Rückschläge in Großbritannien
Die Reits-Euphorie ist verflogen

In der vergangenen Woche erlebte der britische Reits-Markt seinen bislang größten Rückschlag: Ein Hotel-Reit musste mangels Nachfrage den Börsengang absagen. Einige Reits sind an der Börse mittlerweile weniger wert, als die Immobilien in ihren Bilanzen. Die Zeit des schnellen Geldes ist vorbei.

LONDON. Für Liz Peace war es nur ein kleiner Knopfdruck, für den britischen Immobilienmarkt ein entscheidender Schritt. Anfang Januar dieses Jahres durfte die Chefin des britischen Immobilienverbands den Handel an der Londoner Börse eröffnen. Ihr Knopfdruck läutete symbolisch die Einführung von steuerlich begünstigten Immobilienaktien, so genannten Real Estate Investment Trusts (Reits), in Großbritannien ein.

Die Euphorie war groß. Die Mehrheit der britischen Experten prophezeite, dass die Reits dem ohnehin florierenden Immobilienmarkt auf der Insel noch einmal zusätzlichen Schwung verleihen würden. Und tatsächlich wandelten sich bereits in der ersten Januarwoche zehn große Immobiliengesellschaften in Reits um, darunter die beiden größten börsennotierten Unternehmen Land Securities und British Land.

Die hochgesteckten Erwartungen ließen die Kurse der Immobilienaktien bereits lange vor der Umwandlung kräftig steigen. Die Anteile von British Land gewannen im vergangenen Jahr 57 Prozent an Wert. Der Kurs von Land Securities kletterte 2006 um gut 45 Prozent. Vom Start weg entwickelte sich Großbritannien zum größten europäischen Reits-Markt.

Doch sechs Monate nach der Einführung des neuen Konzeptes ist ein Großteil der Euphorie bereits wieder verflogen. In der vergangenen Woche muste der britische Reits-Markt seinen bislang größten Rückschlag hinnehmen. Vector, der erste Hotel-Reit auf der Insel musste bei seinen immerhin zwei Mrd. Dollar schweren Börsengang mangels Nachfrage zuerst den Preis senken und dann die Emission sogar ganz absagen. Vector hatte zwar mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen – einige große Fonds hatten scharfe Kritik an der mangelnden Transparenz des Unternehmens geübt – dennoch werten viele Experten den spektakulären Fehlschlag als schlechtes Omen für den gesamten heiß gelaufenen britischen Immobilienmarkt.

Die Ernüchterung der Briten in Sachen Reits liegt nicht nur daran, dass die meisten Immobilienaktien auf der Insel seit ihrer Umwandlung Kursverluste hinnehmen mussten. Analyst Mike Prew von der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kommt in einer kritischen Studie sogar zu dem Schluss, dass die Reits in Großbritannien nur noch von „geborgter Zeit“ lebten. Grund: einige Reits sind an der Börse mittlerweile weniger wert, als die Immobilien in ihren Bilanzen.

Der Hauptanreiz für die Umwandlung in einen Reit besteht darin, dass die Immobilienfirmen keine Ertragsteuern bezahlen müssen, wenn sie mehr als 90 Prozent ihrer Gewinne als Dividende ausschütten. Damit entfällt die bisherige doppelte Besteuerung der Erträge aus Immobilien-Portfolios – zuerst bei den Firmen und dann bei ihren Aktionären.

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