Trendviertel 2012
Viel Haus für wenig Geld

Der Immobilienmarkt in Deutschland brummt, die Metropolen im Westen sind für viele Käufer mittlerweile kaum bezahlbar. In Leipzig könnte der Zeitpunkt für Investoren gerade jetzt günstig sein. Welche Lagen lohnen.
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LeipzigWenn vor zehn Jahren ein Beispiel für das Elend des ostdeutschen Wohnungsmarkts gesucht wurde, musste fast immer Leipzig herhalten. Mehr als jede fünfte Wohnung stand damals leer. Viele prachtvolle Gründerzeithäuser in der Innenstadt drohten zu verfallen. Und westdeutsche Kapitalanleger, die dank üppiger Steuergeschenke in den 1990er-Jahren eine Wohnung in der Messestadt erworben hatten, bekamen beim Blick auf den Mietertrag eine mittelschwere Depression.

Wer sich heute von Makler Andreas Köngeter durch das Leipziger Musikviertel führen lässt, lernt eine völlig veränderte Stadt kennen. Fast an jeder Ecke weist der Chef von Köngeter Immobilien auf Neubauprojekte mit wohlklingenden Namen wie "Solitaire Leipzig" oder "Lassalle-Parkvillen" hin. Von den Brachen, die im Musikviertel noch immer unübersehbar sind, solle man sich nicht irritieren lassen:

Die seien fast alle verkauft und würden bald bebaut. "Für Neubauwohnungen werden in der Spitze mittlerweile über 4000 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Vor wenigen Jahren war das unvorstellbar", sagt Köngeter.

Wird Leipzig jetzt also dem Ruf der Boomtown gerecht, den die Messestadt in den ersten Nachwendejahren genoss? Die Zahlen sprechen dagegen. Obwohl der Anteil der nicht vermieteten Wohnungen deutlich zurückgegangen ist, beträgt die Leerstandsquote nach Angaben der Stadtverwaltung noch immer 10,5 Prozent. Die stadtweite Durchschnittsmiete beziffert das Maklerhaus Aengevelt auf lediglich 5,10 Euro pro Quadratmeter.

Besonders ernüchternd ist das Bild, wenn man etwas weiter zurückblickt: Zwischen 1995 und 2010 sank die Durchschnittsmiete nach Angaben des Beratungsunternehmens Savills um fast 28 Prozent. Und trotz steigender Einwohnerzahl hat sie mit 531.000 lediglich wieder das Niveau des Jahres 1989 erreicht.

Neu ist, dass "sich der Markt ausdifferenziert", sagt Roman Heidrich, Bewerter beim Beratungsunternehmen Jones Lang Lasalle. "Die Schere öffnet sich immer weiter", bestätigt Makler Köngeter: "In Toplagen sind bei Bestandsobjekten sieben bis neun Euro, in Einzelfällen auch zehn Euro pro Quadratmeter erzielbar."

Für hochwertige Neubauten bezahlten Mieter mittlerweile sogar mehr als zehn Euro. Hingegen beträgt die Durchschnittsmiete der sanierten Wohnungen bei der kommunalen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) lediglich fünf Euro pro Quadratmeter.

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Günstiger Zeitpunkt für Investoren

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  • Ich wohne in Leipzig.
    Meine Meinung ist: Der Investor muss schon ein sehr langen Atem haben, wenn er in Leipziger Wohnungen investiert. Das große problem ist die Kaufkraft. Die Kraufkraft ist viel zu niedrig, um in den nächsten Jahren von übigen Gewinnen auszugehen.BMW und Co. bringen nicht viel wenn der große Teil Leiharbeiter sind und so die Kaufkraft gering gehalten wird. In den Norden von Leipzig würde ich schon garnicht Investieren, weil dort die Einflugschneisse für den Leipzig-Halle-Airport ist. Wenn es wirklich mal zum Boom kommen sollte, wird auch der Flughafen davon profitieren. Sprich es fliegen mehr Flugzeuge.

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