Rheinauhafen und Co
Kölsches Quartier in der Südstadt

Die Kölner Südstadt hat von allem etwas zu bieten, ob exklusives Wohnen am Rheinauhafen oder echt kölsche Atmosphäre im Severinsviertel. Eins haben diese Orte aber gemeinsam: Am Wohnungsmarkt sind sie beliebt.
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KölnWer auf dem Stadtplan die Südstadt sucht, sucht vergeblich. Dort finden sich bloß die offiziellen Bezeichnungen für das südliche Tortenstück der Kölner Innenstadt: Altstadt- und Neustadt-Süd. So aber nennt wirklich niemand das Gebiet auf der linken Rheinseite zwischen Deutzer Brücke, Südbrücke und innerem Grüngürtel. Selbst "Imis" - wie der Kölner Zugezogene nennt, die rheinisches Brauchtum nicht schon mit der Muttermilch aufgesogen haben und es deshalb zeitlebens nur imitieren können - selbst "Imis" also sprechen nur von der "Südstadt", wenn sie das Viertel rund um den Chlodwigplatz meinen.

Wirklich ins Schwarze treffen sie auch damit nicht, klärt Jörg Aue von der Interessengemeinschaft Severinsviertel (IGS) auf, dem Zusammenschluss der Geschäftsleute im Quartier. "Die Südstadt beginnt ja eigentlich erst jenseits der mittelalterlichen Stadtmauer", sagt er. Innerhalb der Mauern liege das Severinsviertel, das "Vringsveedel". "Nirgendwo in Köln treffe ich so viele Kölsch sprechende Menschen wie hier", erzählt Aue, dessen offizieller Titel "Veedel Manager" deshalb nicht ganz zufällig gewählt sein dürfte. Seit zwei Jahren kümmert er sich als Vollzeitmitarbeiter um das Marketing für die Severinstraße - denn die einst funktionierende Einkaufslage ist durch den Bau der Kölner Nord-Süd-U-Bahn und den Einsturz des an ihrem nördlichen Ende gelegenen Stadtarchivs vor drei Jahren schwer gebeutelt.

"Auf die Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen hat sich das aber kaum ausgewirkt", sagt Patrick Witter vom Kölner Projektentwicklungsbüro IS Institut für Stadtentwicklung. Ob im Severinsviertel, dem einstigen Arbeiter- und Handwerkerquartier, oder in der eher bürgerlichen Südstadt um Mainzer und Merowingerstraße, Volksgarten- oder Vondelstraße: Der Wohnungsmarkt läuft wie geschmiert. Dabei profitiert er ganz offensichtlich auch vom spektakulärsten Kölner Neubauvorhaben der vergangenen Jahre, dem Rheinauhafen.

Was hier gleich südlich der Severinsbrücke entstanden ist, lockt eine neue Klientel in die Südstadt - die Luxuskäufer. Für einen Quadratmeter Eigentumswohnung hoch oben im "Wohn-Kranhaus" mit Blick auf Strom und Dom zahlten sie bis zu 6000 Euro - ein Spitzenwert. Entworfen vom Hamburger Architekten Hadi Teherani erinnert die Form der drei baugleichen Hochhäuser, ein Wohn- und zwei Bürogebäude, an mächtige Lastenkräne und damit an die Vergangenheit des Geländes. Hier habe FC-Stürmer Lukas Podolski eine Wohnung gekauft, berichtet die Lokalpresse - wohl zur Kapitalanlage.

"Der Rheinauhafen ist aber nichts für jeden Geschmack", urteilt der auf Luxuslagen und -objekte spezialisierte Kölner Immobilienmakler Stephan Hollenders. "Viele meiner Kunden suchen eher eine Wohnung in kleineren Objekten in absolut zentraler, aber ruhiger Lage in einem gewachsenen Umfeld." Solche Angebote würden ihm förmlich aus der Hand gerissen, sagt er. Zum Beispiel in der Titusstraße, gleich am Römerpark und wenige Hundert Meter vom Rhein entfernt. Hier vermarktet Hollenders zurzeit 24 Neubau-Eigentumswohnungen, 70 Prozent sind bereits verkauft, lange bevor sie fertig sind.

Trotz Quadratmeterpreisen von 3600 Euro für Erdgeschoss- und 5300 Euro für die Penthouse-Wohnungen seien vor allem große Wohnungen gefragt. Deshalb sind nun aus ursprünglich 24 Einheiten 18 geworden, berichtet Hollenders. "Nur eine Wohnung hat knapp 70 Quadratmeter, alle anderen sind mehr als 150 Quadratmeter groß." Gekauft, sagt er, haben übrigens viele, die es aus ihren Villen in Marienburg oder Braunsfeld wieder hinein ins urbane Leben zieht.


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