Reits in Japan
Die Retter in der Not

Es gibt sie in Japan erst seit sechs Jahren, doch sie gelten als ganz große Erfolgsgeschichte: Real Estate Investment Trusts, kurz Reits genannt. Doch während die neue Wertpapierklasse anfangs ein Selbstläufer war, müssen sich die Vermögensverwalter derzeit anstrengen, um die gewohnten Renditen herauszuholen.

TOKIO. Der Anleger hat in Tokio bereits die Wahl zwischen 41 verschiedenen Real Estate Investment Trusts. Das Investitionsvolumen ist auf 5,5 Bill. Yen (33 Mrd. Euro) angewachsen, der Index für börsengehandelte Reits ist seit Jahresbeginn um 20 Prozent gestiegen.

Direkt nach ihrer Einführung im Sommer 2001 profitierten die Reits von der wirtschaftlichen Großwetterlage: Sie konnten sich dank Nullzinspolitik der Notenbank fast gratis mit Kapital versorgen und warfen wegen der Erholung des japanischen Immobilienmarktes sieben bis acht Prozent Rendite jährlich ab. Ihre Einführung durch die Regierung fiel genau mit dem Ende eines Jahrzehnts sinkender Grundstücks- und Häuserpreise zusammen. „Der Erfolg der Reits und die Erholung des Immobilienmarktes haben sich gegenseitig verstärkt“, sagt Analystin Sachiko Okada von Goldman Sachs.

Reits wurden eine ideale Alternative zum müden Aktienmarkt und den extrem niedrig verzinsten japanischen Staatsanleihen. Doch die Schaffung der Reits unterstützte auch die Erholung der Wirtschaft als Ganzes. So konnte der Elektrokonzern NEC sein Tokioter Hauptquartier in bester Lage zu Geld machen, indem er es 2003 an den frühen Trust „Top Reit“ abgab und zurückmietete. Der lebhaftere Immobilienmarkt half der Industrie dabei, ihre Bilanzen aufzuräumen, so Okada.

Japan gilt international als besonders guter Standort für Reits. In Tokio ist es üblich, ein Gebäude schon nach wenigen Jahrzehnten wieder abzureißen und durch ein höheres und schöneres zu ersetzen. Das ermöglicht langfristig eine ganz andere Dynamik des Immobilienwertes als im statischen Europa. Doch vor muntere Investitionen der Reits in den Aus- und Neubau der Objekte hat Vater Staat eine Komplikation gestellt. Das Reit-Gesetz sieht ähnlich wie in Deutschland vor, dass die Trusts ihre Objekte nicht selbst entwickeln dürfen. Wenn es also Zeit ist, ein Gebäude zu verschönern oder neu zu bauen, muss der Reit es an einen Immobilienentwickler verkaufen und eventuell hinterher zurückkaufen. Darauf hat der Finanzminister bestanden, denn die Erträge der Reits unterliegen nicht der Körperschaftsteuer – vorausgesetzt, sie schütten mehr als 90 Prozent der Nettoeinnahmen als Dividende aus. Immobilienentwickler und Reits sind damit streng getrennt, wenn beide Seiten auch in der Praxis den etablierten Immobilienfirmen nahe stehen. Wichtige Spieler auf dem japanischen Markt sind Mitsui Fudosan, Mitsubishi Estate, Nomura Real Estate und Tokyo Tatemono.

Seite 1:

Die Retter in der Not

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%