Kautionsversicherungen: Große Pläne mit kleinem Geld

Kautionsversicherungen
Große Pläne mit kleinem Geld

Ohne Kaution kann in Deutschland niemand eine Wohnung mieten. Mietkautionskassen wittern jetzt das große Geschäft. Mieter sollen statt des eigenen Sparbuchs die Versicherung in Anspruch nehmen.

DüsseldorfDie Deutsche Kautionskasse (DKK) will mächtig expandieren. Sie schließt einen Exklusivvertrag nach dem anderen mit großen Wohnungsvermietern. Sie wie andere schielen auf 32 Milliarden Euro, die laut Wettbewerber Kautionsfrei.de zurzeit als Mietsicherheiten auf Sparbüchern festliegen.

Das Geschäftsmodell der DKK und ihrer Mitbewerber ist jung, einfach, aber auch früh in Verruf geraten. Es basiert darauf, dass in Deutschland praktisch niemand eine Wohnung mieten kann, ohne eine Kaution zu stellen. Vermieter zapfen sie an, etwa wenn der Mieter mit der monatlichen Überweisung in Rückstand gerät, seine Nebenkosten nicht zahlt oder bei Auszug nicht renoviert. Doch statt dem Vermieter ein Sparbuch auszuhändigen oder eine Bankbürgschaft vorzulegen, können Mieter nun bei der DKK, Konkurrenten wie Eurokaution und Kautionsfrei.de oder weiteren Gesellschaften eine Kautionsversicherung abschließen. Dafür wird monatlich eine Versicherungsprämie fällig, die von der Kautionshöhe abhängt. Der Vorteil: Wenn das Geld für die Mietsicherheit fehlt, muss der Mieter keinen Kredit aufnehmen, vor allem keinen teuren Dispokredit. Er muss sich auch keine Bankbürgschaft besorgen, die seinen Kreditrahmen schmälern würde.

Eigentümerin der DKK ist eine österreichische Familienstiftung, Eurokaution gehört mehrheitlich der bankenunabhängigen Albis Leasing, und hinter Kautionsfrei.de stehen ein Immobilien- und ein Versicherungsmakler. Als die ersten Mietkautionsversicherungen im Jahr 2008 an den Start gingen, bewarfen sie sich erst einmal mit Schmutz. Die DKK geriet mit dem Wettbewerber Deutsche Mietkaution Schweiz (DMK), Tochter einer Schweizer Gesellschaft, aneinander.

Die Schweizer warfen der DKK vor, ihr Modell abgekupfert zu haben. Mit Strafanzeige wurde gedroht. Ulrich Grabowski, heute Chef der DKK und damals noch nicht bei der Gesellschaft in Starnberg, zitiert heute auf die Frage nach dem Erfinder des Produkts die Werbung für bestimmte Hustenbonbons: „Die Schweizer waren es.“ Seinem Vorgänger kreidet Grabowski, der zuvor unter anderem beim Versicherer Axa sein Geld verdient hat, an, die Kautionsversicherung als Konkurrenz zum Sparbuch aufgebaut zu haben. „Ein Fehler“, sagt er und ergänzt: „Wer Geld übrig hat, sollte das Sparbuch für die Kaution nehmen.“

Seite 1:

Große Pläne mit kleinem Geld

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%