Stuttgart West
Das beste Wohnviertel am Neckarist bunt gemischt

In den 80er-Jahren galt Stuttgart West wegen seiner Enge als familienuntauglich. Doch das Bild hat sich gedreht. Junge Familien drängen zurück in die Stadt und treiben die Mieten in West nach oben.

Stuttgart„Was ich toll finde, es ist bunt gemischt“, sagt der türkischstämmige Bäcker Serkan Sinoglu über den Stuttgarter Westen. Sinoglu backt in seiner Bäckerei deutsches Brot für die Menschen im Viertel. Bunt gemischt ist auch die Speisekarte im Studententreff „Wirtshaus Troll“. Hier gibt es den „Trollburger“, belegte Baguettes, „Mexikanische Pfanne“ und selbstverständlich schwäbische Maultaschen. Andreas Jungwirth ist häufiger Gast im Troll und lobt den Westen als „das beste Wohnviertel in Stuttgart“. Man habe alle Einkaufsmöglichkeiten und sei schnell in der Innenstadt. Nur schade, dass er selbst hier keine Wohnung findet. „Zu teuer“, sagt er.

Stuttgart-West ist gefragt. Das war einmal anders, erinnert sich Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle von den Grünen, der als Kind noch in den Ruinen spielte, die der Krieg im Stadtviertel hinterlassen hatte. Zwei Drittel der Gebäude waren zerstört. „In den 1980er-Jahren hieß es: Stuttgart-West passt nicht zu Familien. Es gibt keinen Platz für Kinder und zu viel Verkehr", erinnert sich Möhrle. Wer konnte, zog nach draußen.

Mehr Platz gibt es auch jetzt nicht. Stuttgart-West ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil Deutschlands. Trotzdem geht es nun andersherum. „Ich will nicht in einer Einfamilienhaussiedlung am Stadtrand versauern“, beschreibt Möhrle das Lebensgefühl junger Frauen, die es mit ihren Familien wieder in urbane Quartiere zieht. Deshalb wächst die Nachfrage nach familientauglichen Wohnungen.

Grundsätzlich sind die Voraussetzungen nicht schlecht. Viele Gründerzeithäuser sind nach dem Krieg wieder aufgebaut worden. Diese Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Mehrfamilienhäuser mit ihren Vier- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen und hohen Decken sind bei Familien gefragt. Doch beim Besichtigungstermin konkurrieren sie nicht selten gegen die Studenten-WG: Einer Wohngemeinschaft fällt es leichter, die hohe Miete zu zahlen, als einer Familie mit einem Verdiener. Die liegt im Schnitt bei 11,46 Euro pro Quadratmeter und Monat, hat der Internetmarktplatz Immobilienscout 24 ermittelt. Kein Pappenstiel.

Bezirksvorsteher Möhrle hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Mietanstieg im Viertel zu dämpfen. Dabei hat er Verbündete. Einer ist Gerhard Ebertshäuser von der Initiative „Olgäle“. Damit ist das im Volksmund verniedlichend "Olgäle" getaufte Olgahospital gemeint. Und das wird im übernächsten Jahr abgerissen. 16000 Quadratmeter warten dann darauf, bebaut zu werden. Wenn es nach Ebertshäuser und Möhrle geht, soll auf dem Gelände bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Ebertshäuser, ein EDV-Spezialist, und seine Mitstreiter würden einen Teil des Grundstücks gern Bauherrengemeinschaften zur Verfügung stellen, in denen sich mehrere Familien zusammenschließen, um gemeinsam ein Haus zu bauen. Bauträger bleiben außen vor. Das spart Geld. Für die Mietwohnungen soll eine Genossenschaft als Bauherr gewonnen werden. Ein weiterer bunter Tupfer im Westen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%