Frankfurter Ostend
Wo es um die Wurst geht

Früher war das Frankfurter Ostend eine der Gegenden, in denen man sich nur ungern aufhielt. Heute ist es die angesagteste Ausgehmeile der Stadt. Das ist nicht zuletzt dem König des Ostends und einer Rindswurst zu verdanken.
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FrankfurtAm Anfang haben sie ihn belächelt. Das Ostend, das war nicht mehr als eine Ansammlung von Markthallen, das war der Hafen, der Ostbahnhof, mittendurch die vielbefahrene Hanauer Landstraße. Eine ziemlich hässliche Gegend. Ardi Goldman hat das nicht gestört. Im Gegenteil. Es war perfekt für seinen Plan. Die vielen Freiräume hätten geradezu nach Veränderung geschrien, sagt er.

Heute nennen ihn die Frankfurter den „König des Ostends“. Die meisten meinen das durchaus anerkennend. Goldman lässt es sich gefallen. Er ist stolz auf das, was er geschafft hat, und das sagt er auch: „Ich habe dieses Quartier zu dem gemacht, was es heute ist.“

Goldman ist einer der einflussreichsten Bauherren in Frankfurt, mit Sicherheit ist er der ungewöhnlichste. Er trägt gerne bunte Anzüge, dazu meist Stiefel. Seine Brille hat einen dicken schwarzen Rand. Das lange, angegraute Haupthaar lässt er wirr herunterhängen. Der Dreitagebart lässt ihn noch verwegener aussehen.

Aber auf Äußerlichkeiten kommt es gar nicht an, es geht darum, was der Investor aus dem Ostend gemacht hat. Goldman ließ eine ausgediente Brauerei zu einem Zentrum für Kultur und Kommerz umbauen. Das war Mitte der neunziger Jahre. Er holte Kneipen und Clubs wie das King Kamehameha auf die Hanauer Landstraße, baute ein Designhotel. Aus alten Fabrikhallen wurden Ateliers, in denen Kreative arbeiten, wohnen und feiern. Den industriellen Charme hat die Gegend bewahrt – besonders schön ist sie immer noch nicht, aber verdammt angesagt. Die „Hanauer“ ist jetzt die beliebteste Ausgehmeile der Stadt.

Die Stadtverwaltung ist nicht mit allem einverstanden, was sich der extravagante Investor in den Kopf setzt, aber man weiß ihn zu schätzen. „Das Ostend hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten wohl so stark verändert wie kein anderer Frankfurter Stadtteil“, sagt Baudezernent Edwin Schwarz.

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