaufen sich zurzeit eine Wohnung als reine Kapitalanlage."

Das Zinsniveau kommt ihnen entgegen, Immobilienkredite sind billig. Auch vermögende Senioren würden inzwischen zuschlagen und ihr Geld in einer Stadtwohnung anlegen. Nach einer Immobilienscout24-Umfrage unter mehr als 2.600 Kaufinteressenten hat sich die Zahl der reinen Kapitalanleger in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Die steigende Nachfrage lässt die Preise steigen – und zwar nicht nur die Kaufpreise, sondern auch die Mieten. Denn die Käufer legen ihre Kreditkosten auf die Mieter um, um die Wohnung zu refinanzieren.

In München reißen die Mieten regelmäßig neue Rekorde. Für einen Quadratmeter in einer Altbauwohnung in der Innenstadt müssen Mieter inzwischen im Schnitt 13,50 Euro berappen – und zwar als Kaltmiete.

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  • Machts doch wie ich: ich lebe zur Miete in einem superluxuriösem Townhouse in Hamburg. Diese exorbitante Miete decke ich locker mit den Einnahmen meiner vier Appartments, die ich recht günstig vor 10 Jahren in Singapore erstanden habe und sehr gute Mieteinnahmen generieren....Immobiien als Anlage lohnen sich in Asiens boomtowns, nicht so sehr hierzulande...

  • Wo soll den die Immobiliennachfrage die nächsten Jahre herkommen? Die geburtenstarken Jahrgänge laufen gerade aus dem Alter heraus in dem sie die größte Nachfrage generieren. Eine Rezession wird so manch einem seinen Job verlieren lassen. Gleichzeitig werden die Zinsen steigen, wenn eine totale Entwertung der Währungen verhindert werden soll. Viele Immobiliensklaven werden auf der Strecke bleiben. Die Menschen werden weniger Wohnraum beanspruchen, weil sie es sich einfach nicht mehr leisten können. Platz ist Luxus. Das ist der Stoff aus dem die deutsche Immobilienbubble gemacht ist.

  • @Hans

    Dann schauen Sie sich doch einfach mal den Nikkei 225 an.

    http://www.markt-daten.de/charts/indizes/asien.htm

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