Riesige Flächen entlang der Spree warten auf ihre Bebauung
Berlin entdeckt seine Wasserlagen

Gemächlich schlängelt sich die Spree durch den Großstadtdschungel Berlins. Weniger majestätisch als die Seine in Paris oder die Londoner Themse. Nicht schlammfarben wie der römische Tiber, eher schwarz und mit mehr grünem Uferbewuchs als all ihre großen Schwestern zusammen. Nun hat die Bundeshauptstadt zwar Wasserlagen en masse.

HB, DÜSSELDORF. Der Wannsee, die Gestade Potsdams, Treptows und Köpenicks locken Freizeithungrige, Touristen und Immobilienspekulanten gleichermaßen an. Doch selbst inmitten der zusammenwachsenden City sind immer noch etliche Grundstücke mit Spreeblick zu haben – theoretisch zumindest. Wo, das zeigen die Bodenrichtwertkarten des Amtes für Stadtentwicklung. Sie machen sichtbar, in welchen wassernahen Vierteln oder Quartieren eine qualitative „Unternutzung“ der Grundstücksflächen zu finden ist. Dies betrifft allen voran Areale mit gewerblicher Nutzung.

Wo kleine Betriebe, Lagerplätze und Werkstätten die Ufer säumen, weist die Karte Bodenpreise von 100 bis 150 Euro aus. Nur an einigen Westberliner Uferlagen sind bis zu 1 000 Euro möglich. Der Grundstückswert erhöht sich automatisch mit der Nutzungsart. So zeigt die Richtwertskala, dass wassernahe Liegenschaften mit Wohnbebauung in der Regel zwischen 300 und 1  600 Euro pro Quadratmeter wert sind. Für Flächen mit Kerngebiets- und Mischnutzung gibt das Amt für Stadtentwicklung 3  000 bis 7  000 Euro pro Quadratmeter an. Dieses Niveau konzentriert sich jedoch ausschließlich auf die Spreelagen zwischen Mitte/Grenze Friedrichshain, Tiergarten und Charlottenburg.

Das treibt manchem Makler und Stadtplaner das Wasser in die Augen: In absoluten Spitzenlagen Berlins gehen kleinere Gewerbehöfe oder Betriebe ihrem Geschäft in Baracken oder Lagerhallen nach. Dabei könnten sie dies ebenso gut woanders tun. In der norwegischen Hauptstadt Oslo zum Beispiel wer-den derzeit Wassergrundstücke mit einer Gesamtfläche von 225 Hektar frei, weil die heutigen gewerblichen oder industriellen Nutzer nach dem Willen der Stadtregierung geschlossen an den südöstlichen Stadtrand umziehen. In Citynähe werden ausschließlich Wohnhäuser, Cafés, Büros und Badestrände (!) etabliert. Ein Modell für Berlin? „Eher nicht. Es gibt zu viele Wassergrundstücke in Berlin und auch die Nachfrage seitens der Nutzer nach neuen Immobilien ist momentan nicht da“, sagt Rolf Scheffler, Chef-Statistiker des Maklerhauses Aengevelt. Überall in der Stadt seien zeitgleich attraktive Altbauten und Gewerbehöfe saniert und in Büros und Wohnungen umgewandelt worden. Im Vergleich zu diesen Immobilien fielen die Miet- und Kaufpreise für Arbeitsstätten und Wohnraum am Wasser recht hoch aus, sagt er. In Friedrichshain sei eine komplett sanierte Altbauwohnung schon ab 1  700 Euro pro Quadratmeter zu haben.

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