Serie: Perlen im Westen
Bonn hat den Bogen raus

Vierzig Jahre lang war sie nur die „provisorische“ deutsche Bundeshauptstadt. Nun aber darf Bonn endlich langfristig denken. Für den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens im Jahr 2020 ist man bereits gerüstet. Zu Ehren des berühmtesten Sohnes der Stadt wird ein neues Festspielhaus gebaut, ein „Jahrhundertprojekt“, wie Bürgermeisterin Bärbel Dieckmann sagt. Noch steht nicht fest, wer den Entwurf liefert, doch es wird ein großer Name sein.

KÖLN. In der Endrunde des Architektenwettbewerbs stehen vier Planer von Weltrang: Die Londonerin Zaha Hadid, Hermann & Valentiny aus Wien, der Japaner Arata Isozaki und Richard Meier aus New York. Im Sommer wird man erfahren, wer beim neuen Konzerthaus auf dem Gelände der bisherigen Beethovenhalle zum Zuge kommt. Bereits gesichert ist die Finanzierung des auf 75 Mio. Euro taxierten Vorhabens: Neben der Stadt, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Land NRW beteiligt sich auch der Bund mit 39 Mio. Euro am Vorhaben, dem man in Berlin „nationalen Rang“ einräumt. Und damit nicht genug: Auch die drei unternehmerischen Schwergewichte am Ort, Deutsche Post, Deutsche Telekom und Deutsche Postbank, engagieren sich finanziell beim Bau des Beethoven-Festspielhauses.

Die ungewöhnliche Allianz zeigt einmal mehr, dass Bonn bis heute von seiner bundesrepublikanische Vergangenheit zehrt. Als Parlament und Regierung 1999 nach Berlin zogen, da befürchteten viele, in Bonn würden nun die Lichter ausgehen. Das ewige „Provisorium“ aber erwies sich als zäh, zumal bei den Verhandlungen mit dem Bund über einen finanziellen Ausgleich: 1,43 Mrd. Euro flossen aus der Staatskasse für den „Aufbau West“ in die Region. Ein Pfund, mit dem die Stadt gewuchert hat.

Der Wandel von der Beamten- zur Dienstleistungsstadt scheint gelungen: 90,6 Prozent der Beschäftigten arbeiten heute in diesem Sektor, vor allem in der IT-Branche, sagt Victoria Appelbe, Chefin der Bonner Wirtschaftsförderung, und gibt zu: „Niemand hat vorhersehen können, dass sich der Dienstleistungssektor so gut entwickeln würde.“

Davon profitiert vor allem der Markt für Büroimmobilien. Der ist zwar überschaubar, doch durchweg gesund: Mit 3,7 Mio. Quadratmetern (qm) Fläche bringt er es zwar nur auf ein Drittel der Fläche, die Frankfurt zu bieten hat, dafür sind in Bonn 96 Prozent der Büros vermietet, in der Bankenstadt nur knapp 88 Prozent. Die Spitzenmiete liegt bei 16 Euro pro qm und Monat. Das ist zwar weniger als die Hälfte dessen, was man in der Mainmetropole zahlt, doch schon nahe dran an den 18,50 Euro, die Berater Jones Lang Lasalle (JLL) für Stuttgart ausweist, immerhin einer der sechs großen deutschen Büromärkte.

„Entwickler investieren daher gezielt in den Büromarkt“, sagt Wirtschaftsförderin Appelbe. Einer von ihnen ist Jörg Haas. Der Gründer des privaten Immobilienvermögensverwalters und Bestandhalters Bonnvisio stemmt eines der derzeit größten Projekte in der Stadt, den 100 Mio. Euro schweren „Bonner Bogen“. Das zwölf Hektar große Gelände der Ende der 1980er-Jahre geschlossenen Portland Zementfabrik auf der rechten Rheinseite erlebt derzeit seine Metamorphose von der Industriebrache zum Bürostandort mit Edeltouch: 4 000 Menschen sollen nach der Fertigstellung von 150 000 qm Bruttogeschossfläche – Büros, Gastronomie, Einzelhandel und wenige Wohnungen – im Jahr 2010 hier arbeiten.

Highlight der Entwicklung ist das Fünf-Sterne-Hotel „Kameha Grand“ – ein Haus mit 254 Zimmern, Konferenzräumen und Schwimmbad auf einer von sechs Dachterrassen. Als gebürtiger Bonner wird Carsten Rath, Vorstand des Kameha-Betreibers Luxury Hospitality & Entertainment (LH&E) aus Frankfurt, wissen, warum er ausgerechnet in der beschaulichen Rhein-Stadt sein erstes von 20 geplanten Hotels eröffnet: Bonn, sagt er, sei die „am meisten unterschätzte Stadt in Deutschland.“

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