Trendviertel 2011 – Dresden
Die Wessis kommen, die Ossis bleiben

Dresden boomt. Die Massenbewegung in den Westen hat sich umgedreht. 2010 stieg die Einwohnerzahl um fast zehn Prozent. Hochwertiger Wohnraum wird knapp, das treibt die Preise in guten Lagen.
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DresdenVor wenigen Tagen erst wandte sich Peter Bartels, Vorsitzender des Mietervereins Dresden und Umgebung, in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Die Stadt, appellierte Bartels, solle einen sofortigen Stopp des Wohnungsabrisses beschließen. Denn aus seiner Beratungstätigkeit wisse er, dass es nur noch wenige leerstehende Wohnungen gebe. Statt zu viele Wohnungen habe die Stadt bald womöglich viel zu wenige, befürchtet der Mietervertreter.

Aus Sicht von Münchenern oder Hamburgern mag diese Befürchtung übertrieben sein. Nach Berechnungen des Forschungsinstituts Empirica stehen in Dresden immerhin rund fünf Prozent, nach Angaben der Stadtverwaltung sogar fast zehn Prozent der Wohnungen leer. Und doch sind die Sorgen des Mietervereins nicht ganz unbegründet. "In guten Lagen werden die Wohnungen langsam knapp", stellt Makler André Runge fest. Das betreffe neben der Inneren Altstadt beispielsweise auch die Stadtteile Weißer Hirsch, Loschwitz, Blasewitz und Striesen. "Dort läuft es auf einen Vermietermarkt zu", sagt er.

Hintergrund dieser Entwicklung ist der Aufschwung Dresdens. Die Hauptstadt des Freistaats Sachsen verzeichnet als eine von ganz wenigen ostdeutschen Kommunen eine wachsende Bevölkerung. Die Zahl der Einwohner stieg im vergangenen Jahrzehnt um neun Prozent von 478 000 auf rund 520 000, die Zahl der Haushalte sogar um gut 15 Prozent von 243 000 auf 281 000. Wesentlich dazu beigetragen habe die Ansiedlung von Großunternehmen wie dem Halbleiterunternehmen Infineon, sagt Michael Oertel vom Maklerunternehmen Richert & Oertel. Dies habe zum Zuzug von Menschen und damit zu einer wachsenden Nachfrage besonders nach hochwertigen Wohnungen geführt.

Mittlerweile ziehen nach Angaben der Stadt sogar mehr Menschen aus dem alten Bundesgebiet nach Dresden als umgekehrt. Mehr noch: Dresden schaffte im vergangenen Jahr einen kräftigen Geburtenüberschuss von etwa tausend Menschen - "die höchste Zahl seit 1940", wie die Statistiker triumphierend mitteilen.

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