Trendviertel 2012
Heidelberg wird preiswerter

Bislang sind gute Objekte in Heidelberg rar. Entsprechend horrend sind die Preise. Doch der Markt könnte sich bald entspannen. Nach dem Abzug der US-Streitkräfte gibt es für Immobilienkäufer gute Chancen..
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HeidelbergKnapp drei Jahre noch, dann ist es so weit: Ende 2015 werden auch die letzten von insgesamt 8000 amerikanischen GIs mit ihren Familien Heidelberg verlassen haben. 70 Jahre lang unterhielten die US-Landstreitkräfte hier ihr deutsches Hauptquartier, nun ziehen sie um ins hessische Wiesbaden.

Was für andere deutsche Städte dieser Größe einer mittleren Katastrophe gleichkäme, könnte sich für die gerade einmal gut 130.000 Einwohner zählende kurpfälzische Kommune als echter Glücksfall erweisen. Denn mit dem Abzug der Truppen wird auf einen Schlag eine Fläche von 180 Hektar frei – doppelt so viel, wie die Heidelberger Altstadt misst. Platz, den die Heidelberger gut gebrauchen können, denn die Topografie lässt der Stadt nur wenig Raum zum Wachsen.

Das Militärgelände der Campbell Barracks, das benachbarte Mark Twain Village mit seinen Mietshäusern für die US-Soldaten und deren Familien in der Südstadt, die Patton Barracks in Kirchheim oder das Army-Hospital in Rohrbach könnten sich in den kommenden Jahren in neue Wohnquartiere verwandeln. Insgesamt, schätzt Hans-Jörg Kraus, Geschäftsführer des Heidelberger Makler- und Bauträgerunternehmens Kraus Immobilien, wäre auf den Flächen Platz für bis zu 5000 Menschen.

Vor drei Jahren, gibt der Experte zu, sei er noch skeptisch gewesen, ob der Wohnungsmarkt der Stadt so viel zusätzliches Angebot ohne negative Auswirkungen auf das Preisniveau würde aufnehmen können. Heute sieht er keine Probleme, „im Gegenteil“, sagt Kraus. „Dadurch würde endlich etwas Druck aus dem Wohnungsmarkt herausgenommen.“ Das sieht Michael Fehr, Geschäftsführer des Heidelberger Unternehmens Immobilien Winter, genauso. Auch er setzt große Hoffnungen in die Umwandlung der militärischen Flächen: „Es besteht dadurch die Chance, mehr Miet- und Eigentumswohnungen im unteren und mittleren Preissegment zu schaffen.“

Und die werden gebraucht in Deutschlands Hauptstadt der Romantik: Wohnungen und Häuser sind so begehrt, dass Mieter und Käufer tief in die Tasche greifen müssen. Mit einer durchschnittlichen Monatsmiete von gut elf Euro pro Quadratmeter belegt Heidelberg Rang vier unter 114 deutschen Städten. Nur München, Frankfurt und Hamburg sind teurer, hat das Marktforschungsinstitut Empirica ermittelt. Und auch bei den Preisen für Eigentumswohnungen rangiert die Stadt mit einem Durchschnittswert von knapp unter 2700 Euro pro Quadratmeter immerhin auf Platz 15.

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  • Schwieriger wird es für die Vermieter von Häusern in der Umgebung. Oft hochpreisig sind großzügige Häuser an die US-Streitkräfte und deren Zivilbedienstete vermietet. Der Mietpreis war nie so entscheidend.

    Da die Amis die Miete, sowie Renovierung bei Einzug und Auszug, im Rahmen der Stationierungskosten lt. § 120 GG über den Devisenausgleich letzendlich ohnehin vom Bund bezahlt bekommen, spielt der Preis nicht die Rolle. Diese Preise werden auf dem freien Markt von deutschen Mietern kaum zu erzielen sein.

    Alternativ konnten die Amerikaner seit etlichen Jahren auch Häuser kaufen mit einer Cashunterstützung bis zu 500.000 US-$,gleichgestellt zur Mietunterstützung.

    Von diesem Angebot machte jedoch nur ein kleiner Teil Gebrauch. Daher sollte dies keine Auswirkung auf den Gebrauchtimmobilenmarkt haben.

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