Reits: Weitere Änderungen
Steinbrück gibt nach

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ist bei der Einführung von börsennotierten Immobiliengesellschaften (Reits, Real Estate Investment Trusts) prinzipiell zu Zugeständnissen bereit. Sein Sprecher bestätigte, dass es Überlegungen gibt, Wohnimmobilien aus dieser für Deutschland neuen Asset-Klasse auszuklammern. Die Branche reagiert entsetzt.

BERLIN. Das wäre insbesondere ein Zugeständnis an Kritiker in der eigenen Partei, die durch Reits Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt befürchten. Die CDU/CSU sieht dagegen keine Probleme, Wohnungsimmobilien mit einzubeziehen. Die Branche reagierte auf den Schwenk Steinbrücks entsetzt.

„Es gibt nicht wenige Leute, die eine Ausklammerung verlangen, und wir müssen uns dieser Debatte stellen“, rechtfertigte Steinbrücks Sprecher Torsten Albig die neuen Überlegungen. Der schönste Referentenentwurf nütze nichts, wenn er keine parlamentarische Mehrheit bekomme. In dem bisherigen Entwurf, der ursprünglich am 25. Oktober vom Kabinett verabschiedet werden sollte, sind Wohnimmobilien ausdrücklich vorgesehen.

Die Euro-Hyp kritisierte die Bereitschaft Steinbrücks, Wohnimmobilien aus den Reits herauszunehmen. „Wenn wir einen international konkurrenzfähigen Markt für Reits schaffen wollen, brauchen wir die Wohnimmobilien“, so der Sprecher Andreas Funke. Ansonsten werde das Instrument amputiert.

Käufer von Wohnportfolios wie Cerberus, oder Deutsche Annington wäre es letztlich egal, wo sie ihre Gesellschaften künftig notieren lassen, wenn sie einen Ausstieg suchen. Europa biete zahlreiche Möglichkeiten. London stehe bereit – unter Einschluss der Wohnimmobilien. Das Nachsehen hätte der Finanzplatz Deutschland, bemerkte der Euro-Hyp-Sprecher. Nach Expertenschätzungen machen Wohnimmobilien etwa die Hälfte des Marktvolumens aus, das für Reits angenommen wird – in Zahlen: 30 bis 50 Mrd. Euro.

Die neuen Gedankenspiele im Bundesfinanzministerium hält Ira von Cölln, Steuerexpertin beim Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen für eine „Katastrophe“. Reits würden den Kommunen die Chance geben, ihre Immobilien zu verkaufen und gleichzeitig durch eine Minderheitsposition die Möglichkeit geben, weiter Einfluss auf die Wohnungsbaugesellschaften zu nehmen. Das wäre eine Alternative zum Verkauf des Wohnungsbestands an Private-Equity-Investoren, was in der Öffentlichkeit stark kritisiert wurde.

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