Reits-Gesetz
Branche lechzt nach Immobilien-AGs

Endlich scheint das politische Hin und Her um die Einführung deutscher steuerbegünstigter Immobilienaktiengesellschaften, so genannter Real Estate Investment Trusts (Reits), beendet zu sein. Ende September hat das Bundesfinanzministerium den Entwurf eines Reit-Gesetzes den beteiligten Ressorts und den Ländern zur Abstimmung übersandt. Das Bundeskabinett wird voraussichtlich am 25. Oktober diesen Entwurf verabschieden.

HB FRANKFURT. "Das Bundesfinanzministerium hat nunmehr seine Hausaufgaben gemacht", meint Wolfgang Schäfers, Leiter des Bereichs Real Estate Investment Banking bei Sal. Oppenheim. Mit der Einführung von Reits, so heißt es aus dem Bundesfinanzministerium, wolle man die Wettbewerbsgleichheit gegenüber anderen europäischen Finanz- und Immobilienstandorten herstellen und so einen weiteren Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland leisten. "Durch ein solches Vehikel können steuerliche Anreize geschaffen und Investmentmöglicheiten geboten werden", stimmt Sascha Hettrich, Vorsitzender des internationalen Maklerverbandes RICS Deutschland, zu.

In den USA gibt es Reits nun schon seit mehr als 45 Jahren. Auch in einigen europäischen Ländern sind sie längst eingeführt. In Holland gibt es sie beispielsweise schon seit 1969, in Belgien seit 1995 und seit 2003 ebenso in Frankreich. Großbritannien will den Markt für Reits am 1. Januar 2007 freigegeben.

Diesen Zeitpunkt strebt nun auch Deutschland zur Einführung der Reits an. Ob der Termin eingehalten werden kann, wird davon abhängen, ob sich das Bundeskabinett am 25. Oktober mit dem Gesetzentwurf befassen kann. Ansonsten könnte sich der Start der Reits nochmals verschieben. Das gilt auch für den Fall, dass die relevanten Ministerien Änderungen im Entwurfstexten wünschen sollten. "Sollte sich der Prozess verzögern, wird das Gesetz rückwirkend zu Jahresbeginn eingeführt werden", meint ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Eine Verzögerung hielte Hettrich für äußerst hinderlich: "Sofern die Einführung der Reits nicht rechtzeitig erfolgt, wird die deutsche Immobilienwirtschaft einmal mehr im Nachteil sein." Denn bereits heute würden internationale und europäische Reits in Deutschland einkaufen und die akquirierten Anlageobjekte in die in New York, Sydney oder demnächst in London oder Paris ansässigen Reits einstellen.

Reits sind börsennotierte Immobilien-Unternehmen, die ihre Gewinne meist fast vollständig an die Anleger ausschütten. "80 bis 90 Prozent der laufenden Erträge werden als Dividende ausgeschüttet", erklärt Claus Thomas, European Director bei Lasalle Investment Management. Denn ihre Erträge sind auf Unternehmensebene von Steuerzahlungen befreit. Wie Immobilienaktien werden auch Reits an Börsen gehandelt. Im Gegensatz zu offenen Immobilienfonds können sie somit tägliche Transparenz und Liquidität bieten - und damit Anlegern die Möglichkeit, börsentäglich in Gesellschaften zu investieren, die Immobilien, wie zum Beispiel Wohnungen, Einkaufszentren, Büros, Hotels und Lagerhäuser, professionell verwalten, vermieten, entwickeln, handeln oder finanzieren.

Dies sei eine sinnvolle Ergänzung zu den bekannten Immobilieninvestments: "Der Investor hat die Möglichkeit, sein Immobilienengagement weiter zu diversifizieren und die richtige Anlageform für sein Anlageprofil zu finden", sagt Wolfgang Schäfers. Zwar besteht der Markt für Immobilien-Aktien in Deutschland schon seit längerem, doch ist Immobilien-Aktie nicht gleich Immobilien-Aktien. Mehr als 75 Prozent ihrer Erträge muss die Immobilien-AG durch das Immobiliengeschäft erwirtschaften. Dazu zählen das Vermieten und Verpachten, das Verwalten sowie das Handeln von Immobilien. Darunter fallen allerdings keine Bauunternehmen und Immobilienbanken. "Außerdem ist Deutschland im Immobilienbereich auf der Aktienseite immer noch deutlich unterrepräsentiert im Vergleich zu anderen Ländern", sagt Lasalle-Experte Thomas.

Reits stellen sich vor allem als reine Bestandshalter auf. Dabei garantiert ein breit gestreutes Immobilienportfolio regelmäßige Cash Flows. Ebenso wählen Projektentwickler den Reit als Gesellschaftsform, auch wenn für ihr Geschäftsfeld unregelmäßige fließende Einnahmen typisch sind. Reine Immobilienhändler organisieren sich hingegen noch eher selten als Reit.

Dabei ist auch bei deutschen Immobilienunternehmen das Interesse an der Einführung von Reits groß. Institutionelle wie Privatanleger wollen ihre Portfolien in den kommenden Monaten umschichten und kräftig in ausländische sowie deutsche Reits investieren. Das jedenfalls ergab eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds (Degi).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%