Ratgeber + Hintergrund

„Wohnen ist in Deutschland zu billig“

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"Die meisten haben mich beneidet"

Anleger investieren lieber in Steine als in Immobilienaktien.

Immobilien sind illiquide. Aktien von Immobilienunternehmen nicht.

Im Gegensatz zu vielen offenen Immobilienfonds.

Die Anlageklasse hat einen grundsätzlichen Konstruktionsfehler. Wenn man so tut, eine illiquide Anlageklasse liquide zu machen, dann muss etwas schief gehen. Die Fonds müssen mehr Cash halten als sinnvoll, das kostet Rendite. Das Hauptrisiko ist aber: Wenn sie in Krisenzeiten Geld bauchen, dann ist keines da. In diesem Punkt sind geschlossene Fonds ehrlicher. Sie gaukeln dem Anleger jedenfalls nicht vor, dass er jederzeit an sein Geld kommt.

Auch Aktien können im Wert fallen. Dann nützt auch die Liquidität nicht viel…

Stimmt. Auch Immobilienaktien sind volatil. Der Preis wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Und zaubern kann keiner.

In der Finanzbranche gilt das Immobiliengeschäft nicht gerade als spektakulär. Vermissen Sie den Job als Star-Analyst?

Nein, gar nicht. Ich habe das fast zehn Jahre lang gemacht. Bin viel gereist. Habe viel geredet. Ich hätte das nicht bis zur Rente machen können. Ich finde es toll, mal was tatsächlich zu machen und zu bewegen und eben nicht nur darüber zu reden. CEO zu sein macht großen Spaß!

Was sagen die ehemaligen Kollegen?

Die meisten haben mich beneidet. Die Szene ist voll von Leuten, die Ihnen erzählen, was sie als nächstes tun im Leben. Sie wollen ein Weingut kaufen, ein Restaurant kaufen oder eine Privatschule eröffnen. Die meisten machen es dann doch nicht, weil sie sich sagen: Ich nehme noch einen Bonus mit. Dann kaufen sie ein großes Haus und nehmen noch einen Bonus mit, und dann noch einen. Schlimm wird es, wenn der nächste Bonus nicht kommt. Geld macht abhängig.

Hatten Sie als Analyst mal eine Situation, die sie im Nachhinein bereuen?

Nein, ich habe ja keine Deals gemacht. Als Analyst habe ich ja nur geredet. Eine Mischung aus Wissenschaftler, Journalist und Pausenclown. In schmutzige Geschäfte war ich nie involviert.

Bereuen sie einige Tipps?

Naja, Fehler gehören immer dazu. Unterm Strich haben die guten Empfehlungen die schlechten überwogen. Trotzdem habe ich unter jeder schlechten Empfehlung physisch gelitten. Wenn man mit ganzem Herzen dabei ist, schmerzen Fehler. Das lehrt Demut und Disziplin.

Schauen Sie noch auf die Märkte, etwa für die private Geldanlage?

Mein gesamtes Vermögen ist fast ausschließlich in der TAG investiert. Ich schaue nur noch aus Interesse drauf.

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Dabei dürften Sie jetzt völlig frei in Aktien investieren, ohne jede Compliance-Regeln…

Stimmt. Aber ich habe keine seriöse Meinung mehr zu Aktien.

Wie sieht es aus mit privaten Immobilien?

Aus meinem früheren Leben habe ich einige Objekte. Für weitere Käufe ist jetzt aber keine Zeit mehr.

Wie sind Ihre persönlichen Ziele. Bleiben Sie TAG treu?

Ja, wenn es geht noch viele, viele Jahre. Unsere Wachstumsstory kann weitergehen. Da wäre ich gern dabei. Der gesamte deutsche Wohnimmobilienmarkt bewegt sich wie tektonische Platten. Die Kräfte wirken langsam, aber ungeheuer stark. Zweistellige Renditen kann niemand erwarten, der Boom kann aber noch zehn, fünfzehn Jahre weitergehen.

Teure Fallen in der Baufinanzierung

  • Lange Bearbeitungszeiten

    Wenn eine Bank Top-Konditionen anbietet, stürzen sich die Kunden geradezu auf das Angebot. Vor allem Kreditvermittler leiten in einem solchen Falle die Kunden scharenweise an Banken mit Niedrigzins-Offerten weiter. Manche Banken können diesen Ansturm nicht bewältigen. In Einzelfällen können die Bearbeitungszeiten dann vier bis acht Wochen dauern. Branchenkenner berichten, dass sich einige Banken dann angesichts der hohen Antragszahl Kunden mit guten Risiken herauspicken und einen Rest pauschal ablehnen. Kunden, die schon kurz vor Baubeginn stehen oder Kaufpreiszahlung schon ansteht, sind dann gezwungen, auf die Schnelle eine andere Finanzierung zu finden oder einen höheren Zinssatz zu akzeptieren. Bei verspäteter Zahlung werden für den Käufer oder Bauherren Vertragsstrafen fällig.

  • Bausparverträge

    Viele Banken bieten bei der Finanzierung neben dem Kredit einen Bausparvertrag an, vor allem Sparkassen und Volksbanken neigen dazu. Entweder es wird der Bausparvertrag gleich als Tilgungsersatz eingearbeitet, zur späteren Zinssicherung separat abgeschlossen oder für eine spätere Renovierung vorgesehen. Während die Vorsorge für eine Renovierungsvorsorge bis zu einem Volumen von 20.000 Euro noch akzeptabel ist, haben die anderen Varianten Nachteile. Die Finanzberatung FMH berechnete den Grenzzins, ab wann die Finanzierung mit Bausparverträgen lohnt. Erst wenn der Bankzins beim Anschlussdarlehen bei mehr als 7,5 Prozent, im Einzelfall sogar bei mehr als 11,5 Prozent liege, würde sich das Bausparmodell lohnen. Einen derartigen Zinsanstieg erwarten aber nur Pessimisten.

  • Kreditverhandlungen I

    Fast jeder Bauherr denkt, dass sein Bankberater über seine Finanzierung entscheiden könnte. Doch heutzutage werden Kredite nicht mehr in der Filiale abgewickelt, sondern zentral bearbeitet. Wenn sich der Banker mit seiner Zusage zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, hat der Kunde keine Verhandlungsbasis, weil sich der Berater auf die Entscheidung der Kreditabteilung rausredet und er selber keine Befugnis hat, den Kredit doch zu vergeben. Kulanz und gute Kundenbeziehungen nützen in solchen Fällen in der Regel nichts.

  • Kreditverhandlungen II

    Ebenfalls unangenehm kann es werden, wenn der Zahlungstermin ansteht und die Kreditvergabe plötzlich mit Zinsaufschlägen versehen wird, von denen bei der Antragstellung nicht die Rede war. Aus Zeitgründen wird dann oft auf ein Angebot bei einer anderen Bank verzichtet. Unfair ist es auch, wenn die Kreditzusage an die Besparung eines Bausparvertrages gekoppelt wird. So maximiert der Banker Ertrag und Provision. Kunden sollten solche Offerten ablehnen und zu einem anderen Institut wechseln.

  • Kreditvermittler

    Viele Baugeld-Vermittler setzen ihre Kunden unter Druck und verlangen beispielsweise die Annahme eines Angebots binnen einer kurzen Frist. Andernfalls würde die Offerte wieder zurückgenommen. Ein reiner Vertriebstrick, wie etwa Max Herbst von der Finanzberatung FMH meint. Denn das Angebot des Vermittlers ist sowohl für die Bank wie auch für die Kunden immer unverbindlich. Erst wenn die Bank ihre Offerte schickt, gibt es ein konkretes Angebot. Da die Annahme des Vermittlerangebotes nicht rechtsverbindlich ist, ist auch eine Unterschrift nicht tragisch. Man sollte sich durch derartiges Vermittlerverhalten nicht abschrecken lassen und getrost weitere Angebote einholen.

  • Zinsverhandlungen

    Viele Hausbanken präsentieren ihren Kunden zunächst ein Angebot zu einem durchschnittlichen Zins. Der Banker ist auch gar nicht traurig, wenn sich der Bauherr bei Vermittlern und Direktbanken ein besseres Angebot einholen wird. Auf Anraten seines Beraters solle er aber vor einem Abschluss dort das Angebot ihm nochmals vorlegen, denn es sei nicht ausgeschlossen, dass er nochmals nachbessern könne. Ein solches Vorgehen zeugt nicht gerade von einer guten Geschäftsbeziehung. So handeln vor allem Banken, die ihren Kunden auch in Zukunft tendenziell immer zuerst zweitklassige Produkte anbieten. In einem solchen Fall sollten die Kunden das Institut lieber wechseln und bei einer anderen Bank nachverhandeln. Prinzipiell gilt: Kunden sollten immer das bestmögliche Angebot erwarten dürfen.

Und dann kommt für Sie wieder ein harter Bruch?

Wie meinen Sie das?

Sie sind aufgewachsen in der DDR, haben die Wende miterlebt. Dann sind sie als Analyst in die Londoner City gegangen, dem europäischen Mekka der Finanzmarkt-Spekulation. Jetzt machen Sie in Immobilien. Ihr Leben ist geprägt von Umbrüchen.

Stimmt. Ich scheue mich nicht vor konsequentem Handeln. Wenn Dinge sich ändern, dann ist man nicht schlecht beraten darauf zu reagieren.

Sie sind eher eine Ausnahme. Sind die Deutschen zu unflexibel?

Es fällt schon auf, dass es in Deutschland eine andere kulturelle Prägung gibt als etwa in England. Letztlich ist das eine Frage der Risikobereitschaft. Viele Menschen glauben, wenn alles so bleibt wie es ist, dann passiert mir nichts. Aber das ist falsch. Was die meisten übersehen: Wenn man nichts tut, dann ist das auch eine Entscheidung. Es befreit unheimlich, wenn man das tut, was einem sinnvoll erscheint.

Zur Person:

Elgeti wächst als Bauernsohn in Mecklenburg-Vorpommern auf. Weil ihm zwei Leistungskurse zu wenig sind, belegt er gleich fünf. Am Ende steht 1,0 als Note im Abschlusszeugnis. Das Wirtschaftsstudium schließt er nach fünf Semestern ab, nach zwei weiteren hat er den MBA in der Tasche.

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Mit Anfang zwanzig fängt er bei der UBS in London an, wechselt später als Analyst zur Commerzbank und zu ABN Amro. Mit 30 Jahren verwaltet er Immobilienfonds. 2009 wird er Vorstandschef bei TAG Immobilien.

  • 31.01.2013, 20:43 Uhrfritzle

    Natürlich ist Wohnen zu billig.

    Wer als Normalbürger in den letzten Jahren in den Verdichtunsräumen versucht hat ein Eigenheim zu erwerben, wird festgestellt haben, dass er sich entweder ruinös verschulden muss oder kein Eigenheim bekommt. Das kommt daher, dass er mit dem Geldadel konkurriert, der sein unvorstellbares Vermögen über Immobilien vor dem Währungsverfall schützen will. Der Geldadel erwartet natürlich ein standesgemäßes Auskommen gemäß dem Grundprinzip des feudalen Lebenswandels aus leistungslosem Einkommen. Und dafür muss halt die Mehrheit bluten.

    Das Spiel ist das gleiche wie bei den Rohstoffen von Lebensmitteln bis Öl und den Zinskosten, die mit allen hergestellten Produkten den feudalen Lebensstil dieser parasitären "Elite" ermöglichen. Ein Schloß hier, ein bischen Champagner dort, ein Wohchende in Kitzbühl, die Privatschule für die Kinder etc. .. Das muss ja schließlich jemand verdienen / erarbeiten. Und das wir diese bornierte Parsiten-Elite garantiert nicht selbst leisten. im Gegenteil: sie verabscheuen diese Proletarier, die ihren Lebensunterhalt noch durch Arbeit und Leistung erwerben müssen. Denn Leistung ist kein Begriff dem Sie irgendeine Bedeutung zumessen.

  • 31.01.2013, 16:15 UhrDu_kannst_mich

    Zitat: "Wohnen ist zu günstig".

    GENAU!!! Deshalb baue ich ein Wohnmobil, restauriere eine Yacht und kaufe lieber ein portables Haus, weil es ist abzusehen, dass noch mehr Ä...he so denken wie dieser Snob.

    Die Mieten haben sich ja erst nur verdoppelt in gerade mal 10 Jahren, gegenüber gestellt eine Gehaltsteigerung von 20% im gleichen Zeitraum.

  • 05.12.2012, 12:29 UhrRatschbum

    Unglaublich aber wahr, was dieses Individuum hier ablässt.
    Erstaunlich, wenn nicht gar beängstigend aber ist die Tatsache, mit welcher Selbstverständlichkeit und Kaltschnäuzigkeit sich solche Typen hier darstellen.

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