Rolf Elgeti im Interview
„Wohnen ist in Deutschland zu billig“

Die Preise für Wohnungen schießen in die Höhe. Auch die Mieten werden deutlich steigen, meint Rolf Elgeti, Chef des Immobilienkonzerns TAG. Wo es noch Chancen gibt - und von welchen Immobilien er lieber die Finger lässt.
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Herr Elgeti, sehen Sie eine Blase am deutschen Immobilienmarkt?
Alle reden darüber. Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn wir über den deutschen Immobilienmarkt sprechen, sehe ich nicht einmal annähernd eine Blase. Nur in einzelnen Städten gibt es eine Überhitzung.

Wo denn?

In Berlin zum Beispiel. Viele ausländische Investoren drängen in den Markt. Sie setzen Berlin mit Deutschland gleich, was natürlich schlichtweg falsch ist. Aber wenn man in London oder Paris sitzt, dann weiß man das eben nicht besser. Der Berliner Markt ist in manchen Bereichen völlig verzerrt.

Ärgert Sie das?

Im Gegenteil. Das ist eine fantastische Gelegenheit, um hin und wieder einzelne Mehrfamilienhäuser zu hohen Preisen zu verkaufen. Uns werden aktuell Preise geboten, die weit über dem Buchwert liegen. Es wäre sträflich, das nicht mitzunehmen.

Wer investiert in deutsche Immobilien?

Wohl situierte Privatleute, Vermögensverwalter von reichen Unternehmerfamilien. Zunehmend investieren Versicherungen und Pensionskassen. Es würde mich nicht wundern, wenn bald auch Staatsfonds größere Transaktionen tätigen.

Aus welchen Ländern kommt das meiste Geld?

Skandinavien, Österreich, Israel, USA, ein wenig aus der Schweiz.

Und Asien?

Das sehen wir bislang sehr wenig.

Viele Privatleute sind bereit, extrem hohe Preise für Immobilien in guter Lage zu zahlen. Ein Fehler?

Es gibt wohlhabende Zahnärzte, die für einzelne Objekte viel höhere Preise zahlen, als wir bereit wären zu zahlen. So etwas sorgt natürlich für Preissteigerungen. Wobei wir eigentlich kaum mit Privatanlegern konkurrieren. Wir schauen uns in ganz anderen Segmenten um. Die Preise, die wir bei den letzten großen Transaktionen bezahlt haben, waren sehr günstig.

Und die Privaten – kaufen die zu teuer?

Nicht unbedingt, die Leute sind ja nicht dumm. Selbst wenn Sie einen sehr hohen Kaufpreis zahlen, kann sich das angesichts der aktuell niedrigen Zinsen rechnen. Entscheidend ist doch, wie hoch die Zinskosten verglichen mit den möglichen Mieteinnahmen sind.

Geben Sie uns ein Beispiel.

Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus kaufen, um es anschließend zu vermieten. Heute bekommen Sie als privater Investor mit guter Bonität einen Immobilienkredit für unter drei Prozent, auch langfristig. Selbst wenn Sie nun für ein Objekt das Zwanzigfache einer Jahresmiete zahlen müssten, dann würde sich das noch lohnen. Die Anfangsrendite läge bei fünf Prozent. Damit hätten Sie immer noch einen positiven Cashflow - kein schlechtes Geschäft.

Wenn das so ist, warum machen Sie das nicht auch? Klingt doch nach einer sicheren Sache.

Wenn man in den guten Lagen von Berlin und Hamburg kauft, dann macht man nichts falsch. Aber die Frage ist, ob man dort so große Steigerungen erwarten darf. An anderen Standorten gibt es einfach noch mehr für das Geld, ein besseres Verhältnis von Chance und Risiko - darauf kommt es beim Investieren an.

Von welchen Immobilien würden Sie die Finger lassen?

Alles was gut aussieht, was jeder haben will, ist für mich uninteressant. Ein Haus mit weißer Stuckfassade sieht schön aus, entsprechend hoch sind die Preise. Damit können Sie als Investor nicht viel gewinnen. Es gibt Objekte, die gut auf dem Foto aussehen, und es gibt die, die gut in der Gewinn-und-Verlustrechnung aussehen. Ich konzentriere mich auf die zweite Kategorie.

Kommentare zu "„Wohnen ist in Deutschland zu billig“"

Alle Kommentare
  • Natürlich ist Wohnen zu billig.

    Wer als Normalbürger in den letzten Jahren in den Verdichtunsräumen versucht hat ein Eigenheim zu erwerben, wird festgestellt haben, dass er sich entweder ruinös verschulden muss oder kein Eigenheim bekommt. Das kommt daher, dass er mit dem Geldadel konkurriert, der sein unvorstellbares Vermögen über Immobilien vor dem Währungsverfall schützen will. Der Geldadel erwartet natürlich ein standesgemäßes Auskommen gemäß dem Grundprinzip des feudalen Lebenswandels aus leistungslosem Einkommen. Und dafür muss halt die Mehrheit bluten.

    Das Spiel ist das gleiche wie bei den Rohstoffen von Lebensmitteln bis Öl und den Zinskosten, die mit allen hergestellten Produkten den feudalen Lebensstil dieser parasitären "Elite" ermöglichen. Ein Schloß hier, ein bischen Champagner dort, ein Wohchende in Kitzbühl, die Privatschule für die Kinder etc. .. Das muss ja schließlich jemand verdienen / erarbeiten. Und das wir diese bornierte Parsiten-Elite garantiert nicht selbst leisten. im Gegenteil: sie verabscheuen diese Proletarier, die ihren Lebensunterhalt noch durch Arbeit und Leistung erwerben müssen. Denn Leistung ist kein Begriff dem Sie irgendeine Bedeutung zumessen.

  • Zitat: "Wohnen ist zu günstig".

    GENAU!!! Deshalb baue ich ein Wohnmobil, restauriere eine Yacht und kaufe lieber ein portables Haus, weil es ist abzusehen, dass noch mehr Ä...he so denken wie dieser Snob.

    Die Mieten haben sich ja erst nur verdoppelt in gerade mal 10 Jahren, gegenüber gestellt eine Gehaltsteigerung von 20% im gleichen Zeitraum.

  • Unglaublich aber wahr, was dieses Individuum hier ablässt.
    Erstaunlich, wenn nicht gar beängstigend aber ist die Tatsache, mit welcher Selbstverständlichkeit und Kaltschnäuzigkeit sich solche Typen hier darstellen.

  • Ach das sind alles AngstKampagnen wir sollen überteuertes Betongold kaufen und gestern sollten wir gleich als erstes in Facebook Aktien investieren. Unser Wohnhaus in Berlin wurde schon Xmal von einem skandinavischen Fond an den nächsten Fond verkauft ohne jegliche Investitionen. Wer sich mal käuflichen Wohnraum momentan anschaut hat die Wahl zwischen Schimmel / Altbau mit hohen Investitionsbedarf oder gleich Teuer.

    Schluss mit lammelherde emanzipiert euch /uns /wir!

  • Miete und Nebenkosten sind der größte Brocken für den Privathaushalt.
    Bei nicht wenigen fressen Sie 50% des Nettolohns auf.
    Das ist statistisch belegt und einsame Weltspitze (bei Flächenstaaten)
    und nun kommt so ein Neunmalkluger und will uns genau das Gegenteil erzählen ...

  • Das ist wohl einer, von dem man sagen könnte er wusste nicht, dass das nicht geht (oder einfach unanständig ist) und machte es einfach. Dieser Sorte Menschen sind tektonische Verschiebungen egal, so lange sie daran verdienen. Verantwortungsbewusstes, nachhaltiges Handeln, gerade mit Grundelementen des täglichen Lebens sieht für mich anders aus.

  • VOLKSVERHETZUNG ist das! Ist doch klar daß die Gerichte nur dann arbeiten können wenn sie neben den Einnahmen aus Steuergeldern noch ZUSATZHONORARE nehmen ...

    http://central.banktunnel.eu/honorar/20010219-vorschuss-amtsgericht-alles-anon.jpg
    http://central.banktunnel.eu/honorar/20010403-vorschuss-caper-alles-anon.jpg

  • Rentner wohnen ja auch noch dank Gesetzen welche Mietpreiserhöhungen erinschränken zu Preisen von vor dem großen Vaterländischen Krieg der kurz danach ...

    http://central.banktunnel.eu/20120921-0700-ecbint.jpg

    ... da müßen südosteuropäische Zuwnaderer zu siebt in einem Ein-Zimmer-Kellerappartement zusammen schon mal das doppelte hinblättern.

    Nun, wenigstens vor den Erngie/Heizkosten sind alle Menschen gleich. Es muß sich für Beamte mit dem Luxus garantierter EInkünfte wieder Lohnen Eigentum zu erwerben. Denn dank dieser Einkunfstgaranatie welche aus den Taschen des Restes der "Arbeiterschaft" fianziert wird leiht denen jede Bank gerne, da Ausfallriesiko von Kreditraten gelich null, Geld.

    Und die Löhne der Pädagogen von gestern haben wir heute als Staatsschulden.

  • Herr Newton,
    ich beneide sie nicht und das meine ich ganz ohne Häme.
    Geld mit Mietwohnungen in "Nicht-Top Regionen" zu verdienen ist ein hartes Brot, wenn einem der Zustand der Immobilien nicht völlig an der Schulter vorbeigeht und man einfach rücksichtslos rausholt was noch irgendwie geht.
    Ich wünsche ihnen vernünftige Mieter (was in Zukunft nicht einfacher werden wird) und wenig Ärger mit Gerichten und dem Mieterschutzbund.

    Ein überzeugter Mieter.

  • ist das wirtschaftliche Ergebnis der BRD zu diesem Zeitpunkt etwa besser? Hopla. Da kennt einer aber nur die einseitige Berichterstattung......

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