Renditevergleiche sind manipulierbar
Teure Trutzburg fürs Alter

Das eigene Haus gilt als beste Altersvorsorge. Daran lassen Umfrageergebnisse unter den Deutschen überhaupt keinen Zweifel.

HB DÜSSELDORF. Der Verband Deutscher Hypothekenbanken beruft sich auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest, wonach 77 Prozent der Bürger in der selbst genutzten Immobilie einen Eckpfeiler ihrer privaten Altersvorsorge sehen und das Institut Emnid ermittelte im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS): „57 Prozent der Mieter würden lieber in den eigenen vier Wänden statt zur Miete wohnen.“ Neun von zehn dieser nach Wohneigentum strebenden Mieter halten die eigenen vier Wände für eine gute Altersvorsorge, weil Bauen langfristig günstiger sei als Mieten.

Der Verband der Privaten Bausparkassen bläst ins gleiche Horn: Das mietfreie Wohnen beschere Wohneigentümern 570 Euro monatlicher Zusatzrente zu ihren durchschnittlich 2 030 Euro Netto-Alterseinkünften. Demgegenüber werde das monatliche Nettoeinkommen der Mieter im Alter von durchschnittlich 1 490 Euro mit 360 Euro Miete belastet.

Und wie geht ein Renditevergleich aus? Wer 1978 ein Haus zum Wohnen kaufte, verfügte 2002 über mehr Vermögen als jemand, der zur gleichen Zeit mit Prämienzahlungen in eine Kapitallebensversicherung begann oder in einen Aktienfonds sparte. Das jedenfalls rechnete das in der Immobilienmarktforschung tätige Eduard-Pestel-Institut für die LBS vor. Der Konkurrenz bestätigte die auf gleichem Gebiet tätige Gewos, dass zwischen 1970 und 2001 nur mit Aktien mehr zu verdienen war als mit einem Eigenheim.

Solche Berechnungen sind allerdings nicht unumstritten. Harald Simons, Vorstand der Empirica AG, stellt die Ergebnisse solcher Renditevergleiche in Frage. Seine Kritik: Mit der Wahl des Basisjahres lasse sich das Ergebnis in die gewünschte Richtung drehen (s. „Das eigene Heim ist der Königsweg“).

In ein paar Jahren könnten die Ergebnisse jedenfalls ganz anders aussehen. Michael Schick, Berliner Makler und Pressesprecher des Immobilienverbands Deutschland, sagt: Wertsteigerungen von bis zu 40 Prozent wie in den 1990er-Jahren seien vorläufig nicht zu erwarten. „Die Blase ist geplatzt. Die Preise bewegen sich auf dem Niveau der Jahre 1992 bis 1994.“ Weil auch die Zinsen im Keller sind, ruft er Bauherren zu: „Billiger geht es nicht mehr.“

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