Reit-Euphorie kühlt ab
Warten auf die Steuerreform

Nach der Einführung der „Real Estate Investment Trusts“ (Reit) – Immobilientrusts nach US-Amerikanischem Vorbild – gingen Experten von einem wahren Goldrausch in diesem Bereich aus. Diese Erwartungen haben sich allerdings nicht erfüllt. Als entscheidender Faktor dafür gilt das Warten auf die Unternehmenssteuerreform.

FRANKFURT. Der erhoffte Boom bei der neuen, steuerbegünstigten Immobilienaktiengesellschaft „Real Estate Investment Trusts“ (Reit) wird wohl noch auf sich warten lassen. „Wenn wir dieses Jahr vier oder fünf Reits in Deutschland sehen, wäre das ein großer Erfolg“, sagte Florian Schultz, Reits-Experte bei der Kanzlei Linklaters. Wegen der günstigeren Situation nach der Unternehmenssteuerreform werde es erst 2008 richtig losgehen. Ob das Marktvolumen dann tatsächlich über 100 Mrd. Euro liegt, wie zunächst prognostiziert wurde, wird inzwischen bezweifelt. Zu groß sind einige bislang übersehenen Hürden. Die Umwandlung von Immobiliengesellschaften in die neue Rechtsform gestaltet sich schwieriger als gedacht, zudem lahmt der führende britische Markt.

Der „Reit“ ist eine in den USA bereits lange bekannte Rechtsform. Sie soll durch Steuervorteile schwer handelbare Gebäude kapitalmarktfähig machen. Nach jahrelanger Diskussion hat Berlin im Mai auch hierzulande die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen. Reits werden auf Unternehmensebene nicht besteuert, müssen dafür aber die Gewinne zu 90 Prozent als Dividende ausschütten. Außerdem werden gehobene stille Reserven bei Gründung eines Reits bis Ende 2009 nur mit der Hälfte der eigentlichen Steuerlast belegt.

Ein möglicher Grund, warum potenzielle Kandidaten für die neue Rechtsform noch warten: Durch die Unternehmenssteuerreform 2008 wird der Scheck an den Fiskus dann noch einmal etwas kleiner. Da in der deutschen Industrie durch den Verkauf von Gebäuden an Reits enorme stille Reserven gehoben würden – die Privatbank M.M. Warburg rechnet allein bei den Konzernen aus dem Deutschen Aktienindex mit mehr als 90 Mrd. Euro – spielt jedes Prozent Steuerersparnis eine große Rolle.

Bislang ist noch unklar, welches Unternehmen den Titel „erster Deutscher Reit“ für sich reklamieren kann. Beim Bundeszentralamt für Steuern (BZST) haben bislang vier Firmen den Status eines „Vor-Reits“ beantragt. Dazu gehören nach Aussagen der jeweiligen Unternehmen die Deutsche Reit AG und die derzeit mitten im Börsengang als „normale“ Immobilien-AG befindliche Boetzelen Real Estate. Letztere will offenbar als Erste über die Ziellinie gehen. „Zur Zeit ist mir kein Unternehmen bekannt, das zum Zeitpunkt unserer geplanten Erstnotiz am Donnerstag weiter wäre als wir“, sagte Boetzelen-Chef Dusan Rajcic.

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