•  
  • Digitalpass
  • Finanzen
  • Unternehmen

    STELLENMARKT

    Mit dem Jobturbo durch-
    suchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen in 36 deutschen Stellenbörsen.
  • Politik

  • Technik
  • Auto
  • Sport
  • Panorama
  • Social Media
    Einstellungen
    Dauerhaft aktivieren und Datenübermittlung zustimmen oder deaktivieren:
    Folgen Sie Handelsblatt:
  • Video
  • Service

„Der Sterbeprozess lässt sich nicht aufhalten“

Stadtentwickler im Interview
„Der Sterbeprozess lässt sich nicht aufhalten“

Nicht überall grassiert der Immobilienboom. In vielen Regionen herrscht Tristesse. Stadtentwickler Frank Burlein will klare Kante: Unattraktive Orte sollen aufgegeben werden. Menschen müssen wegziehen.
  • 41

Herr Burlein, Deutschland erlebt einen unglaublichen Immobilienboom. Preise und Mieten steigen in Rekordtempo. Versicherer, reiche Unternehmerclans, Fonds und Privatleute steigen in den Markt ein. Alles, was vier Wände hat, ist heißbegehrt…
… das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der Immobilienmarkt boomt nur in den Wachstumspolen in Deutschland. Auf der anderen Seite gibt es Regionen mit massiver Abwanderung und Leerständen.

Wo finden Immobilienbesitzer aktuell keine Käufer?
Jede achte deutsche Kommune muss eine Abwanderung der Einwohner beklagen, besonders in Regionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt, Ost-Thüringen oder in Brandenburg an der Grenze zu Polen.

Gibt es solche Abwanderungsgebiete auch in den alten Bundesländern?
Aber ja. Nehmen wir nur mal den Westerwald, die Eifel oder die Oberpfalz. Aber auch Regionen in Hessen und im Saarland sind betroffen. Rund 1500 Orte in Deutschland schrumpfen, ein großer Anteil davon hat eine schlechte Zukunftsprognose.

Was vertreibt die Menschen aus diesen Regionen?
Es gibt nicht nur das demographische Problem. Abwanderung gibt es überall, wo die Wirtschaft kriselt oder es keine Arbeitsplätze gibt. Oft gibt es einen Teufelskreis: Ein Unternehmen schließt, die jungen, mobilen Einwohner ziehen weg, dann sinkt die Kaufkraft, Geschäfte schließen, der Ort wird nicht mehr attraktiv und weitere Einwohner ziehen weg. Im Ergebnis gibt es Leerstände von 30 bis 40 Prozent, eine überalterte Einwohnerschaft, die auf Transfers angewiesen ist, und eine sehr schwache Infrastruktur.

Wie kann man solche Regionen wieder attraktiv machen?
In der Praxis ist das vielfach gar nicht möglich. Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass es in Deutschland bald Wüstungen geben wird. Das betrifft vor allem Orte mit weniger als tausend Einwohnern und Viertel und Quartiere in Städten. Im Ausland gibt es schon längst Geisterstädte, etwa in der Region um Warschau. Dort stehen aber Ruinenfelder, wir sollten den Übergang geplant vollziehen.

Kommentare zu "„Der Sterbeprozess lässt sich nicht aufhalten“"

Alle Kommentare
  • Absolut wahr - auch in Süddeutschland gibt es große Städte wo von einem Immobilienboom nichts aber auch gar nichts zu sehen ist. Was kümmert mich denn ob irgendwo in der Hamburger oder Münchner Innenstadt die Preise steigen, für 99% der Wohnfläche in Deutschland existiert kein Boom. Wer glaubt, in den 1% Innenstadtlagen leben zu müssen ist selber schuld.

  • Für Stuttgart, Mannheim, Freiburg Karlsruhe stimt das aber nicht auch da legen de Preise deutlich zu - ansonsten gibt es doch kaum mehr große Städte?

  • Tja, wie war es denn früher auf dem Dorf? Sind wir doch mal ehrlich... da war die Frau vom Tante emma Laden, der örtliche Metzger, der Elektrohändler mit überschaubarem Angebot, der Friseur usw usw...das waren alles gemachte LEute und sie konnten gut vom Geld leben, sich etwas leisten und die Leute drumherum kauften aus Vertrauen gern dort ein.

    Heute? Dank volksfeindlicher Politik, rennen genau diese besagten Leute irgendwo in die Stadt um bei einem depperten MEdiamarkt im Lager oder an der Kasse oder im Verkauf seltendämlich in Massen für einen Hungerlohn ackern zu können, da Steuern und Abgaben, finanzielle Belastungen die Leute im Dorf und ihren Läden auffressen...all diese damals gemacht Leute prügeln sich heute mit den idiotischsten sinnlosesten Jobs in Städten herum, weil sie es MÜSSEN.

    wieso gibt es dieses Problem denn in Schweden oder in der Schweiz nicht? Mal drüber nachdenken...

    In D weiss doch 70% der Bevölkerung nicht mal mehr wirklich weshalb sie arbeiten gehen....für eine gute Entlohnung um sich weiterzubilden, etwas mit der Entlohnung gutes anzufangen, GANZ SCIHER NICHT!! Die Leute gehen nur noch arbeiten weil sie überleben müssen und denken höchstens noch daran OB sie überhaupt in den paar Tagen im Jahr in den Urlaub gehen können oder obs für das Lanschulheim des Kindes noch reicht.

    Sprecht doch mal mit Leuten aus z.B. Leipzig und Region, weshalb sie aus den Dörfern und stadtteilen abhauen...nicht weil sie kein Bock mehr dort haben sondern weil dort nichts mehr ist...keine kleinen Geschäfte mehr, weil diesen Leuten die Kosten über den Kopf wachsen und dank unseres Staates der kleine Mann auch kein Risiko mehr eingehen will weil er im Falle eines scheiterns, für ewig zahlen darf.

    Das zum Thema "Abwanderung" in verpesstete Hochbauten wo dann womöglich die BEreicherung mit Migrationshintergrund noch zuschlägt..

  • Nette Idylle, wie toll es angeblich auf dem Dorf war. Wir sind vor zwei Jahren von Köln in eine niedersächsische Kleinstadt gezogen. Die Apothekerpreise, die Qualität, die Dienstleistung hier sind so dermaßen schlecht, dass wir alle 6-8 Wochen die 300 km nach Köln fahren, um an halbs vernünftige Angebote zu kommen. Das Verrückteste daran: Wir machen dabei neben dem hervorragenden kulturellen Impetus auch finanziell dicke schwarze Zahlen. Soweit zum "schönen Landleben".

  • Grundsätzlich begrüsse ich die Aussage von Herrn Burlein. Aus der Not eine Tugend zu machen und Ortschaften aufzugeben wo eine weitere Subventionierung unsinnig ist, schafft auch Möglichkeiten. In größeren Städten etwa könnten durch die Aufgabe von unbeliebten Quartieren neue Qualitäten für die Gesamtstadt entstehen, etwa zentrumsnahe Naherholungsgebiete. Die Aufgabe ganzer Ortschaften könnte die in den 60ern und 70ern Zersiedelung der Landschaften ein Stück weit zurückführen.

    Die dabei angedachten Zwangsmaßnahmen allerdings sind falsch und wieder einmal typisch deutsch. Zu einem Zeitpunkt "x" wird der verbleibenden Bevölkerung mitgeteilt: "Bis hierher und nicht weiter, es gibt keine subventionierte Ver- und Entsorgung mehr. Ihr könnt entweder einer Umsiedelung zustimmen und dafür staatliche Unterstützung bekommen, oder, wer das nicht will, muss zukünftig selbst dafür sorgen am alten Ort versorgt zu sein."
    Letztere Option vermeidet Zwang, wird aber via der exorbitanten Kosten wohl dafür sorgen, dass die restlichen Ansässigen freiwillig gehen. Sowieso gegebene Vorkaufsrechte der öffentlichen Hand und Sterbefälle werden dann in relativ kurzer Zeit den Rest besorgen.

  • Ich wäre dafür mit der Wüstung von Berlin anzufangen. Der Ort ist unter aller Sau, Projekte funktionieren nicht und es wäre an der Zeit weiter zu dezentralisieren, um eine 200km Zone um die Stadt mit Leben zu erfüllen, vor allem nördlich davon.

    Mit interessierten wäre ich bereit ein speziell auf Wüstungen gemünztes Abrissunternehmen aufzuziehen! Es ist auch abzusehen, dass in 20 Jahren massig Straßen abzureissen sind, weil dann der meiste Individualverkehr durch die Luft geht oder zu Pferde.

    Für Transporte werden dann wahrscheinlich nur noch die Hauptautobahnen für die LKWs benötigt, von Stadtumschlagepunkt zu Stadtumschlagepunkt, wenn die Bahn beim Güterverkehr weiter so schlecht gemanaged wird wie bisher. Ein/e Grube kann (man) halt nur nach unten entwickeln...

  • Wesentlicher als "der Sterbeprozeß" kann doch nur der Lebensprozeß wirken.
    Wer das nicht weiß, dem ist auch mit Trillionen nicht zu helfen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @marco99. Guter Kommentar, man sieht doch folgendes Bild:

    1. Stark steigende Preise in ausgewählten Ballungsräumen (München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf ua.) und Universitätsstädten (Münster, Freiburg ua.). Während in München zB auch das direkte Umland profitiert, beschränkt sich die Preis-Explosion andernorts nur auf die Kern-Stadt.

    2. Allenfalls stagnierende Preise in vielen Mittelstädten und im Ruhrgebiet und

    3. Starker Preisverfall auf dem Lande (auch in Nord-Bayern), in vielen kleineren Städten und generell in vielen Gebieten der neuen Bundesländer,

    4. In manchen – wirtschaftsschwachen - Städten entwickeln sich die Preise – je nach Lage – deutlich auseinander (Beispiel: Bochum, Duisburg, aber auch Schwerin).

    5. Sonderthemen wie Sylt, Tegernsee einerseits, aber auch massiver Preisverfall im Bereich von Einflugschneisen von Flughäfen, unverkäufliche Objekte an Bahnstrecken, unter Strom-Masten, Leerstände in Dessau etc….

    Leider ist es so, dass in Städten wie Berlin, München etc. nur 10 – 20 % der Wohnungen im Eigentum des Nutzers stehen, der Rest sind klassische Mietwohnungen. Auf dem Lande ist es aber genau umgekehrt.


    In Summe profitieren also vielleicht 20 % der Immobilien-Eigentümer (das sind ohnehin oft die, die viele Einheiten in Großstädten besitzen), an 50 % der Eigentümer geht der Boom – völlig - vorbei und 30 % der "Häusle-Bauer" stehen vor einem Desaster (Eigentümer von Einheiten auf dem Land). Das Haus, für das ein Leben lang gespart wurde, ist unverkäuflich.

  • Vielen für Dank für die ehrliche, mutige Analyse.
    Junge Menschen sind dazu offensichtlich eher in der Lage als die alten Böcke.
    Wenn wie beschrieben, die Abwasser- und Wasserpreise sich verzehnfachen, nur ein Beispiel des Artikels, wird sich die Lebens-Situation für viele ohnehin nicht mehr halten lassen.
    Ausserdem haben wir den grossen Vorteil gegenüber den Leuten aus der Pestzeit, wir können die richtigen Schlüsse ziehen.

Serviceangebote