Schlechte Ergebnisse
Immobilienunternehmen kritisieren Nachhaltigkeitsnoten

Deutsche Immobilien-Aktiengesellschaften schneiden in einer Nachhaltigkeits-Analyse der Schweizer Privatbank Sarasin & Cie AG schlecht ab. Von vier untersuchten deutschen Aktiengesellschaften, stuften sie nur eine als nachhaltig ein. Die Immobilienbranche regiert gereizt auf die Ergebnisse - und greift die Macher der Studie scharf an.
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BERLIN. Deutsche Immobilien-Aktiengesellschaften schneiden in Sachen Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich schlecht ab. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der in Basel ansässigen Privatbank Sarasin & Cie AG. Von vier deutschen Aktiengesellschaften, welche die Schweizer Researcher unter die Lupe nahmen, stuften sie nur eine - die Deutsche Euroshop - als nachhaltig ein. Erheblich besser schnitten britische Unternehmen ab, während asiatische Immobiliengesellschaften deutliche Defizite aufwiesen.

Doch die Qualität der Untersuchung ist umstritten. "Die Studie ist nichts wert", sagt Jens Friedemann, Kommunikationsverantwortlicher der IVG AG. Diese scheiterte ebenso wie die Alstria Office Reit und die Design Bau an den Kriterien der Bank Sarasin. "Die Researcher haben nur unsere Website angeschaut und nicht das Gespräch mit uns gesucht", kritisiert Friedemann. Dass die IVG für fast alle Projektentwicklungen ein Nachhaltigkeitszertifikat anstrebe, sei deshalb unberücksichtigt geblieben.

Tatsächlich stützt sich die Bank Sarasin in ihrer Beurteilung hauptsächlich auf öffentlich zugängliche Quellen wie Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen. "Wir schauen uns die Strategie des Unternehmens an", sagt Klaus Kämpf, Leiter Sustainability Research bei der Bank Sarasin. "Mangelnde Information der Öffentlichkeit schlägt sich in einer schlechten Bewertung nieder", räumt Kämpf ein, "das sollte ein Ansporn sein, besser zu werden."

Das Vorgehen der Schweizer widerspricht einer Forderung des Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft (Econsense) Verlässlich und glaubwürdig sei ein Bewertungsprozess, wenn das Unternehmen auf noch während des Prozesses reagieren könne, heißt es einem Papier des Forums, in dem sich 26 große Unternehmen (darunter keines, das sich ausschließlich mit Immobilien befasst) zusammengeschlossen haben.

In die Sarasin-Nachhaltigkeitsmatrix aufgenommen wurde dagegen die Deutsche Euroshop. Das bedeutet, dass die Manager des unlängst von Sarasin aufgelegten nachhaltigen Immobilienaktienfonds in Euroshop-Papiere investieren dürfen. Beim Hamburger Bestandshalter von Shopping-Centern zeigt man sich darüber laut Kommunikationschef Patrick Kiss "positiv überrascht". Ausschlag für das Urteil der Researcher dürfte gegeben haben, dass Deutsche Euroshop im Geschäftsbericht dem Thema ein eigenes Kapitel widmet. Laut Kiss unterstützt das Unternehmen Ladenmieter beim Einsatz von Energiesparleuchten und versorgt Einkaufszentren mit Strom aus skandinavischen Wasserkraftwerken.

Andere Aktiengesellschaften, die sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben, wurden von der Bank Sarasin gar nicht erst geprüft. Dabei hat beispielsweise für Polis Nachhaltigkeit "einen sehr hohen Stellenwert", wie Finanzvorstand Matthias von Bodecker sagt. Ziel sei es, sämtliche Baumaßnahmen an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten. Insgesamt untersuchte die Bank Sarasin 163 Aktiengesellschaften aus 17 Ländern, von denen sie 64 als nachhaltig einstufte. Die Immobilienbranche sei längst noch nicht so weit wie die Chemie- und Automobilindustrie, urteilt Researcher Kämpf. Aber: "Wir spüren, dass die Nachhaltigkeitsaktivitäten auch dort zunehmen."

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