Sachsens Metropolen ziehen zwar Industriebetriebe an, doch die Büros bleiben weiter leer Immobilieninvestoren lassen neue Bundesländer links liegen

Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung gilt Ostdeutschland, so scheint es, bei Immobilieninvestoren wieder als „terra incognita“. Auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten machen institutionelle Anleger einen Bogen um Standorte in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen oder Thüringen.
  • Anne Wiktorin (Handelsblatt)

DÜSSELDORF. „Sie gehen gleich weiter nach Polen oder Tschechien“, sagt Immobilienmarktexperte Hartmut Bulwien, Vorstand der Münchener Bulwien-Gesa AG. Und auch Banken tun sich schwer bei der Finanzierung von Objekten jenseits der Elbe.

Das Desinteresse von Investoren und Finanzierern an einem Engagement in Ostdeutschland ist verständlich. Durch hohe Steuersubventionen künstlich in den Boom getrieben, stürzte der Immobilienmarkt bis zum Ende der 90-er Jahre ins Bodenlose. Ergebnis: Heute stehen rund 1,3 Mill. Wohnungen, das sind 16 Prozent des Gesamtbestandes, zwischen Rügen und Zwickau leer, Mindestens die Hälfte davon sei zuvor aufwändig saniert worden, stellt Deutsche Bank Research fest. Ähnlich unerfreulich ist das Bild auf dem gewerblichen Immobilienmarkt: Gut 13 Prozent Leerstand meldet Dresden, in Leipzig ist jedes fünfte Büro ohne Mieter, mit Quoten von knapp zwölf beziehungsweise zehn Prozent ist die Situation in Rostock und Berlin noch vergleichsweise entspannt.

„In einigen ostdeutschen Regionen wird sich der Immobilienmarkt aufgrund der konjunkturellen Schwäche auch längerfristig nicht wesentlich beleben“, erwartet Tobias Just, Immobilienmarktexperte bei Deutsche Bank Research. Andere Standorte indes könnten bereits in naher Zukunft wieder interessante Investmentchancen bieten. „Die wichtige Botschaft lautet: Es gibt eindeutige Wachstumsregionen in Ostdeutschland.“ Dort beginne nun „Phase II“ nach dem Absturz des Marktes: Kaufpreise und Mieten hätten den Boden erreicht, an einigen Standorten beobachtet Just einen zaghaften Anstieg.

Auch Volkmar von Obstfelder, Sprecher der Geschäftsführung der TLG Immobilien GmbH, wird nicht müde zu erläutern, dass Ostdeutschland nicht gleich Ostdeutschland ist. „Alle Untersuchungen und Prognosen zum Thema demografischer Wandel etwa weisen auf die erheblichen regionalen Unterschiede hin.“ In Dresden, Leipzig, Jena, aber auch an der Ostseeküste sei die Abwanderung gestoppt worden. „Potsdam verzeichnet sogar Bevölkerungszuwächse“, berichtet von Obstfelder. Ein Befund, der nicht nur die wirtschaftliche Dynamik der jeweiligen Regionen unterstreicht, sondern auch den dortigen Wohnungsmärkten nützt.

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