Luxusimmobilien
Die teuersten Straßen der Republik

Der Markt für Luxusimmobilien boomt. In Top-Lagen sind die Preise um bis zu 50 Prozent gestiegen - und das in einem Jahr. Wo die Reichen fünfstellige Summen pro Quadratmeter zahlen und was sie dafür erwarten.
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DüsseldorfDie Anzeige liest sich verlockend: Ein „Neubau in bester Kampener Lage“ steht zum Verkauf, auf halbem Weg zum Wattenmeer, in zweiter Baureihe, ruhig und nicht einsehbar gelegen. 160 Quadratmeter, Reetdach, Friesenstil, natürlich mit erstklassiger Ausstattung. Ein Traum – und genau das wird er für die meisten Menschen auch bleiben. Der vernschlagte Kaufpreis: 5,2 Millionen Euro.

Kampen auf Sylt ist die teuerste Wohngegend in Deutschland. Hier erreicht so manche Immobilie, etwa im Hobokenweg, Preise von 35.000 Euro pro Quadratmeter. Tendenz steigend. Auch in München, Hamburg, Düsseldorf und selbst in Berlin steigen die Preise für Luxusimmobilien. Die Nachfrage ist groß, das Angebot knapp. Seit der Finanzkrise investieren Millionäre bevorzugt in teure Villen oder Landhäuser.

„Insbesondere im Luxussegment war 2012 ein signifikanter Nachfrageanstieg zu verzeichnen“, erklärt Kai Enders, Vorstand der Engel & Völkers AG. Das vergleichsweise kleine Marktsegment habe ein neues Spitzenniveau erreicht. Engel & Völkers ist spezialisiert auf Immobilien in den oberen Preislagen. In einer aktuellen Analyse stellt die Maklergesellschaft vor, wo die teuersten Häuser der Republik stehen.

Was ist überhaupt eine Luxusimmobilie? Da wäre zunächst der Preis. Alles unter einem Kaufpreis von 750.000 Euro fällt für die Makler schon mal nicht in diese Kategorie, richtig interessant wird es ab siebenstelligen Beträgen. Daneben müssen weitere Voraussetzungen gegeben sein, natürlich eine einzigartige Lage, gerne auch ein besonders schöner Ausblick sowie eine erstklassige Ausstattung. Nur Objekte, die alle Kriterien erfüllen, erzielen Höchstpreise. Selbst in den teuren Lagen trifft das nur auf wenige Häuser zu, mitunter nur auf einzelne Stockwerke.

Der Markt für Luxusimmobilien ist so klein, dass die Bezeichnung Markt eigentlich gar nicht angebracht ist. In dem Geschäft bleibt man unter sich. Sobald ein Objekt in einer begehrten Lage angeboten wird, stehen potente Käufer oft schon bereit. Die Luxusmakler können derzeit nicht über mangelnde Beschäftigung klagen – und das obwohl sie bei Vertragsabschluss üblicherweise eine Courtage von rund sechs Prozent auf den Kaufpreis kassieren.

Kleingeld spielt für die Käufer eine untergeordnete Rolle. Sie wollen vor allem Sicherheit. Die Finanzkrise hat viele Wohlhabenden aufgeschreckt. Klassische Investments wie Anleihen werfen kaum noch Zinsen ab, Aktien gelten als riskant. Deshalb stecken viele reiche Privatanleger ihr Geld lieber in Immobilien. „Diese Flucht in Betongold, führte in den letzten 18 Monaten zu deutlichen Preissteigerungen“, heißt es bei Dahler & Company, ebenfalls ein Makler, der sich auf betuchte Kunden spezialisiert hat. Dabei stehe für Käufer nicht die kurzfristige Rendite, sondern die langfristige Wertsicherung im Vordergrund.

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  • Die Ignoranz, die es braucht, um sich bei diesem Thema auf die Auflistung von Grundstückspreisen und die Vorlieben der Kaufinteressierten zu beschränken, ist schon enorm. Es ist mir schleierhaft, wie es dem Verfasser gelingt, die Problematiken, die sich für die normal- und geringverdienenden Einheimischen dieser Hotspots und damit für die betroffenen "Wohngegenden" ergeben, derart auszublenden.
    Damit spigelt der Artikel wunderbar die Ignoaranz der Reichen und Superreichen wider, deren Selbstgefälligkeit er bedienen will.

    Ja, ich komme aus dem linken Lager. Ich lese das Handelsblatt hin und wieder, um die Gedanken und Motive derer zu verstehen, die sich andere Dinge für Deutschland wünschen, als ich. Leider verstehe ich sie nicht. Im Gegenteil, je mehr ich lese, desto mehr verabscheue ich Menschen, die alles dem Irrglauben an das Geld unterordnen. Der Glaube an die Marktwirtschaft - so, wie sie sich entwickelt hat - ist in meinen Augen genauso dumm, wie der Glaube an entartete, fundamentalistische Religionen. Nur weil die Marktwirtschat "funktioniert" und sich selbst nützt, ist sie noch lange nicht gut für die Menschen.

    Bei keinem anderen Thema der letzten Jahre ist das so gut abzulesen, wie bei dem um die steigenden Immobilienpreise für die Schickeria und die damit einhergehende regelrechte Vertreibung der Einheimischen.

  • Ist ihr Bericht über München Miete (7,77) eine Witzausgabe?
    Die Miete beträgt 19 bis 25 Euro pro qm und keinen Cent weniger!

    Rigan - München

  • Es ist leicht nachvollziehbar, dass diese Entwicklung so sein muss. Wir haben eine Inflation bei Vermögensgegenständen, der Geldüberhang drängt in Sachwerte und trifft ein dafür knappes Angebot.
    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Wertkorrektur kommt. Entweder durch ein Sinken der Preise oder entsprechend schneller steigender Löhne bei konstanten Preisen. Letztlich beweist das nur, dass der Wert des Vermögens ohne adäquate Löhne auf Dauer nicht gehalten werden kann. Denn ohne potente Nachfrage müssen die Preise irgendwann nachgeben oder sich die Gesellschaft spalten.
    Wegen der Wohlstandsverteilung muss man sich wegen dieser Entwicklung nicht zwingend sorgen. Die aktuellen Marktpreise sagen zur Zeit wenig über den realen Reichtum aus.
    Letztlich ist es aber eine Frage der Intelligenz, denn relativ zu Bevölkerung kann sich der Reichtum schon erhöhen, wenn die Masseneinkommen zu gering bleiben. Allerdings nur um den Preis insgesamt ärmer zu werden. Die Frage ist also, sind die Reichen intelligent genug zu merken, das sie ärmer werden, wenn die Einkommen niedrig bleiben? Und erkenne sie, dass dies nur durch abnehmende soziale und politische Stabilität für sie unmittelbar spürbar wird?

    H.

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