Risanamento Spa
Italienische Immobilien-Firma in Not

Vorwürfe der Bilanzfälschungen und Marktmanipulationen gegen das Management, dazu ein riesiger Schuldenberg - die Lage von Risanamento Spa ist bedrohlich. Die Mailänder Staatsanwaltschaft fordert bereits eine Insolvenz der italienischen Immobiliengesellschaft. Etliche Bauprojekte stehen vor dem Aus.

MAILAND. Risanamento Spa, eine der größten italienischen Immobiliengesellschaften ist in den Sog der Finanzkrise geraten. Der Präsident und Mehrheitseigner des Unternehmens, Luigi Zunino, ist in der Nacht vom Montag auf Dienstag unter der Last der Schulden und den Betrugsvorwürfen zurückgetreten. Damit gerät ein weiteres renommiertes Unternehmen der Branche in Schwierigkeiten.

Risanamento sitzt auf einem Schuldenberg von 2,8 Mrd. Euro und hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 213 Millionen Euro geschrieben.

Zuninos Rücktritt werde "eine Restrukturierung leichter machen", ließ das Unternehmen gestern wissen. Ein Nachfolger soll in den kommenden Tagen nominiert werden. Zunino ist nicht zuletzt auf Druck der Gläubigerbanken zurückgetreten. Intesa Sanpaolo, Unicredit, Banco Popolare, Meliorbanca und Monte dei Paschi di Siena haben seit Monaten auf einen Rücktritt des Präsidenten gedrängt. Ausschlaggebend war jedoch wohl die Mailänder Staatsanwaltschaft, die eine Untersuchung wegen Bilanzfälschung und Marktmanipulation eingeleitet hat und eine Insolvenz des Unternehmens fordert.

Risanamento hat in den vergangenen Jahren Immobilien in Italien, New York und Paris erworben und besitzt nach eigenen Angaben Häuser und Wohnungen im Wert von fünf Milliarden Euro. Zunino hatte sich auch auf die Entwicklung großer Immobilienprojekte spezialisiert. Sein ambitioniertestes Projekt war Santa Giulia, ein komplett neues Stadtviertel für mehr als 50 000 Menschen vor den Toren Mailands, das der Star-Architekt Norman Foster entworfen hat. Das Viertel ist bis heute nicht fertig gestellt; es fehlen noch Teile der Infrastruktur und der nördliche Teil des Viertels, wo Geschäfte und ein Kongresszentrum untergebracht werden sollten. Viele Wohnungsbesitzer, die schon gekauft haben, klagen bereits.

Zunino hat sich damit deutlich überhoben und kann nun die Schulden nicht bedienen. Allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten beliefen sich zum Ende des vergangenen Jahres auf 740 Mio. Euro. Da die Banken kaum mehr bereit waren, Risanamento weiter zu finanzieren, hatte Zunino zuletzt versucht, durch Verkäufe möglichst viel Geld reinzuholen. Seit dem 1. April habe er Immobilien im Wert von 18 Mio. Euro verkauft. Für weitere neun Mio. Euro seien die Verträge bereits unterschrieben. Der Verkauf eines großen Immobilienprojekts bei Mailand in Sesto Giovanni für 475 Mio. Euro an einen Investor aus Dubai war dagegen im Frühjahr gescheitert.

Die Aktie des Unternehmens ist seit der vergangenen Woche vom Handel ausgesetzt. An der Börse war Risanamento zuletzt 98 Mio. Euro wert.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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