Reits
Fehlstart für Immobilienaktien

Die Finanzkrise und ein kompliziertes Gesetz vermasseln das Marktdebüt der Reits: Die neue Anlageform der steuerbegünstigten Immobilienaktiengesellschaft (Reit) hatte am Mittwoch eine verspätete und wenig glanzvolle Premiere an der Frankfurter Börse. Das erste Unternehmen, die Alstria Office AG, startete mit Kursverlusten.

FRANKFURT/BERLIN. Lediglich mit einem Unternehmen, der Alstria Office AG startete das ehemals mit großen Erwartungen verknüpfte Börsensegment für Real Estate Investment Trusts (Reits) an der Frankfurter Börse. Experten rechnen für dieses Jahr nur noch mit ein bis zwei weiteren Reits und haben die ehemals hohen Erwartungen an ein über 100 Mrd. Euro großes Segment deutlich reduziert. „Vor allem die Ausgestaltung des deutschen Reit-Gesetzes hat dazu geführt, dass diese Anlageklasse deutlich weniger attraktiv wurde als ursprünglich erhofft. Die aktuelle Finanzkrise ist natürlich auch nicht hilfreich“, sagte Peter Barkow, Immobilienanalyst bei Lehman Brothers in London. Eine Nachbesserung des Gesetzes ist nach Angaben aus der Regierungskoalition – anders als bislang erhofft – in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten.

Die deutsche Finanzbranche hatte die Politik jahrelang gedrängt, die in anderen Ländern teilweise seit Jahrzehnten existierenden Reits ebenfalls einzuführen. Im Kern ist die Besonderheit des Reit, dass er Immobilien verwaltet und die Gewinne zu 90 Prozent an die Aktionäre ausschütten muss. Dafür wird nicht das Unternehmen, sondern lediglich der Anteilseigner besteuert. Außerdem zahlen Firmen, die bis 2009 Gebäude an einen Reit verkaufen, eine ermäßigte Steuer (Exit Tax). Ziel des Gesetzgeber war es, Immobilien leichter am Kapitalmarkt handelbar zu machen und Firmen die Hebung stiller Reserven zu ermöglichen.

Auf Drängen der SPD schloss die Bundesregierung allerdings Wohnimmobilien aus und führte eine Reihe weiterer, im Ausland unbekannter Beschränkungen ein. Unter anderem müssen die Dividenden auch dann versteuert werden, wenn sie aus im Ausland erzielten Gewinnen des Konzerns stammen. Da diese bereits im Ausland versteuert sind, macht diese Doppelbesteuerung Auslandsengagements unwirtschaftlich.

Die HSH-Nordbank rechnet daher derzeit noch mit einem Marktpotential für deutsche Reits von 15 Mrd. bis 40 Mrd. Euro. Ursprünglich hatten Optimisten eine Größenordnung von 120 Mrd. Euro erwartet. „Sollte die Doppelbesteuerung bei Auslandseinkünften noch abgeschafft werden, dürfte das obere Drittel der Schätzung erreicht werden. Aber selbst dann sind noch einige Hausaufgaben zu machen“, sagte Reits-Experte Stefan Goronczy.

Zumindest für dieses Jahr zeichnet sich wegen des Widerstands der SPD-Bundestagsfraktion keine Lösung dieses Problems ab, obwohl das Finanzministerium mit der Erarbeitung eines Gesetzentwurfs beauftragt worden war. SPD-Finanzexperte Florian Pronold sagte dem Handelsblatt: „Das Ansinnen der Union erschließt sich mir nicht.“ Reits seien doch bereits privilegiert. Außerdem sei das Finanzministerium bislang nicht in der Lage, die zu erwartenden Steuerausfälle zu beziffern. CDU-Experte Leo Dautzenberg warf der SPD-Wortbruch vor. „Das war verabredet, jetzt können wir das dieses Jahr nicht mehr lösen“, sagte der Unionspolitiker.

Die Hoffnung der Experten richtet sich jetzt darauf, dass einige große Reits im nächsten Jahr an die Börse gehen. „Wenn die Unternehmensteuerreform kommt, dürfte der eine oder andere den verschobenen Schritt aufs Parkett nachholen“, sagte Kai Klose vom Bankhaus Oppenheim. Für einige kleine Reits könnte der Zug allerdings völlig abgefahren sein, fürchten Banker. Wegen der Finanzkrise gebe es für einige schlicht keine Investoren. Einige Mini-Reits könnten daher im Wege von Privatplatzierungen an die Börse kommen, um ihren Steuerstatus nicht zu verlieren. „Aber illiquide Kleinst-Reits helfen dem Markt nicht“, sagte ein Experte.

Das Alstria-Debüt passte gestern gut in die insgesamt traurige Stimmung. Die Aktie verlor am ersten Tag als Reit gut ein Prozent an Wert. Alstria-Chef Olivier Elamine trug trotzdem Optimismus zur Schau: „Ich sehe eine Menge Potenzial.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%