Rolf Elgeti im Interview
„Es wäre sträflich, nicht zu verkaufen“

Er ist eine der schillerndsten Figuren der Immobilienbranche. Jetzt räumt Rolf Elgeti seinen Chefsessel bei TAG Immobilien. Hier spricht er über die Gründe, wie sich der Markt verändert hat und wie es weitergehen soll.
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Elgeti, 37, wächst als Bauernsohn in der DDR auf. Sein Abitur macht er mit Abschlussnote 1,0. Das Wirtschaftsstudium schließt er in kurzer Zeit ab. Mit Anfang zwanzig fängt er bei der UBS in London an, wechselt später als Analyst zur Commerzbank und zu ABN Amro. Er erhält Auszeichnungen als Europas bester Analyst. Mit 30 Jahren steigt er plötzlich aus und wechselt in die Immobilienbranche.

Innerhalb von fünf Jahren macht er aus TAG Immobilien einen der größten Wohnimmobilien-Konzerne in Deutschland. Jetzt hat Elgeti überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Er wird Ende Oktober aus dem Unternehmen ausscheiden. Heute hat er einen seiner letzten Deals als Chef besiegelt. Wir treffen ihn in seinem Büro am Rande der Speicherstadt in Hamburg.

Herr Elgeti, Sie haben ihren Rücktritt als Chef von TAG Immobilien angekündigt. Warum so plötzlich?
Als ich den Vorstandsvorsitz übernommen habe, steckte das Unternehmen in einer schweren Krise. Jetzt zählt es zu den größten und solidesten Immobilien-AGs in Deutschland. Die Mission ist erfüllt.

Gibt es keine Ziele mehr?
Uns kann niemand vorwerfen, wir wüssten nicht wo das Gaspedal ist. Am Anfang hatte die TAG etwa 5000 Wohnungen im Bestand, jetzt sind es mehr als 70.000. Damit ist eine kritische Masse erreicht, mit der sich gut leben lässt.

Soll das Unternehmen nicht weiter wachsen?
Wir werden nicht aufhören zu wachsen. Aber es gibt keinen Grund, dieses Wachstum um jeden Preis zu erzwingen. Das Unternehmen ist jetzt stabil und bleibt es auch. 

Es gibt also keine rasante Expansion mehr – ist Ihnen das zu langweilig?
Ich denke nicht, dass der Vorstandsposten der persönlichen Unterhaltung dienen sollte. Abgesehen davon sind fünfeinhalb Jahre an der Spitze nicht gerade eine kurze Periode für einen Vorsitzenden einer börsennotierten Gesellschaft.

Vor einem Dreivierteljahr gab es Vorwürfe, Sie hätten sich mit privaten Immobiliendeals bereichert. Welche Rolle spielte das für die Entscheidung?
Gar keine. Ich habe damals ausführlich klar gemacht, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Das wurde durch unabhängige Gutachten bestätigt. Die Sache ist erledigt.

Ist der Rücktritt für Sie eine Befreiung?
Wieso?

Sie haben einmal gesagt, dass es unheimlich befreiend sein kann, zu tun, wonach einem ist.
Ja, stimmt. So gesehen ist es auch eine Befreiung. In meinem Herzen bin ich ein Unternehmer geblieben, nicht ein angestellter Manager.

Wie haben die Investoren auf ihren Rücktritt reagiert?
Die waren auch überrascht. Es gab Bedauern, aber auch viel Anerkennung für den Schritt.

Kommentare zu " Rolf Elgeti im Interview: „Es wäre sträflich, nicht zu verkaufen“"

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  • So ganz ohne G´schmäckle waren die Eigengeschäfte von Elgeti nicht. Nur weil der alte TAG-Chef ihn deckte, kam er davon. Ein anderer wäre achtkantig geflogen. So war es jedenfalls im seriösen Geschäft üblich.
    Nicht nur als schillernde Figur - sondern noch ganz anders scheint er mir zu bezeichnen zu sein.

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