Immobilienmarkt Die deutsche Blase

In deutschen Großstädten steigen die Immobilienpreise rasant. Solange Geld weiterhin so billig zu haben ist, wird sich daran auch nichts ändern. Dabei sind die Risiken und Nebenwirkungen für Hauskäufer unübersehbar.
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DüsseldorfDer deutsche Immobilienmarkt boomt. Die Preise schießen in die Höhe, besonders in Ballungsgebieten. Das freut die Hausbesitzer, die Immobilienbranche sowieso. Aber kaum einer will die Gefahr sehen.

Dabei ist kaum zu übersehen, was die Preise anheizt: billiges Geld. Davon ist derzeit jede Menge vorhanden, die Notenbanken stellen es bereit. Es ermöglicht Investitionen, die sonst nicht vernünftig gewesen wären. Es verführt Hauskäufer dazu, mehr zu riskieren.

Wenn dieses Geld auf einen Immobilienmarkt trifft, auf dem das Angebot ohnehin schon knapp ist, wirkt es wie ein Brandbeschleuniger. Besichtigen lässt sich das Ergebnis in Deutschland, aber auch in Norwegen oder der Schweiz. Dort legen die Preise für Immobilien seit Jahren zu.

In Berlin sind die Preise für Eigentumswohnungen in den vergangenen Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die Entwicklung hat sich zuletzt noch beschleunigt. So sind die Wohnungspreise in den sieben größten deutschen Städten laut Bundesbank allein im Jahr 2012 um 11 Prozent gestiegen.

„Die niedrigen Finanzierungskosten sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Immobilienpreise in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen dürften“, schreibt Ulrike Rondorf, Volkswirtin der Commerzbank, in einer Studie. „Wir rechnen mit stetig weiter steigenden Preisen für Wohnimmobilien in der Größenordnung von drei bis fünf Prozent pro Jahr.“

Die Bundesregierung wiegelt ab: Eine gesamtwirtschaftliche Immobilienpreisblase sei nicht zu erwarten, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Betrachtet man den Bundesdurchschnitt, ist das nicht falsch. An einigen Landstrichen geht der Boom vollständig vorbei. In weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch in ländlichen Gegenden im Westen, ziehen die Menschen weg.

Auch das gehört zur Realität auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Trotzdem: Die Immobilienmärkte in vielen Ballungsgebieten sind jetzt schon heiß gelaufen. Daran wird sich nichts ändern, solange Geld weiterhin so billig zu haben ist. Noch nie war es hierzulande so günstig, sich Geld zu leihen.

Geld hat seinen Preis. Es kostet mal mehr, mal weniger – je nachdem, wie es die Notenbanken für richtig halten. Sie bestimmen, zu welchen Konditionen sich die Banken Geld leihen, und dieses wiederum an Unternehmen und Privatleute weiter verleihen können.

Seit fünf Jahren sorgen die Notenbanken dafür, dass Geld so billig wie möglich zu machen. Erst vor wenigen Wochen hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf 0,5 Prozent gesenkt. Damit will sie den Staaten und Unternehmen in Südeuropa helfen, über die Runden zu kommen. Andernfalls könnten diese sich gar nicht mehr finanzieren.

Der Schweinezyklus beginnt von vorn
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35 Kommentare zu "Immobilienmarkt: Die deutsche Blase"

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  • Danke, sehr informativer Artikel, der genau beschreibt was stattfindet. Was die Regierung dazu sagt ist eigentlich egal.

    Mal sehn wann es in Deutschland wieder crashed. vieleicht 2019...

  • @ Wolf

    Sie haben die Konsequenzen nicht verstanden.

    Die Banken werden durch den Steuerzahler "gerettet". Das bedeutet höhere Steuerbelastung auf alles Vermögen das greifbar ist.

    Und während Arbeitnehmer bei einer Verdopplung der Einkommenssteuer eventuell das Land wechseln kann man dem Immobilienbesitzer problemlos jährlich 1-2% seines Immobilienbesitzes über eine Vermögenssteuer abnehmen.

    Dass rot-grün dies im Wahlkampf auf die Millionäre begrenzen will ist Augenwischerei. Dieses Klientel kann jederzeit Wohnort oder wenn es ganz hart kommt auch den Pass wechseln. Kein Wirtschaftsflüchtling der DDR hat seinem Pass nachgetrauert.

    Man sollte sich an den Grenzen der DIW-Empfehlung orientieren die Vermögende als Personen mit mehr als 60.000 € Bruttojahreseinkommen oder 250.000 € Vermögen definiert hat.

    Das sind die Schafe die genug Wolle bringen um Banken und Beamtenpfründe zu retten.

  • Da haben Sie Recht. Wenn jemand über deutsches Preisniveau jammert, kann ich hier in Zürich nur drüber lachen. Für eine Einzimmerwohnung in München bekomme ich in Zürich gerade einen Garagenstellplatz.

  • Na ja, hier werden zum Teil Äpfel und Birnen durcheinander geworfen, weil nicht unterschieden wird zwischen selbstgenutzten Immobilien und Investitionsobjekten.
    Vor allem letztere sind wirklich ein Problem, weil hier die Rendite im Vordergrund steht.
    Für Eigenheimbesitzer ist die Rendite eher nebensächlich, weil deren Rendite hauptsächlich darin liegt, dass die Wohnkosten vergleichsweise niedrig bleiben. Wegen der Eigennutzung kommen diese Objekte auch nicht so schnell auf den freien Markt, egal, wie die Marktlage gerade ist.

    Trotzdem oder gerade deshalb sind aber die Tipps für Finanzierer mit eher niedrigem Einkommen hilfreich. Wer das Risiko einer möglichen Zinssteigerung bei der Anschlussfinanzierung im Griff hat, kann nur wenig falsch machen, solange er nicht damit rechnet das aufgewendete Kapital am Markt durch Verkauf zurückzuerhalten.
    Ob Renditeobjekte schon in der Blasenbildung sind ist aber auch nicht so sicher, da eben erst kürzlich festgestellt wurde, dass gerade in den Hochpreisgebieten das Angebot an Wohnungen immer noch zu niedrig ist. Hier drückt sich wohl auch die Sorge aus, dass ein größeres Angebot die überhöhten Mieten und damit in Folge auch die Preise wieder auf Normalmaß drücken könnten. Denn eher niedrige Mieten im Durchschnitt gibt es auch nur, wenn man die Gegenden mit Preisverfall mit einbezieht.

    H.

    H.

  • @ haus
    Klar, wenn man zwei linke Hände hat und auch sonst immer jemanden für alles braucht, dann wird das ganze Leben teuer. Wissen und Können bedeutet immer, mehr oder weniger Autarkie und ist auf jeden Fall, im eigenen Interesse, anzustreben.

  • @)Michel aus Frankfurt: ...ja, so lange lediglich die Einkommen aus Renten versteuert werden müssen, ist aber neben dem proportionalen Anstieg des steuerpflichtigen Anteils nicht der Fall, denn auch das Vermögen unterliegt später der Steuerpflicht. Wie sonst, meinen Sie, soll sich in Zukunft die soziale Rentenversicherung finanzieren? Gruß von Michaela aus Hamm

  • Deutschlandweite Betrachtungen sind nicht aussagekräftig, der Markt ist einfach zu heterogen...

    Im Gegensatz zu Aktien und zum Neuen Markt kann der "Buchwert" meiner Immobilie auf Null sinken. Aber ich kann dennoch drin wohnen.

    Wenn jemand den maximal möglichen Kredit der Bank in Anspruch nimmt und sich mit kurzen Zinsbindungen verzockt: Selbst Schuld! Die Leute bekommen Ihr Geld aber auch anders vernichtet.

    Klar, wir sind Dumm un zahlen mit 3,5% Zinsen zuviel im Vergleich zu einschlägigen Baufi-Rechnern. Dafür weiß ich aber, was mich das Haus bis zum letzten Tag kostet. Mit ner 10-Jahres-Festschreibung wären auch zwei Zimmer mehr drin gewesen...

    Jeder hat sein Glück selbst in der Hand und alles (!!) kann schief gehen... wenn ich weiter zur Miete wohne, dann weiß ich halt von Anfang an, dass das Geld weg ist...

  • Jörg Hackhausen meint
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    Die Immobilienmärkte in vielen Ballungsgebieten sind jetzt schon heiß gelaufen.
    [...]
    Aber kaum einer will die Gefahr sehen.
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    Dieser Artikel hat eine Qualität deutlich über dem Durchschnitt der Handelsblattartikel, weil er nahezu alle Aspekte der Thematik anspricht und ausgewogen und sachgerecht behandelt.

    Einen wichtigen Aspekt übersieht der Autor aber - das ist das insgesamt zu niedrige Mietniveau in Deutschland.

    Das liegt um die 5 Euro kalt pro qm, und ist damit lassem sich für die Hausbesitzer keine angemessenen Renditen erzielen.

    Ein Blick in unsere westlichen Nachbarländer, die in den vergangenen 50 Jahren nicht mit 1001 Steuer- und anderen Wohnungsbausubventionen gesegnet waren belegt das.

    Dort ist unter 10 Euro pro qm kalt kaum etwas zu haben.

    Die deutschen Wohnungsbausubventionen 1960 - 2000 haben zu einer Überversorgung mit Wohnraum und damit zu einem vollkommen unrentabelen Mietpreisniveau geführt.

    Darob ist der Wohnungsbau in den letzten 12 Jahren nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, und er lebt nur in denjenigen Ballunhszentren inzwischen allmählich wieder auf, in denen Binnenwanderungsbewegungen zu einer Normalisierung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage und damit zu rentablen Kaltmieten gefürt haben.

    Unter diesem Gesichtspunkt gibt es nirgendwo in Deutschland auch nur den Hauch einer Immobilienblase.

    Selbst die schicksten Gegenden von München sind im Vergleich zu Knightsbridge oder Zürich ein Billigquatiere.

    Das Risiko einer Anlage in Immobilien liegt in Deutschland eher im politischen Bereich.

    Aus der linken Ecke erschallt schon wieder der Ruf nach "bezahlbarem Wohnraum", und "Mietbremsen" mit enteignungsägnlichen Wirkungen werden geplant.

    Und auch im populistischen Flügel der CDU (Merkel, von-der-Leyen) wird derartiges aufgegriffen.

    Die Erfahrungen in der Ostzone mit staatlichen Mietpreisvorgaben scheinen bei einigen schon wieder vergessen zu sein.

  • Wer bekommt denn bitteschön 220.000 EUR Darlehen für 10 Jahre Zinsbindung zu 2,1% Zinssatz? Doch nur ganz wenige Ausnahmefälle die ein Eigenkapital von mindestens 150.000 - 180.000 EUR mitbringen, denn auch Kaufnebenkosten müssen bezahlt werden. Und wenn die Zinsen tatsächlich in 10 Jahren tatsächlich bei 6% stehen würden hat unsere Gesellschaft ganz ganz andere Probleme, die auch die betreffen, die heute 15 oder 20 jährige Zinsbindungen abschließen!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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