Schrot und Korn
Ackerland im Blickfeld von Anlegern

"Back to the roots" lautet in der Krise das Motto der Investoren. Nach dem Ausflug in die Welt virtueller, hoch komplexer Finanzkonstrukte sind heute wieder bewährte Anlageformen gefragt, die vor allem vor Vermögensverlust durch Inflation schützen sollen. Aus diesem Grund sind in den vergangenen Monaten landwirtschaftliche Flächen wieder verstärkt in den Fokus der Investoren gerückt.
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HAMBURG. Geldentwertung, so das Argument, kann Ackerland nichts anhaben, denn guter Boden ist knapp und die Nachfrage nach Agrarrohstoffen wird langfristig weltweit steigen. Hedgefonds, Staatsfonds aus Asien und dem Mittleren Osten und vermögende Privatanleger kaufen daher riesige Flächen vor allem in Osteuropa, Südamerika und Afrika.



Auch in Ostdeutschland, wo es besonders viele große, zusammenhängende Agrarflächen gibt, boomt das Geschäft mit der Scholle. Die Bodenverwertungs- und-verwaltungs GmbH (BVVG) in Berlin, die den gesetzlichen Auftrag hat, ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen zu privatisieren, hat im ersten Halbjahr 2009 einen Anstieg des durchschnittlichen Hektarpreises um 32 Prozent auf 8 300 Euro registriert. Tendenz steigend. "Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, wie werthaltig Grund und Boden sind", sagt BVVG-Chef Wolfgang Horstmann.

Die BVVG hat derzeit noch rund 450 000 Hektar Landwirtschaftsfläche im Bestand - das entspricht etwa der Größe der Inseln Mallorca und Rügen zusammen. Als Käufer von Agrarflächen treten in erster Linie Landwirte, Fonds, aber auch vermögende Privatinvestoren wie etwa Brillen-Unternehmer Günther Fielmann auf. Die Erwerber kaufen und bewirtschaften in Eigenregie oder kaufen und verpachten. Kleinere Anleger können an den Chancen auf dem Land über Aktien und Fonds teilhaben.



Völlig risikolos aber sind Agrarlandinvestments nicht: "Kaufen und auf Wertsteigerung warten wie bei Gold funktioniert hier nicht", warnt Wolfgang Weber, Landwirtschaftsexperte der Frankfurter Investmentbank Equinet. "Sowohl der Erwerb als auch die Bewirtschaftung erfordern viel Know-how." Das bestätigt Moritz Spilker, Vorstand der Hamburger Agroenergy AG: "Agrarland ist eine schwierige Immobilie. Wald kann man kaufen und stehen lassen, Felder aber müssen bestellt und Kühe gemolken werden." Das 2007 gegründete Unternehmen plant, bis 2012 rund 18 000 Hektar zu bewirtschaften.

Acht Prozent Rendite verspricht Agroenergy - drei Prozent davon aus dem laufenden Betrieb. In den ersten 18 Monaten hat die Aktiengesellschaft aber lediglich einen einzigen Betrieb mit 1 300 Hektar und 23 Mitarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern erworben. In der gleichen Zeit ist die KTG Agrar AG, eines der größten landwirtschaftlichen Unternehmen Europas, um 15 000 Hektar gewachsen. Vorstand Siegfried Hofreiter, der im November 2007 als erster deutscher Bauer an die Frankfurter Börse gegangen ist: "Wir sind eben schon seit 15 Jahren in den neuen Bundesländern aktiv und nahe an den Landwirten, die verkaufen wollen."

Erfahrung tut Not, denn schon die wetterbedingten Mengen- und Preisrisiken, denen die Agrarrohstoffproduktion unterliegt, kann ein Laie nicht abschätzen. KTG Agrar versucht, diese durch regionale Streuung der Flächen zu minimieren. Hofreiter: "Wir ackern von Leipzig über Greifswald bis nach Litauen. So konnten wir selbst in trockenen Jahren stabile Ernten einfahren." In Ostdeutschland pachtet der Fachmann überwiegend, in Litauen kauft er: "Dort hat sich der Hektarpreis in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht und liegt dennoch erst bei rund 3 000 Euro." Langfristig werde sich das Niveau dort dem in Ostdeutschland annähern. Wolfgang Weber von Equinet rät Anlegern, die sich mit dem Gedanken tragen, in Agrarfonds oder-aktien zu investieren, auf deren Kompetenz in Sachen Landwirtschaft zu achten: ""Leider gibt es in Deutschland aber nur wenige Experten für großflächige Bewirtschaftung."

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