Senirengerechtes Wohnen
Das Haus muss rollstuhltauglich sein

In Deutschland sind viele Mieter in ihren Wohnungen alt geworden. Die Folge: Die gemieteten vier Wände entsprechen nicht mehr der Lebenssituation der Bewohner. Wollen die Vermieter – häufig kommunale Gesellschaften, die ihre Bestände in den Jahren der Wohnungsnot nach dem Krieg gebaut haben – nicht Leerstand riskieren, müssen sie versuchen, diese wachsende Gruppe der Senioren an sich zu binden. Dies kann durch den altengerechten Umbau der Wohnungen geschehen.

HB DÜSSELDORF. Der Umbau in eine barrierefreie Wohnung (siehe „Kleine Kniffe mit großer Wirkung“) scheitert bei den vielen zwischen 1950 und 1970 entstandenen Wohnsiedlungen oft an schwer veränderbaren Grundrissen, die es beispielsweise nicht erlauben, die Durchgangsbreite in den Wohnungsfluren so zu erweitern, dass sie problemlos mit einem Rollstuhl befahren werden können. In der Regel sind außerdem die Bäder zu klein, und es gibt zu wenig Stauraum.

An der Fachhochschule Heidelberg wurden Vorschläge zum Umbau solcher Objekte in barrierearme Wohnungen erarbeitet. Susanne Edinger, Professorin an der FH Heidelberg, verdeutlicht das Potenzial: Allein zwischen 1950 und 1960 seien 1,9 Mill. Wohnungen gebaut worden. Etwa 850 000 entsprächen dem typischen Muster zwei- bis viergeschossiger Gebäude mit zwei Treppenaufgängen, zusammengefasst in Gruppen von vier bis sechs Häuserzeilen. „Sie entsprechen einem Gegenwert von 40 Mrd. Euro“, sagt Edinger. Sie schätzt die Zahl der älteren Bewohner in diesen Siedlungen auf 1,5 Mill. Menschen. Vermieter dieser preisgünstigen, im Durchschnitt 60 Quadratmeter großen Wohnungen sind Edinger zufolge meistens Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften. Der absehbare Bedarf barrierefreier oder zumindest barrierearmer Wohnungen wird durch die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes belegt. Danach steigt der Anteil der Menschen, die älter als 60 Jahre sind, in Deutschland von 2001 bis 2010 von 24,1 auf 25,6 Prozent und klettert bis zum Jahr 2030 auf 34,4 Prozent.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Beweglichkeit eines Menschen ab. Treppensteigen wird beschwerlich. Schwellen werden zu Stolpersteinen. Infolgedessen droht Senioren der Verlust der Selbständigkeit. Genau das ist es, was einer Umfrage der Bundesarbeitsgemeischaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) zufolge drei Viertel der 486 befragten älteren Menschen befürchten (siehe „Sorgen im Alter“). Die Interviewten geben zwar einerseits weit überwiegend an, mit der eigenen Wohnung zufrieden zu sein. Doch andererseits nennen 184 von ihnen, klar was ihnen fehlt. Knapp ein Viertel klagt, die eigene Wohnung sei nicht altersgerecht. Und obwohl ältere Menschen eher weniger zum Wohnungswechsel neigen, stellt Holger Stolarz, der sich beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) mit dem Wohnen im Alter beschäftigt, fest: „Die Bereitschaft unzufriedener älterer Mieter umzuziehen, ist gewachsen.“

Als Wohnungen in Deutschland noch knapp waren, fiel es Vermietern leicht, einen Mieterwechsel zu Mieterhöhungen zu nutzen. Heute stehen in vielen ostdeutschen Städten und auch im Ruhrgebiet Wohnungen leer. An Mieterwechseln sind Vermieter nicht mehr interessiert.

„Jeder Mieterwechsel kostet Geld“, erklärt Volker Ruiters, Leiter Bestandmanagement bei der Dortmunder Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Dogewo).

Die Dogewo hat Vorschläge zum altengerechten Umbau ihrer Wohnungen aufgegriffen. Die Tochtergesellschaft der Dortmunder Stadtwerke hat rund 15 700 Wohnungen im Bestand, die überwiegend aus den 1950er- und 1960er-Jahren stammen. In zehn bis zwölf Jahren wollen die Dortmunder etwa zehn Prozent davon barrierearm modernisiert haben. Für die Umrüstung sind im Erdgeschoss gelegene oder durch Aufzüge erreichbare, leer stehende Wohnungen vorgesehen.

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