Scope
Ratingagentur sieht Überlebenschancen für einige Immobilienfonds

Erstmals in der Geschichte der Offenen Immobilienfonds werden gleich drei Fonds abgewickelt, zahlreiche weitere haben Gelder eingefroren. Die Anleger sind verunsichert, doch nicht überall droht ihnen das Schlimmste.
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FrankfurtDie Krise bei den Offenen Immobilienfonds werden nach Einschätzung der Ratingagentur Scope nicht alle Produkte überleben. "Die Branche schrumpft sich gesund", sagte Scope-Analystin Sonja Knorr am Mittwoch in Frankfurt. "Weitere Fondsschließungen sind absehbar, aber einige Anbieter haben ihre Hausaufgaben gut gemacht." Erstmals in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Offenen Immobilienfonds in Deutschland werden derzeit drei Produkte abgewickelt, weil sie nach der Finanzkrise nicht wieder auf die Beine gekommen sind. Etliche weitere Fonds sind dicht und nehmen weiter keine Anteilsscheine zurück. Ein Fondsvermögen von über 20 Milliarden Euro ist eingefroren. Die Anleger bangen um ihr Geld.

Zu den Fonds, die angesichts der Qualität ihres Portfolios, ihrer Liquidität und mit Blick auf das Management erfolgreich wieder öffnen könnten, zählte Knorr den milliardenschweren CS Euroreal von der Credit Suisse und den KanAm Grundinvest. Beim SEB ImmoInvest hänge viel von der künftigen Vertriebskraft ab, sagte Knorr im Interview mit Reuters Insider TV. Das hiesige Privatkundengeschäft der SEB ist an die spanische Bank Santander verkauft worden.

Zuversichtlich zeigte sich die Analystin auch für den von Union Investment aufgelegten Fonds UniImmo Global. Anders als die übrigen eingefrorenen Fonds hatte der UniImmo Global nicht mit Liquiditätsnöten zu kämpfen. Vielmehr wurde der Fonds infolge der Japan-Katastrophe im März vorübergehend geschlossen: Rund 14 Prozent der Immobilien befinden sich in Tokio, eine angemessene Bewertung der Objekte sei nach dem Atomunfall nicht möglich, argumentierte die Fondsgesellschaft damals. "Ich gehe davon aus, dass der Fonds wieder öffnet, sobald die Möglichkeit einer Bewertung wieder gegeben ist", sagte Knorr.

Im Zuge der Finanzkrise hatten Anleger Milliardensummen aus Offenen Immobilienfonds abgezogen und dadurch die Fonds in Schieflage gebracht. Die Situation hat sich nicht entspannt. Erst vor wenigen Tagen hatten die Flagschiffe SEB ImmoInvest und CS Euroreal ihre Aussetzungsfristen verlängert. Überraschend teilte Anfang der Woche dann auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS mit, einen Immobilien-Dachfonds vorübergehend einzufrieren. Einen neuen Krisenherd fürchtet die Scope-Expertin aber nicht.

Generell beobachtet Knorr eine Zweiteilung des Marktes. So hätten die drei stärksten Fondsgesellschaften 2010 zusammen fast vier Milliarden Euro einsammeln können und auch branchenweit mit die höchsten Renditen erwirtschaftet. Diese Gesellschaften haben allesamt einen starken Vertrieb im Rücken, wie die zu den Sparkassen gehörende Deka oder die ebenfalls zur Deutschen Bank gehörende RREEF. Die eingefrorenen oder sich in der Abwicklung befindlichen Fonds hätten die schlechtesten Renditen vorzuweisen. Die Renditespanne 2010 schwankte Knorr zufolge zwischen plus 5,3 und minus 39,1 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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