Regionalentwicklung
Wie aus Städten Marken werden

„Finanzzentrum Frankfurt“, „Hightech-Metropole München“, „Medienstadt Köln“, „Dienstleistungszentrum Düsseldorf“, „Hauptstadt Berlin“: Markenbildung heißt die Devise auch im Wettbewerb der Städte und Regionen um Unternehmen und Arbeitsplätze. Wer Standortsicherung und -entwicklung betreibt, der muss, so die Erkenntnis der Kommunalstrategen, sein Profil schärfen.

HB KÖLN. Bei Schwergewichten wie Frankfurt oder München liegt die Sache auf der Hand: Die Mainmetropole ist der deutsche Finanzplatz Nummer eins; den Ruf der bayerischen Landeshauptstadt als High-Tech-Standort sichern mehr als 20 000 technologieorientierte Unternehmen.

„Branchencluster“ nennen das die Experten und bezeichnen damit ein Phänomen, das so neu nicht ist. „Die Häufung von Unternehmen gleicher oder verwandter Branchen an einem Standort hat es immer schon gegeben“, sagt Peter Vieregge, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Regional- und Clustermanagement im westfälischen Balve. Ob metallverarbeitende Betriebe oder Stahlwerke, Textilunternehmen oder Uhrenmanufakturen: Wer Gleiches oder Ähnliches produziert, siedelt sich gern zusammen an.

Was auf den ersten Blick wie alter Wein in neuen Schläuchen wirkt, liegt bei Regionalforschern und Wirtschaftsförderern derzeit aber voll im Trend. Unter dem Motto „Stärken stärken“ gilt die Identifikation so genannter Kompetenzfelder als wichtigste Aufgabe zur Standortsicherung und -entwicklung. „Nur wer analysiert, welche Branchen regional oder lokal bedeutsam und welche von ihnen zukunftsfähig sind, kann auch eine Langfriststrategie in der Ansiedlungspolitik entwickeln“, wirbt Vieregge für das Modell des Clustermanagements, das in einer Vielzahl von Städten und Kommunen bereits angewendet wird.

Wie das aussieht, zeigt das Beispiel Wuppertal: Die Ausweisung und Entwicklung neuer Gewerbeflächen wird dort strategisch angegangen. „Wir haben zunächst jene Branchen identifiziert, in denen Wuppertal besondere Stärken aufweist“, sagt Rolf Volmerig, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wuppertal: Automobilzulieferer, Werkzeug- und Metallverarbeitung, Eventagenturen, Industrial Design und der Bereich Health-Care und Life-Sciences. Fol-gerichtig schneidet man neue Ge-werbegebiete auf die Bedürfnisse der Kernbranchen zu. Ein 40 Hektar großes, ehemaliges Kasernengelände etwa wird als „Engineering Park Wuppertal“ vermarktet und soll mit der Möglichkeit zum 24-Stunden-Betrieb vor allem Unternehmen der Automobilbranche anlocken. „Um internationale Investoren anzusprechen, brauchen wir klare Branchenprofile“, beschreibt der Wirtschaftsförderer die Vorteile der themenbezogenen Flächenvermarktung. Ziel sei es, Wuppertal als Automotive-Stadt zu positionieren: „Wir glauben an den Erfolg des Cluster-Marketings.“

Auch Kathrin Knuth, Landrätin im Kreis Mecklenburg-Strelitz, ist über-zeugt, dass nur eine strukturierte Wirtschaftsförderung langfristig er-folgreich sein kann. Ihr Landkreis mit 85 000 Einwohnern liegt zwar mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte, doch der Tourismus al-lein trägt nicht die Wirtschaft eines ganzen Landkreises, weiß die CDU-Politikerin. In einem moderierten Prozess unter Beteiligung regionaler Unternehmen wurden als Kompe-tenzfelder die Bereiche Umweltwirt-schaft, Landtechnik und Logistik sowie Industrieservice und Gebäude-technik identifiziert. „Darauf aufbauend können wir nun eine Vermarktungsstrategie für den Landkreis insgesamt, aber auch unseren 127 Hektar umfassenden Großgewerbestandort entwickeln“, sagt die Landrätin. Denn vor kostspieligen Erschließungsmaßnahmen wolle sie zunächst klären, „welche Fläche für welche Zielgruppe interessant sein kann“. Der Leitbildprozess habe da-bei geholfen: Ohne sich einseitig festzulegen, habe man Logistiker, Maschinenbauer und Nahrungsmittelindustrie als Ansiedlungskandidaten identifiziert. Dies ermögliche eine zielgenauere Vermarktung.

So sinnvoll die Identifikation von Kompetenzfeldern auch ist – es gibt auch skeptische Stimmen. „In verdichteten Regionen wie etwa dem Ruhrgebiet macht dies nur Sinn, wenn man überregional kooperiert“, sagt Jürgen Schnitzmeier, oberster Wirtschaftsförderer in Mülheim an der Ruhr. Beim Thema Logistik habe dies gut funktioniert. Auch auf dem Kompetenzfeld Gesundheit arbeiteten bereits verschiedene Ruhrgebietskommunen zusammen.

Wuppertal hat dies ebenfalls erkannt und kooperiert mit Solingen und Remscheid – unter der Regionalmarke „Kompetenz hoch drei“.

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