Investoren schlagen zu: Rücke vor bis zur Schlossallee!

Investoren schlagen zu
Rücke vor bis zur Schlossallee!

Das Immobilien-Monopoly geht in die nächste Runde: Banken, Versicherer, Fonds und vermögende Familien mischen den Markt auf. Wo die Immobilien-Profis kaufen - und wo Mieten und Kaufpreise weiter steigen werden.
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DüsseldorfWenn in Berlin-Kreuzberg eine Wohnung vermietet wird, dann stehen die Interessenten Schlange. Auf eine Wohnungsanzeige kommen im Durchschnitt mehr als 14 Bewerber. Das sind gut 50 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Dabei ist Berlin nicht mal rekordverdächtig. In München ist die Wohnungsnot seit Jahren groß – und sie verschärft sich immer mehr. Im Stadtteil Obergiesing melden sich im Schnitt 38 Bewerber auf ein Inserat. Hier beträgt die Steigerungsrate rund 350 Prozent.

Diese nüchternen Zahlen, die das Internetportal Immobilienscout 24 berechnet, lassen sich ganz einfach übersetzen: Die Nachfrage in den Metropolen wächst, das Angebot nicht. Das hat Folgen für den gesamten Immobilienmarkt.

Die Kosten für Wohnen steigen kräftig an. Laut Ratingagentur Feri dürften die Mieten in Berlin, Frankfurt, München und Hamburg den nächsten zwei Jahren zwischen acht und elf Prozent steigen. Die Kaufpreise sollen vielerorts sogar noch schneller steigen, in Hamburg bis 2015 sogar um bis zu 16 Prozent.

Nicht nur niedrige Neubauquoten und der Zuzug in die Innenstädte treiben die Kosten für die eigenen vier Wände. Die Finanzindustrie, reiche Familien und internationale Investoren haben den deutschen Wohnimmobilienmarkt für sich entdeckt. Seit 2009 verdreifachte sich das Volumen der Transaktionen laut einer Untersuchung von Ernst & Young auf elf Milliarden Euro. „Der deutsche Immobilienmarkt hat eine große internationale Anziehungskraft“, sagt Hartmut Fründ von Ernst & Young Real Estate.

Zuletzt habe es sogar einige Deals in Milliardenhöhe gegeben. Die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen investierte rund 1,2 Milliarden Euro für Wohnungen aus dem Bestand der BauBeCon, Patrizia Immobilen gab sogar 1,4 Milliarden Euro für Wohnungen der LBBW Immobilien aus. Transaktionen in dieser Größenordnung seien noch vor zwei Jahren kaum denkbar gewesen, so Fründ.

Die Experten der Beratungsgesellschaft erwarten, dass Wohnimmobilien weiterhin gefragt bleiben. Das Transaktionsvolumen werde 2013 weiter auf hohem Niveau liegen – und damit deutlich über dem Schnitt der vergangenen Jahre. Klares Signal: Der Boom geht weiter.

Die Analyse der Unternehmensberatung beruht auf einer Umfrage unter 120 Unternehmen und Investoren, darunter Banken, Versicherer, Fonds und Immobiliengesellschaften. Danach beurteilen fast alle Immobilienprofis den deutschen Markt positiv. Auf die Frage: „Wie beurteilen Sie die Attraktivität Deutschlands“ antworteten 99 Prozent der Befragten mit „sehr attraktiv“ oder „attraktiv“. Und: 65 Prozent der Befragten möchten nächstes Jahr in Wohnimmobilien investieren, Büro- oder Einzelhandelsobjekte sind nicht annähernd so gefragt.

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  • Ganz meine Meinung.
    Hier gibbet etwas zum Nachlesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinezyklus

    Ich persönlich würde die Finger von solchen Investments lassen. Und ich find's bemerkenswert, wie sonst erklärte "Marktwirtschaftler", die ansonsten von den Selbstregulierungskräften des Marktes schwadronieren und der Reine Le(e)hre anhängen, dies wegzureden versuchen.

  • Das Quartier hat in Westdeutschland einen sagenhaften Ruf. Für viele ist es ein Traum, dort zu wohnen. Und wer das entsprechende KLeingeld mit bringt, der kann sich diesen Traum vom Leben in der Hauptstadt erfüllen.

    Aber ich sage nur eins: in ca. 5 bis 10 Jahren gibt's wieder massive Leerstände in Berlin.

  • Für den Ausbau des ÖPNV fehlen vielerorts die dazu notwendigen politischen Mehrheiten. Und das hat auch einen guten Grund: ziehen die Leute aus der Stadt ins Umland, brechen in der Stadt auf die Dauer die Mietpreise ein. Das sind dann sehr schlechte Nachrichten für Investoren. Vielerorts ist es dann üblich, die Verlust bringenden Immobilien in andere Firmen auszulagern, die dann pleite gehen. Um Schaden für den Ruf der Kommunen abzuwenden, müssen die Kommunen dann diese Immobilien erwerben, um dort den sozialen Sprengstoff heraus zu nehmen.

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