Luxusimmobilien
„Die wilden Zeiten sind vorbei”

Die Schweizer Stadt Genf erwägt, die Steuern für Millionäre zu erhöhen. Die Folgen sind schon zu spüren: Die Preise für superteure Immobilien brechen ein. Werden die Luxusvillen der Eidgenossen zu Ladenhütern?
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Bei den Genfer Immobilienverkäufern ist aktuell Fingerspitzengefühl gefragt. So musste der Makler Alexander Koch de Gooreynd musste einem Kunden im vergangenen Juni eine schwierige Mitteilung machen. Der angestrebte Preis von 39,5 Millionen Franken, umgerechnet 32,1 Millionen Euro für seine Villa in Genf war einfach zu hoch angesetzt.

Das Haus mit acht Schlafzimmern, einem Weinkeller, 800 Quadratmetern Wohnfläche, direkt am See und mit Liegeplatz für eine Jacht im Vorort Collonge-Bellerive war schon seit neun Monaten auf dem Markt. Der Verkäufer wollte nicht noch länger warten und verkaufte das Anwesen schließlich schweren Herzens für acht Millionen Franken unter dem angestrebten Preis.

„Die wilden Zeiten sind vorbei”, sagt Koch de Gooreynd, der die Schweizer Sparte für Privatimmobilien bei Knight Frank leitet. Noch zwei Jahre zuvor wäre der höhere Preis noch durchaus durchgegangen. „Die Verkäufer werden deutlich realistischer.”

Der Preis für Genfer Immobilien, die mehr als sechs Millionen Franken wert sind, ist in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 25 Prozent eingebrochen, sagt Makler Sebastien Rohner von Barnes International Luxury Real Estate in Genf. „Einen Einbruch wie diesen habe ich noch nicht gesehen”, sagt Rohner. „Wohlhabende sehen Genf nach wie vor als attraktiv an, aber sie lassen sich Zeit und mieten, bevor sie kaufen.”

Die Gründe für den Preisverfall in Genf sind profan. Vermögende stören sich etwa daran, dass Politiker erwägen, Steuererleichterungen für ausländische Millionäre zu stoppen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Zuzüge multinationaler Unternehmen in die Stadt sinkt.

Weniger als zwei Fahrstunden von den Skigebieten Chamonix und Verbier entfernt, ist es Genf dank niedriger Steuern, politischer Stabilität und hoher Lebensqualität gelungen, bislang mehr als 900 multinationale Konzerne anzulocken. Darunter befinden sich etwa Procter & Gamble, der Rohstoffhändler Gunvor und die Hedgefonds-Verwalter Brevan Howard und BlueCrest Capital.

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