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Preisspirale: Warum Kunden bald noch mehr für Energie zahlen müssen

Die Preise für Strom, Gas und Benzin steigen rasant. Immobilienbesitzer und Mieter müssen 2012 mit Mehrkosten von bis zu 50 Prozent rechnen. Wo Energie teuer wird und welche Anbieter noch günstig sind.

von Jens Hagen, Andreas Wildhagen, Jürgen Salz, Martin Seiwert und Rüdiger Kiani-Kreß und Cordula Tutt Quelle: Wirtschaftswoche Online
Thermostat: Die Energiekosten steigen. Den Kunden bleibt als einziger Ausweg der Wechsel des Anbieters. Quelle: dapd
Thermostat: Die Energiekosten steigen. Den Kunden bleibt als einziger Ausweg der Wechsel des Anbieters. Quelle: dapd

DüsseldorfDie Transparente waren gemalt. "Wir wollen nicht die Opfer der Energiewende sein", stand auf einem der Plakate, die sich die Belegschaft von Eon in Hannover hatte einfallen lassen. Die Aktivisten der beiden Gewerkschaften Verdi und IG BCE planten Sternmärsche an allen großen Standorten, die der Düsseldorfer Energiekonzern in Deutschland unterhält.

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Ziel der Arbeiterführer war es, gegen mögliche betriebsbedingte Kündigungen auf die Straße zu gehen. 6000 Stellen will Eon-Chef Johannes Teyssen in Deutschland streichen, sein Kollege Jürgen Großmann vom Essener Wettbewerber RWE sogar 8000. Das weckte Erinnerungen an die Stahl- und Bergarbeiter, die vor einem Vierteljahrhundert mit Großdemonstrationen gegen Zechen- und Werksschließungen Mitleid in der Bevölkerung erregten und die Öffentlichkeit mobilisierten.

Immobilien

Doch die geplante Neuauflage des Massenprotests durch Eon- und RWE-Mitarbeiter vor Weihnachten fällt aus. Derlei solle "tunlichst unterbleiben", heißt es in einem Papier der Gewerkschaften. Denn, so die Begründung: "Mitarbeiter von Energieversorgern können in Zeiten immer teurerer Energie kaum auf Mitgefühl der Öffentlichkeit setzen, sondern müssten sogar eher mit Häme rechnen."

Drastische Preissteigerungen

Angst vor ätzendem Spott anstelle warmer Empathie, und das bei Tausenden, die um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten? Das ebenso stille wie ungewöhnliche Kalkül der Werktätigen bei Eon und RWE markiert eine neue Eskalationsstufe in einer Entwicklung, die sich zu einem ernsten Problem auswächst – der ungezügelte Anstieg der Energiepreise. Ob Strom oder Sprit, Öl oder Gas, praktisch jede Energieart verteuerte sich in den vergangenen fünf Jahren drastisch und dürfte sich nach Meinung der meisten Experten in naher Zukunft weiter verteuern.

Die Gasanbieter mit den größten Preissteigerungen

  • Preisänderungen

    Knapp 900 Anbieter änderten für den Zeitraum zwischen Januar 2011 und Februar 2012 ihre Gaspreise. Überwiegend wurden die Preise im Herbst angepasst. 108 Anbieter senkten ihre Preise um durchschnittlich 4,9 Prozent. 775 Anbieter hoben ihre Preise um durchschnittlich 9,5 Prozent an.

  • Platz 1

    Die Energieversorgung Oberes Wiesenthal (Baden-Württemberg) erhöhte zum August 2011 den Preis für den Tarif Klick12. Der Preis vor der Änderung betrug 1048 Euro. Hinterher lag er bei 1548 Euro. Die Differenz beträgt somit 500 Euro bzw. 47,7 Prozent.

    Die Preisangaben beziehen sich auf einen Verbrauch von 20.000 kWh und einer Heizleistung von 13kW  im ersten Jahr. Nur begrenzt verfügbare Angebote  wurden nicht berücksichtigt. Die Angaben stammen vom Vergleichsportal Verivox. 

  • Platz 2

    Die hessische Gas- und Wasserversorgung Fulda kassiert seit der Preisänderung zum Oktober 2011 statt 1195 Euro rund 1548 Euro für ein Jahr. Das Resultat ist ein Aufschlag von 353 Euro bzw. 29,5 Prozent.

  • Platz 3

    Um 29,5 Prozent erhöhte die Gas- und Wasserversorgung Osthessen den Preis für seinen Grundversorgungstarif im Oktober 2011. Statt wie zuvor 1195 Euro fallen nun 1548 für ein Jahr an.

  • Platz 4

    Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh müssen Kunden der Gasversorgung Wismar Land Vertrieb GmbH für die Grundversorgung rund 404 Euro und damit 24,8 Prozent mehr auf den Tisch legen als noch zuvor. Im September 2011 hob der Anbieter seinen Preis von 1630 auf 2034 Euro an.

  • Platz 5

    Die Stadtwerke Esslingen am Neckar nehmen im Tarif CleverOnlinePlus für den gleichen Verbrauch seit Juli 2011 rund 24,0 Prozent mehr Geld von ihren Kunden. Statt wie zuvor 998 Euro zahlen die Verbraucher nun 240 Euro mehr.

  • Platz 6

    Der Tarif neu.sw (Gas+) der Neubrandenburger Stadtwerke verteuert sich zum Januar 2012 um 23,2 Prozent. Kunden zahlen statt wie bisher noch 1079 Euro künftig 250 Euro mehr für einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh und eine Heizleistung von 13kW.

  • Platz 7

    „Bürgernah“  nennt sich der Tarif der Stadtwerke Weilburg (Hessen), für den die betreffenden Bürger seit September jährlich 23 Prozent mehr zahlen. Fielen zuvor noch 1192 Euro and, sind es seitdem 1466 Euro und damit 274 Euro mehr.

  • Platz 8

    Um 281 Euro und damit 22,8 Prozent verteuerte sich zum Oktober 2011 der Grundversorgungstarif der Stadtwerke Klingenberg am Main (Bayern). Seitdem zahlen Verbraucher 1511 Euro statt wie zuvor noch 1230 Euro.

  • Platz 9

    Den lokalen Tarif OnlineErdgas verteuerten die Stadtwerke Achim (Niedersachsen) zum Oktober 2011 um 22,7 Prozent. Rund 190 Euro mehr und damit 1028 Euro müssen die Kunden für einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh zahlen.

  • Platz 10

    TaunaGas Oberursel (Hessen) kassiert seit der Preisänderung zum Januar 2011 statt 1161 Euro rund 1416 Euro für ein Jahr im Tarif TaunaGas. Das Resultat ist ein Aufschlag von 255 Euro bzw. 22,0 Prozent.

Geradezu explosionsartig steigt der Preis für Strom, der seit 2006 um gut ein Drittel nach oben schnellte und allein im kommenden Jahr durchschnittlich um mindestens vier Prozent steigen wird. Eine Analyse von Verivos für Handelsblatt Online zeigt, dass gut 900 Stromversorger seit Januar 2011 ihre Preise anhoben - um bis zu 20 Prozent. Bis Ende Januar werden weitere 126 Tarife teurer. Die Preisrally hat aber erst begonnen. Aufgrund der Energiewende werden die Strompreise in Deutschland nach Einschätzung der Deutschen Energieagentur Dena bis 2020 um rund 20 Prozent steigen.

Gaspreis-Vergleich Wo Kunden hunderte Euro sparen

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Der Gaspreis legte in den vergangenen fünf Jahren zwar nur um zehn Prozent zu. Dafür wollen die Versorger bis März 2012 nun gleich acht bis zehn Prozent auf einmal draufschlagen, so viel wie in den vergangenen fünf Jahren insgesamt. Dabei erhöhten bereits 700 Versorger laut Verivox ihre Tarife. Nach dieser Analyse schlugen einige Versorger sogar bis zu 50 Prozent drauf.

Die traurigen Preisrekord stellen die Abkömmlinge des Erdöls auf: Heizöl verteuerte sich um 43 Prozent, Benzin um 30 Prozent, Dieseltreibstoff um 33 Prozent.

  • 29.12.2011, 12:42 UhrAnonymer Benutzer: Humanist

    Das Dilemma zeigt sich zuerst bei der Energiepolitik: Das Prinzip "Schwachsinn", umgangssprachlich für Unsinn oder eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen bestimmt heute die Richtlinien der Politik, Parteien sind nur Vollzugshüllen mit Konzentration auf Eigeninteressen, entscheidende politische Machtfaktoren sind doch die NGO`s durch ihre manchmal bestechende Art, der Politik Mehrheitsmeinungen und somit Strategien für politisches Überleben vorzugaukeln. Wir könnten also besser gleich die NGO`s in die Parlamente wählen, die dann nach einem, nach dem Muster des Politischen Philosophen John Rawls entworfenen, Gesellschaftsvertrag der Fairness (Konkordatsgedanke) agieren. 1835 charakterisierte Alexis de Toquevilles dieses Phänomen In „De la Démokratie en Amérique“ als „Tyrannei der Mehrheit“: typisches Beispiel ist der Ausstieg aus der Kernenergie mit der Suggestion der vermeintlichen Mehrheitsmeinung, AKW´s seien die Nachfolger der Bomben von Hiroschima und Nagasaki, was tatsächlich allenfalls für russische und japanische AKW`s zutreffen mag, die aber nicht ausgestiegen sind. Die Preise sind uns schon weggelaufen. Man darf nur noch gespannt sein, ob es dem NBU jetzt gelingt, die Windmüller wieder in Ihre Schranken zu weisen oder später festgestellte „Klimakatastrophen“ aus der Zunahme fossiler KW`s zu erklären. Ähnliche Entwicklungen bahnen sich beim Weg in die TransferUnion an; „Europa lieben“, was es uns auch immer beschert, meint der demente Altkanzler Schmidt, einfacher geht’s doch nimmer: Platon hat in „Politeia“ der im 4.Jh. v.Chr. untergehenden attischen Demokratie das Etikett „Anarchie der Lüste“ umgehängt; ein bisschen von dem Scharfblick wünsche ich uns allen zum Jahreswechsel, dann kehren vielleicht wieder normale Zeiten ein.

  • 28.12.2011, 22:44 UhrAnonymer Benutzer: vandale

    Die Energiepreissteigerung in Deutschland sind zu einem wesentlichen Teil den ständig steigenden Energiesteuern geschuldet.
    Ein weiterer wesentlicher Effekt ist das "Waldsterben" der 80er Jahre analog der aktuellen CO2 Klimahölle (das SO2 aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sollte die Wälder sterben lassen und die Menschen ersticken lassen) geschuldet. Im Zuge des Waldsterbens wurde die BIMSCH verschärft und die Verbrennung preiswerter Kohle und Schweröl erschwert.
    Der Ausstieg aus der Kernenergie begann Ende der 80er Jahre. Ohne ökoreligiöse Atomstrahlenangst gäbe es aktuell mehr als 30 abgeschriebene, umweltfreundliche KKW in Deutschland (inkl. DDR). Aufgrund der konkurrenzlos preiswerten Betriebskosten ergäbe sich in der Tat ein grosses Potential für preiswerten, umweltfreundlichen Heizstrom analog Frankreich, Südkorea (in beiden Ländern wird mehr als 1/3 der Gebäude elektrisch beheizt.

    Vandale

  • 28.12.2011, 19:09 UhrSilvercoin82

    alles in Allem sind die Preissteigerungen der Euroschwäche und der damit verbundenen starken Inflation zu verdanken. Aber wer rechnet hier auch noch in Euro?? den Euro wird es in den kommenden Wochen zerreißen. Es ist gerade die Ruhe vor dem Sturm. Also alle schön locker bleiben!!

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